Immer weniger Menschen scheinen sich um ihre verloren gegangenen persönlichen Dinge zu kümmern. Dieser Eindruck kann entstehen, wenn Petra Müller vom Ordnungsamt der Stadt Klötze die Sammlung derartiger Dinge öffnet.

Klötze l Es ist Petra Müller schlichtweg unverständlich, dass Menschen Bündel mit Auto-, Haustür- und auch Postkastenschlüssel einfach nicht vermissen. Zwei besonders auffällige Exemplare derartiger Fundstücke präsentiert sie im Gespräch mit der Volksstimme. Doch das sind nur die "Prachtexemplare". Öffnet sie einen speziellen Aktenschrank, dann kommen kartonweise Fundstücke zum Öffnen von Türen aller Art zum Vorschein. "Ich habe besonders markante Exemplare, die lagern seit 2010 hier. Und niemand hat bisher nachgefragt", kann Müller solch ein Verhalten nur schwer nachvollziehen.

"Was mich aber wirklich in Rage bringt, sind Tiere, die einfach irgendwo ,verloren gegangen` sind." Die Sachbearbeiterin meint damit, dass Hunde und Katze ihrem Besitzer über geworden sind und ausgesetzt wurden.

Glückliche Enden für die Besitzer gibt es auch

"Schwierig wird es für uns und für das Fundtier, wenn der Erkennungschip fehlt. Es gibt aber auch Happy Ends", erzählt Petra Müller. So wird immer wieder einmal ein Hündchen aufgegriffen, das sich unbemerkt von seinem Herrchen wegstiehlt. "Das Früchtchen kennen wir schon und meist ruft nachmittags bereits sein Herrchen an. Auf die anderen Tiere wartet dann leider das Leben im Tierheim", heißt es von Müller.

Auffällig ist bei der Sammlung von Fundsachen, dass sich darunter sehr viele neuwertige Dinge befinden. So lagert seit geraumer Zeit eine schicke Brille im Fundbüro, die jemand in der Klötzer Sparkasse hat liegen lassen. "Man muss sich wundern, dass nach eigentlich teuren Brillen und Handys niemand nachfragt, wo doch das Fundbüro so ziemlich die letzte Stelle für das Wiederfinden von verlorenen Sachen gilt", schüttelt Petra Müller nochmals verwundert den Kopf. Das gilt auch für den Fundus an Fahrrädern, die in einem gesicherten Raum beim Rathaus abgestellt sind. Von neuwertig, über technisch aufwendig bis zum Kinder-Mountain-Bike-Rad, alles ist dabei, nur finden sich die Besitzer nicht mehr ein.

Immer in Kontakt mit der Polizei

Manchmal hat das aber auch gute Seiten, wie Petra Müller berichtet: "Ein auswärtiger Mann, der als Leiharbeiter für kurze Zeit in Klötze wohnte, fragte bei mir nach einem Fahrrad an, dass er sich für eine kurze Zeit ausleihen möchte. Wenn der Arbeitsvertrag länger wird, dann wollte er das Fundrad für einen angemessenen Preis kaufen. Ich habe ihm ein gut erhaltenes Fahrrad für die Zeit gegen eine Leihgebühr überlassen. Nach einiger Zeit brachte er das Rad gepflegt zurück. Es hatte mit einem unbefristeten Arbeitsplatz nicht funktioniert. Das Rad steht heute noch bei uns", sagt sie.

Hingegen stehen in dem Fahrrad-Stellplatz am Rathaus zahlreiche Fundstücke, die sofort fahrbereit und noch dazu technisch und optisch was her machen. Damit beim Fundbüro kein Diebesgut unterm Dach aufbewahrt wird, finden regelmäßige Gespräche und Abgleiche und die Besichtigung der Fundräder statt, informiert Petra Müller. Deshalb ist es ihr umso unverständlicher, dass selbst für die bestens in Schuss gehaltenen Fahrräder niemand im Rathaus vorspricht.

Das Fundbüro der Stadt Klötze befindet sich im Rathaus, 39486 Klötze, Schulplatz 1; Telefon 03909/4030 oder 403133.