Unglück schläft nicht. Das gilt auch für das Baden im Meer, Flüssen und Teichen - erst recht in Freibädern. Dort fühlen sich Badegäste besonders sicher. Damit hat Bruder Leichtfuß bereits ein Bein in der Tür für eine gefahrvolle Situation. Die Volksstimme fragte im Klötzer Waldbad nach.

Klötze l Der Worst Case, also das ultimative Unglück, das hat Schwimmmeister Roland Gille in seinem Beruf noch nicht erlebt. Doch der Verantwortliche für den Fall der Fälle weiß ganz genau, was zu tun ist, wenn Badegäste zu ertrinken drohen. Richtig in solch einer Ausnahmesituation zu handeln, das trauten sich bei einer nicht repräsentativen Umfrage nur wenige Gäste des Klötzer Waldbades zu. Aber solche Personen werden auch im Freibad Kunrau anzutreffen sein.

Selbstüberschätzung und Alkohol größte Gefahren

Einige junge wie ältere Schwimmer winkten ab, als sie gefragt wurden, ob sie sich die Rettung einer im Wasser in Not geratenen Person zutrauen. Die Klötzerinnen Inge Sommer und Inge Oesterreich waren sich sicher, dass sie sich in solch einem Fall für eine Rettung nicht sicher genug fühlten. Gerda Gebbert meinte, dass sie im Notfall handeln würde. Wie genau, das wusste sie auf Anhieb nicht, doch "wenn jemand droht zu ertrinken, dann muss ich helfen". Schwimmmeister Gille meint dann auch: "Immer weniger Badegäste trauen sich die Rettung aus dem Wasser zu."

Die häufigsten Fehlverhalte, die Badegäste im Wasser in Lebensgefahr bringen können, sind vorheriger Alkoholkonsum und Selbstüberschätzung. Das gilt fürs Baden in der Ostsee, in Binnenseen, Teichen und selbstverständlich auch in Freibädern, nennt Gille die Hauptursachen beim Namen. "Das gilt auch für sehr gute Schwimmer", mahnt der Schwimmmeister. "Im Freibad ist Hilfe sehr schnell zur Stelle, anderenorts kann die Situation prekär werden, wenn der in Not geratene allein im Wasser oder weit vom Ufer entfernt in Not gerät." Gille warnt: "Sich schnell mal abkühlen im Verlauf einer Strandparty oder als Mutprobe hinaus auf ein Gewässer schwimmen, das ist Leichtsinn hoch drei", lautet die Warnung des Klötzer Schwimmmeisters. "Passiert das dann auch noch in der Dunkelheit, selbst wenn das Gewässer bekannt ist, begibt sich die Person schon nach den ersten Schwimmzügen in Lebensgefahr. Schnell verliert man im Dunkeln die Orientierung", gibt Gille zu bedenken.

Eigensicherung kommt stets vor Lebensrettung

Zurück ins Waldbad. Die Gefahren durch Wellengang, Unterströmung und ablandige Strömungen sind dort nicht vorhanden. Und doch können Situationen eintreten, die unmittelbares Handeln erfordern. Überanstrengung beim Streckenschwimmen, ein Herzinfarkt eines Schwimmers oder ein Zusammenprall zweier Köpfe durch einen leichtsinnigen Sprung vom Beckenrand aus, das kann beispielsweise zum Untergang in den Fluten eines Freibades führen. Dann heißt die erste Bürgerpflicht fürs Retten Ruhe bewahren, Hilfe alarmieren und den in Not oder gar in Lebensgefahr geratenen Badegast an die Wasseroberfläche holen und an Land bringen. "Immer kommt die Eigensicherung stets vor der Lebensrettung", gibt Gille einen überlebenswichtigen Hinweis. "Personen, die drohen zu ertrinken, verhalten sich in unberechenbarer Art und Weise. Das gilt auch, wenn der beste Freund oder die allerbeste Freundin im Wasser in Panik geraten ist."

Ist die gerettete Person an Land, erfolgen Atemkontrolle und eine Bewertung des Allgemeinzustandes. Bei einer Bewusstlosigkeit erfolgt die stabile Seitenlage, ist der Körper leblos, kein Atemhauch mehr zu spüren und ohne Puls, dann muss mit der Herz-Lungenwiederbelebung begonnen werden; so lange, bis professionelle Hilfe eintrifft.

Schwimmmeister Gille meint, dass er ohne einen solchen Rettungseinsatz im Klötzer Waldbad bis zur Rente auskommen wird. Die Schwimmausbildung und das Einhalten der Disziplin der Kinder in den Schulen sind mit ein Garant dafür. Die Senioren, die täglich ihre Bahnen durch die Fluten ziehen, teilen sich ihre Kräfte ein.

Wer jedoch seine schwimmerischen Fähigkeiten im Wasser überprüfen möchte, der kann das bei Roland Gille ausloten. Es werden sogar Leistungsstufen in Gold, Silber und Bronze nach den kurzen Tests verliehen.