Vielfältig waren die Themen, die beim wirtschaftspolitischen Stammtisch der SPD (wir berichteten) zusammen mit der Landesvorsitzenden der Sozialdemokraten, Katrin Budde, besprochen wurden. Es ging um den Rundfunkstaatsvertrag, um Arbeitsplätze, Wirtschaftsansiedlungen, aber auch um die Bildung und Ausbildung.

Klötze. Wie sich Unternehmer der Region die Wirtschaftspolitik des Landes in den nächsten Jahren wünschten, wollte Kathin Budde beim wirtschaftspolitischen Stammtisch der SPD von den Gästen wissen. Immerhin, so die Landespolitikerin, die auf Einladung ihres Fraktionskollegen Jürgen Barth nach Klötze gekommen war, wisse sie um die dünne Besiedelung der Altmark: "Die kann Unternehmen, die sich hier angesiedelt haben, gute Chancen für die Entwicklung bieten. Aber andererseits birgt diese dünne Besiedelung auch Risiken bei der künftigen Wirtschaftsansiedelung."

Und die wünscht sich beispielsweise WIKO-Geschäftsführer Adolf Fehse, der zugleich Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Magdeburg ist. Doch der Klötzer ist sich sicher, dass es eine größere Industrieansiedlung – einen "Leuchtturm", wie ihn Wolfsburg mit dem VW-Werk hat – in der Altmark nur geben kann, wenn sich die Altmark als Ganzes sieht und nicht getrennt in Ost- und Westaltmark. Sein Wunsch an das Land: "Ich bitte, zu überdenken, welche Hilfe das Land für die Altmark leisten kann. Und das nicht nur auf finanzieller Ebene. Die beiden Landkreise sind allein damit überfordert."

"Betriebe brauchen gute Schulabgänger"

Zu der Stammtischrunde war auch Kreishandwerksmeister Adelbert Neuling gekommen. Der Kuseyer monierte den derzeitigen Entwurf des Rundfunkstaatsvertrages (wir berichteten), der ganz besonders das Kfz-Handwerk beutele, machte aber auch die Bedeutung des Handwerks in Deutschland klar: "Das Handwerk bildet 40 Prozent der Auszubildenden in ganz Deutschland aus. Aber wir wollen als Handwerk nicht nur ausbilden, sondern wir wollen unsere Auszubildenden auch als Fachleute halten. Wir können es uns in Zukunft nicht mehr leisten, die jungen Leute nach ihrer Ausbildung nicht mehr im Betrieb halten zu können und sie in andere Region abwandern zu lassen." Um deren Abwanderung zu verhindern, müsse das Land für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen, die allerdings auch Aufgabe des Bundes seien, wie Adelbert Neuling deutlich machte.

Dieses Halten der Jugendlichen in der Region fängt nach Ansicht von Jörg Kägebein, Leiter der Klötzer Sekundarschule, schon dann an, wenn die jungen Leute noch zur Schule gehen. Er plädierte dafür, sich wieder auf einen Unterricht in der Produktion für Schüler zu besinnen. Dafür müsse es allerdings die finanzielle Unterstützung von Land und Bund geben.

Hinsichtlich der Tatsache, dass Sachsen-Anhalt die höchste Rate an Hauptschulabgängern hat, ist sich Katrin Budde sicher, zukünftig mehr Augenmerk auf die Bildung zu legen. "Die Unternehmen in unserem Land brauchen gute Schulabgänger." Doch nicht allein Aufgabe der Bildungs-Verantwortlichen könne es sein, für gute Schulabgänger zu sorgen. "Die Erziehung der jungen Menschen fängt doch schließlich schon im Elternhaus ein", ist für Adolf Fehse klar, aber immer mehr lasse gerade diese Erziehung im Elternhaus zu wünschen übrig. Für den Pädagogen Jörg Kägebein kein Phänomen, denn "wir haben es in unserer Gesellschaft mit einem klaren Werteverfall zu tun".

Daran hätte das Elternhaus seinen Anteil, aber eben auch die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit. Um diesen Werteverfall stoppen zu können, müsse ein Umbruch erfolgen, der jedoch derzeit nicht absehbar sei, wie die Gesprächsteilnehmer bedauerten.