Wer Lust hat, kann sich am kommenden Freitag gerne mal in Böckwitz oder Jahrstedt postieren und warten, bis zwei Männer auf E-Bikes vorbeikommen. Joachim Franz und Christian Roth fahren 25 Jahre nach dem Fall am früheren Eisernern Vorhang entlang.

Klötze/Wolfsburg l Zu einem spektakulären Vorhaben ist vor einer Woche der Wolfsburger Extremsportler Joachim Franz aufgebrochen. In Erinnerung an ein historisches Ereignis von außerordentlicher Bedeutung begab er sich in den hohen Norden Skandinaviens, um von dort aus im Sattel eines Elektro-Fahrrades den gesamten Verlauf des ehemaligen Eisernern Vorhangs zu bewältigen.

Die Tour begann am 27. Juni und damit genau 25 Jahre nach dem symbolischen Durchtrennen der Grenzanlagen durch die Außenminister von Österreich und Ungarn. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft des Europäischen Parlamentes sowie des niedersächsischen Ministers für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Olaf Lies, wie Sandra Wukovich von der Abenteuerhaus GmbH auf Anfrage der Klötzer Volksstimme mitteilt.

Fast fünf Jahrzehnte lang, so schildert Wukovich die Hintergründe für die Expedition, teilte der Eiserne Vorhang die Welt in Ost und West. Der Fall dieses in Stein und Geist gemeißelten Walls markierte den Aufbruch in ein neues Zeitalter und ein vereintes Europa.

Der "Iron Curtain Trail" nimmt diesen Wendepunkt zugleich zum Anlass, um den Blick auf die Perspektiven der Zukunft zu richten. Denn die nun grenzenlos mögliche Mobilität steht wegen einer zunehmenden Belastung der Umwelt vor völlig neuen Herausforderungen. Zu einer nachhaltigen Strategie gehört die Auseinandersetzung mit neuen Antriebsformen, wie eben der Elektro-Mobilität. Bis zum Jahr 2020, so hat es Bundeskanzlerin Angela Merkel postuliert, sollen auf deutschen Straßen eine Million Fahrzeuge mit Elektro-Antrieb unterwegs sein. Der Einstieg in die Elektro-Mobilität, so Wukovich, erfordert jedoch ein Umdenken in den Köpfen vieler Menschen - genauso wie 1989 ein Umdenken bei den Völkern einsetzte.

Joachim Franz wird vom E-Bike-Experten und gebürtigem Braunschweiger Christian Roth begleitet. Ihre Tour ist insgesamt rund 9000 Kilometer lang und führt durch 20 Länder von Norwegen bis in die Türkei. Im dortigen Istanbul soll der Trip am 28. Juli enden. Geplant ist, dass die beiden Männer am Sonntag, 13. Juli, einen Zwischenstopp in Wolfsburg einlegen, wo unter der Regie der Stadt sowie der Wolfsburg AG ein Aktionstag zum Thema "Fahrrad und E-Mobilität" mit zahlreichen Programmpunkten stattfinden soll.

Zuvor werden Franz und Roth auch die Altmark streifen. Ihre Route führt über Ziemendorf, Schrampe, Seebenau, Hestedt, Henningen, Dahrendorf, Bonese, Diesdorf, Jübar und am Freitag, 11. Juli, auch durch Zicherie/Böckwitz sowie Jahrstedt. Im weiteren Verlauf geht es in den Bördekreis, tangiert werden dabei Buchhorst, Oebisfelde und Lockstedt.

Das EU-Parlament hat die Schirmherrschaft für die Tour übernommen, "weil mit ihr die Geschichte Europas ins Blickfeld gerückt und gleichzeitig ein Dialog über nachhaltige Mobilität gefördert werden soll". Auch Olaf Lies ist voll des Lobes: "Damit setzen die Veranstalter nicht nur ein Zeichen gegen das Vergessen, sondern wecken auch das Interesse für neue Formen der Mobilität."