Alle zwei Jahre startet Kerstin Frenken eine Unterschriftenaktion, so auch jetzt wieder. Es geht um die Salzwedeler Straße, um Verkehr, Lärm und wackelnde Wände. In der Hauptsache wünscht sich Frenken aber ein absolutes Halteverbot.

Klötze l "Das ist der blanke Horror", sagt Kerstin Frenken. Sie wohnt an der Salzwedeler Straße und erlebt nach eigenem Bekunden täglich ein Chaos. Davon konnte sich am Montagabend auch die Volksstimme ein Bild machen.

Nahezu im Sekundentakt rauschen auf diesem Teilstück der L20 Autos und Lastwagen entlang. "Schauen sie mal", ruft Kerstin Frenken. "Hier ist 50 vorgeschrieben. Aber daran hält sich kaum jemand. Die brausen hier ohne Sinn und Verstand durch. Eine Geschwindigkeitskontrolle würde sich wirklich lohnen."

Das Schlimme aus Sicht der 48-Jährigen ist zudem, "dass der Verkehr ja nicht weniger wird, sondern mehr. Ich habe das Gefühl, dass wenn irgendwo was gebaut wird, die Umleitung über Klötze und die Salzwedeler Straße führt."

Für die Anlieger bleibt das nicht folgenlos. Familie Frenken zog 2004 in ihr Haus. Und es gibt Momente, in denen diese Entscheidung bereut wird. "Wegen des Lärms und der Abgase können wir ja nicht mal die Fenster öffnen", klagt Kerstin Frenken. "Von Wohnqualität kann hier keine Rede sein. Wir haben keine ruhige Minute."

Die 48-Jährige arbeitet schichtweise als Melkerin. Das heißt, dass sie bisweilen um 2 Uhr nachts aufstehen muss. Ohne vorher in den Schlaf gefunden zu haben. "Das ist unmöglich. Ständig donnern die Lkw vorbei. Das geht auf keine Kuhhaut." Ganz zu schweigen davon, dass durch die dauernden Erschütterungen die Möbel wackeln und dass die erst vor wenigen Jahren erneuerte Fassade sowie das Hoftor in Mitleidenschaft gezogen werden. "Die Schäden bezahlt uns niemand."

Am liebsten würden die Frenkels ihr Haus veräußern und umziehen. Aber: "Das kauft doch keiner. Da müssten wir ja noch 20000 Euro als Schmerzensgeld drauflegen. Diesen Gräuel will sich keiner antun."

Am meisten regen Kerstin Frenken aber die am Straßenrand abgestellten Pkw auf. Denn so schnell die Autos und Lkw auch unterwegs sein mögen - das ist die eine Seite der Medaille - genauso rasant müssen sie aufgrund der parkenden Hindernisse das Tempo drosseln, weil die eigentlich breite Salzwedeler Straße dann zu einem regelrechten Nadelöhr wird.

"Ich habe mich schon an Pontius und Pilatus gewandt, aber geändert hat sich nichts"

Kerstin Frenken

Das ist die andere und aus Sicht von Kerstin Frenken noch unangenehmere Seite. "Dieses Bremsen und Anfahren geht einem auf den Wecker."

Die 48-Jährige hat auch schon beobachtet, wie sich zwei Lastwagen auf einer Fahbahnhälfte begegneten. Vor einigen Jahren wurde das Hausdach der Frenkens beschädigt. Schwierig wird es für Kerstin und ihren Mann Rolf vor allem auch dann, wenn sie mit ihren Autos vom Hof auf die Straße abbiegen wollen.

An der Salzwedeler Straße gilt ein eingeschränktes Haltevervot. Das bedeutet, dass es verboten ist, dort länger als drei Minuten zu halten, ausgenommen zum Ein- oder Aussteigen oder zum Be- oder Entladen. "Aber die Autos stehen da ja stundenlang", meint Kerstin Frenken, die darum bittet, dass die Parkmöglichkeiten in den Seitenstraßen genutzt werden. Ihr Wunsch ist ein absolutes Halteverbot. "Ich habe mich schon an Pontius und Pilatus gewandt. Aber geändert hat sich nichts. Dass kann doch nicht sein."

Wie Peter Mennicke vom sachsen-anhaltinischen Verkehrsministerium und Margit Netzband von der Landesstraßenbaubehörde, Regionalbereich Nord, auf Volksstimme-Anfrage unisono informierten, handelt es sich bei der Salzwedeler Straße zwar um eine Landesstraße, für die Beschilderung sei in dem Fall jedoch der Altmarkkreis Salzwedel zuständig.

Indes hat Kerstin Frenken mal wieder die "Schnauze voll". Um die Situation an der Salzwedeler Straße zu verbessern, startet sie alle zwei Jahre eine Unterschriftenaktion, so auch jetzt wieder. In Supermärkten, Tankstellen und Bistros liegen Zettel aus. Darauf ist in Kürze die Problematik beschrieben: "Wer auf der Salzwedeler Straße stadteinwärts will, den packt das Grauen: parkende Autos, Verkehr non stop, Gefahrenquelle Nummer 1 in Klötze. Versuchen wir gemeinsam, dies zu ändern."

Was Kerstin Frenken der Volksstimme verschwiegen hat, ist, dass sie Klage eingereicht haben soll. Jedoch, so war zu erfahren, hätten sich im Rahmen der Anhörung alle Beteiligten, wie Kreis, Stadt und Polizei, dagegen ausgesprochen. Zum einen, weil die anderen Anlieger diese Parkmöglichkeit wollen. Zum anderen, weil befürchtet wird, dass bei einem Wegfall des eingeschränkten Halteverbotes noch mehr gerast wird und Forderungen laut werden könnten, dies zu unterbinden. In erster Instanz soll Kerstin Frenken verloren und dagegen Widerspruch eingelegt haben. Diesen habe das Landesverwaltungsamt geprüft und Frenken einen negativen Bescheid zukommen lassen. Dagegen soll die Klötzerin nun erneut Klage eingereicht haben.

Es drängt sich irgendwie ein Vergleich mit dem Kapellenberg in Klötze auf. Dort werden sogar an beiden Seiten der Straße Autos abgestellt. Allerdings wird das geduldet, weil dadurch die Geschwindigkeit der Autofahrer begrenzt werde, ohne dass dazu ein Schild aufgestellt werden müsse.