Die Entscheidung ist gefallen. Fünf Architekten haben sich an einem Wettbewerb für den Bau des neuen Pfarrhauses in Kusey beworben. Eine Jury sprach sich einstimmig für den Entwurf des Planungsrings Altmark aus Salzwedel aus. Doch grundsätzliche Zweifel an einer so hohen Investition machen die Runde.

Kusey l Das alte Pfarrhaus in Kusey hat endgültig ausgedient. Am Sonnabend stellte Pfarrer Bernd Schulz im Evangelischen Landjugendzentrum (elz) die Entwürfe für den Bau des neuen Hauses nach dem "Kaffee-to-go(ttesdienst)" vor. Hervorgegangen sind sie aus einem Architekturwettbewerb, an dem sich fünf Architekten beteiligten.

"In die engere Wahl kamen drei der fünf Entwürfe", berichtete Bernd Schulz. "Die Auswahl fiel uns nicht leicht, es waren sehr interessante Vorschläge dabei." Das Problem war es, die Vorgaben umzusetzen. Dazu gehörte neben den Kosten die Kombination von Privat- und Arbeitsbereich. Letzterer durfte die Privaträume nicht tangieren, sollte trotzdem eine direkte Verbindung haben und möglichst noch über einen separaten Zugang verfügen. Der zur Verfügung stehende Kostenrahmen von 185000 Euro für den Neubau, inklusive Nebenkosten wie Abriss 230000 Euro, musste eingehalten werden.

Entwürfe gingen anonym ins Rennen

Die Auswahl getroffen haben eine Fachpreisjury und eine Sachpreisjury, zu der unter anderen Superintendent Matthias Heinrich, Pfarrer Bernd Schulz und Gemeindepädagoge Martin Zander gehörten. Um objektiv entscheiden zu können, waren die Entwürfe nur mit einer Nummer versehen. Nach vierstündiger Beratung stand die einstimmige Entscheidung fest: Den ersten Platz belegt der Entwurf von Alice Bondeur vom Planungsring Altmark in Salzwedel. Auf Platz zwei wählte die Jury den Vorschlag vom Architekturbüro Arne Deck aus Wittingen, auf Platz drei den von einem Winterfelder Architektenbüro.

"Alle Entwürfe waren reizvoll", erläuterte Bernd Schulz. "Für den Sieger haben wir uns entscheiden, weil das Haus ins Ortsbild passt, aber mit dem Erker in Holz trotzdem modern gehalten ist." Geschickt sei die Kombination von Arbeits- und Privatbereich gelöst worden.

Für den Neubau sollen nun Fördermittel beantragt werden. Finanziert wird das Projekt von der Landeskirche, dem Kirchenkreis und der Kirchengemeinde. Letztere muss einen Eigenanteil von 70000 Euro aufbringen: 30000 Euro aus der Rücklage, dazu ein Kredit über 40000 Euro. Baubeginn soll im Frühjahr sein.

Doch es gibt ein großes Aber, mit dem Bernd Schulz das Projekt grundsätzlich infrage stellt. "Wenn wir den Pfarrbereich Steimke-Kusey umgestaltet haben, sind mit dem Umbau des Steimker Pfarrhauses und dem Neubau in Kusey fast 500000 Euro investiert worden. Da fragt man sich doch, ob das sein muss", verdeutlichte Bernd Schulz. Es gäbe großen Sanierungbedarf am elz, das Dach des Pfarrhauses in Steimke müsse mittelfristig erneuert werden. "Wie sollen wir das alles schaffen?", fragte der Pfarrer. Für ihn ist der Neubau in Kusey eine Fehlentscheidung, die "von den Kreiskirchenältesten und Synodalen zu wenig kritisch hinterfragt" worden sei. Mit dem ordinierten Gemeindepädagogen Martin Zander, der das neue Haus mit seiner Familie bewohnen wird, "haben wir einen aktiven Mitarbeiter, den wir gern behalten möchten", betont Schulz. "Aber 30 Jahre wird er hier nicht bleiben. Der Stellenausschuss tagt schon wieder", verweist er auf nicht auszuschließende weitere Stellenstreichungen.

"Das würde kein Unternehmen machen"

Für den Neubau sei Hoffnung die Basis. "Das würde kein Wirtschaftsunternehmen machen", betonte er, schränkte aber ein, dass es in Kusey keinen adäquaten Wohnraum als Ersatz geben würde. Attraktiver Wohnraum sei aber das Pfund, mit dem die Kirche in Kusey wuchern könne.

Bernd Schulz sagt: "Der Kardinalfehler ist, dass es kein Gesamtkonzept für den Kirchenkreis gibt." Fast alle Gemeinden seien finanziell hoch belastet, hätten aber genug Geld für die Kirchenarbeit. "So viel wie nie zuvor", sagt Bernd Schulz, "aber nicht für so teure Projekte."

Zur Umgestaltung des Pfarrbereichs sagte Schulz, dass er in Steimke in einer "traumhaften Wohnung lebt". "Aber für die Arbeitsorganisation ist es vom Rand des Pfarrbereichs aus immens schwierig. Das Zentrum ist nun mal Kusey." Er erfasse gerade das Mehr an Fahrtkosten, das dadurch pro Jahr entstünde.

Über seinen jetzigen Wohn- und Arbeitsort sagte Schulz, dass Steimke keine Infrastruktur habe. "Es ist fraglich, ob sich jemand nur mit einer schönen Wohnung herlocken lässt." Er wolle aber den Steimkern nicht unrecht tun. "Wir sind sehr nett aufgenommen worden, das ist ein schönes Dorf." All diese Probleme sind lange bekannt, sagte Bernd Schulz: "Wir haben sie benannt, sind aber im Kirchenkreis auf taube Ohren gestoßen." Er freue sich für Martin Zander und seine Familie. Doch das betreffe Privatpersonen. Für eine sinnvolle Kirchenplanung sei das alles nicht dienlich.

Abschließend stellte Bernd Schulz eine Grundsatzfrage in den Raum: "Warum können wir Kirchenmitarbeiter uns nicht auch unsere Wohnung auf dem freien Markt suchen?"

Indes ist die Meinung des Pfarrers zum Kuseyer Neubau selbst in seinem Pfarrbereich nicht unumstritten. Nicht namentlich genannt werden wollende Kirchenälteste sagen, sie begrüßen, dass die Kirche bei dem Neubau auch baulich mit der Zeit gehen würde. Das würde die Außenwirkung der Kirche stärken.

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