Auf ein turbulentes Jahr 2010 blickten am Freitagabend die Mitglieder des Sportvereins Oebisfelde (SVO) während ihrer Jahreshauptversammlung zurück. Denn wegen Steuernachzahlungen im fünfstelligen Bereich geriet der größte Verein der Stadt bedenklich ins Wanken. Eine Konsequenz: Die Sparte Fußball trat aus dem SVO aus und gründete den selbständigen Verein 1. FC Oebisfelde.

Oebisfelde. Zwei der Fußballer, Karl-Heinz Damm und Eckhard Brosig, hatten seit Jahrzehnten im SVO-Vorstand mitgearbeitet, Brosig als stellvertretender Vorsitzender und Damm als Jugendwart. Zur turnusmäßigen Wahl ihrer Ämter, außerdem war auch das Amt des Kassenwartes neu zu besetzen, standen die beiden erfahrenen Sportfreunde am Freitag nicht mehr zur Verfügung, dafür aber Jürgen Müller als Kassierer. Er stellte sich erneut zur Wahl und erhielt einstimmig das Vertrauen der knapp 40 anwesenden stimmberechtigten Vereinsmitglieder.

Neu im Vorstand sind hingegen Torsten Schmidt und Maik Lenz. Der 40 Jahre alte Schmidt tritt die Nachfolge von Brosig als stellvertretender Vorsitzender an. Der 46-jährige Berufsschullehrer Lenz tritt in die Fußstapfen von Damm als Jugendwart. Beide Männer kommen aus der Handballsparte des Vereins, die mit 247 Mitgliedern, davon 53 Prozent Kinder und Jugendliche, die größte im Verein ist.

Nach dem Austritt der Fußballer gehören dem SV Oebisfelde mit den Sparten Handball, Tennis, Volleyball, Kegeln und Gymnastik aktuell noch 416 Frauen, Männer sowie Nachwuchssportler an. 2010 waren es mit den Kickern 586 Mitglieder.

Vorsitzender schließt Wiederholung aus

Zu den finanziellen Turbulenzen sagte Vereinschef Axel Schulz: "Die Steuerfahndung war im Haus, eine Tiefenprüfung erfolgte und wir mussten einen hohen Betrag nachzahlen. Außerdem wurde uns vorübergehend die Gemeinnützigkeit aberkannt. Das alles hat uns an die Grenzen gebracht. Das Schlimmste konnten wir aber abwenden. Inzwischen befinden wir uns wieder auf dem richtigen Kurs", informierte Schulz und fügte hinzu: "Gefragt ist jetzt Sparsamkeit. Die Kasse ist leer. Die pünktliche Bezahlung des Vereinsbeitrages sollte daher eine Selbstverständlichkeit sein."

Eine Wiederholung des Szenarios schloss der Vorsitzende, er beantwortete damit eine Frage von Tennis-Akteur Lars Warnecke, aus. Schulz: "Wir arbeiten mit einem Steuerbüro aus Braunschweig zusammen und befinden uns damit auf der sicheren Seite. Das kostet natürlich Geld. Schön wäre es, wenn sich jemand aus dem Verein finden würde, der von Steuerangelegenheiten richtig Ahnung hat und uns so helfen könnte."

Sportlich befindet sich der Verein indes weiter auf einem soliden Weg. Aushängeschild ist weiterhin die erste Handballmannschaft der Männer. Die Truppe um Trainer Thomas Meinel meldete sich nach dem Abstieg aus der Regionalliga Nord, vier Jahre spielten die Oebisfelder dort, mit dem souveränen Gewinn der Landesmeisterschaft sowie des Landespokals zurück. Verbunden mit dem Titelgewinn war der Aufstieg in die neue Mitteldeutsche Oberliga. Zuvor wurde die Qualifikation für die dritte Liga in zwei Spielen gegen den SC DHfK Leipzig knapp verpasst.

In der neuen Mitteldeutschen Liga spielen die Oebisfelder als amtierender Landesmeister von Sachsen-Anhalt noch nicht die erwartete Rolle. Inzwischen haben sie nach zuletzt 7:1 Punkten aber wieder besser Fuß gefasst.

Gut Fuß gefasst haben aber auch die Handballfrauen. Nach dem Aufstieg in die Oberliga, der größte Erfolg einer Frauenmannschaft aus der Allerstadt, konnte die Klasse souverän gehalten werden. Aktuell spielen die jungen Damen mit ihrem Trainer Uwe Dietz, dem Vater des Aufschwungs, in der neuen Sachsen-Anhalt-Liga und belegen dort einen guten Mittelfeldplatz.

Zu den sehr Engagierten im Verein gehören seit vielen Jahren die Tennis-Akteure. Sportlich sieht es zwar für 2011 nicht so rosig aus, wie Spartenleiterin Helga Elger erklärte, doch wegen der traditionell guten Nachwuchsarbeit, hoffen die schlägerschwingenden Vereinsmitglieder auf die Zukunft. In der im kommenden Frühjahr beginnenden Saison geht keine Frauenmannschaft an den Start. Grund sind, so Elger, zahlreiche Abgänge von Spielerinnen. An den Start gehen aber wieder die Männer – in der Altersklasse über 30 Jahre.

Neben dem Sport investieren die Tennis-Akteure auch jede Menge Zeit in die Pflege ihrer drei Plätze auf dem Gehege. Die Einsätze im Frühjahr und Herbst sind bereits Standard. Folge: Die Anlage gehört mit zu den gepflegtesten der Region. Allerdings mahnte Elger zum wiederholten Mal an, das eine grundhafte Instandsetzung unbedingt nötig sei: "Das können wir nicht alleine durchziehen. Wir hoffen auf die Hilfe des Stadtrates."