Klötze l Die Ernte der Wintergerste ist fast abgeschlossen. Und die verlief bis auf wenige Unterbrechungen durch Regenschauer reibungslos. Finanziell wichtiger für die Landwirte in der Einheitsgemeinde Klötze ist jedoch die derzeitige Mahd der angebauten Kulturen für die Nahrungsmittelindustrie. Die Mähdrescher sind derzeit in die Raps- und Roggenbestände eingefahren. Davon zeugten am Wochenende mächtige Staubwolken rund um die mähenden Selbstfahrer mit bis über neun Meter breiten Schneidwerken.

Auf den sogenannten leichten Böden bei Jahrstedt ist die Mahd von Roggen schon weit vorangeschritten. Dort wird geerntet, bis die dann klammen Halme die Schneidwerke zu später Abendstunde überfordern. "Die Voraussetzungen für täglich viele Erntestunden sind optimal", freut sich Raimund Punke, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes aus Klötze, für seine Berufskollegen.

Feuchtes Korn muss aufwändig getrocknet werden


Um beispielsweise Roggen zu mähen, muss die Körnerprobe einen Trockenheitsgrad von unter 14,5 Prozent besitzen. Alle Werte darüber bedeuten abwarten oder mit hohem Kostenaufwand trocknen. Dieses Problem stellt sich derzeit aber erst gar nicht.

Die Landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft in Kunrau klotzte am Wochenende ran. Der Roggen auf den Anbauflächen bei Jahrstedt war mit 10,2 Prozent mehr als notwendig trocken für das Abernten. Die Fallzahl (siehe Infokasten) wies einen geradezu idealen Wert von 114 Sekunden auf.

Zeit ist auch in der Landwirtschaft kostbar. Deshalb werden beim Mähen immer mehr Umlademulden eingesetzt. Die erlauben es dem Mähdrescherfahrer bei seiner Arbeit, ohne zu stoppen die Körnerfracht aus dem Sammeltank in die von einem Traktor gezogene Mulde hineinzupumpen. Von der kann die tonnenschwere Menge dann direkt auf die weniger wendigen Verladeanhänger am Feldrand zum Abtransport befördert werden.

Bauern rechnen mit geringeren Preisen je Tonne Korn


Trotz allem Sonnenschein bei der Ernte erkennt Kreislandwirt Punke aber eben keinen eitel Sonnenschein. Der besagte Pferdefuß bei der Getreideernte in diesem Jahr wird nach seiner Ansicht die Preisentwicklung sein. "Die Prognosen sehen nach einer Frühjahrserhebung viel schlechter als im Vorjahr aus", ahnt Punke das, was sich einstellen könnte. "Für Raps wurden 30 Euro je Dezitonne im Erntejahr 2013 am Markt gezahlt", weiß der Agrarexperte.

"Trotz Top-Qualität und guten Ertragsmengen wird diese Summe nicht zu erzielen sein. Der Handel und die Entscheidungen der Europäischen Union werden die Auszahlungsgrößen minimieren", ist sich Punke sicher. Noch lassen sich keine exakten Vergleiche ziehen, weiß Punke auch. Und so fügt er hinzu: "Hoffentlich habe ich mich mit der Aussage einmal geirrt."