Ferienlager, vor allem die Betriebsferienlager, waren zur DDR-Zeiten Normalität. Zahlreiche Kinder und Jugendliche verbrachten an der Ostsee, im Gebirge oder an verschiedenen Seen in der DDR eine zumeist unbeschwerte Zeit. Ein Ferienlager gab es aber auch in Oebisfelde.

Oebisfelde/Wassensdorf l Konkret an der Wassensdorfer Badekuhle. Es war allerdings kein Betriebsferienlager, sondern ein Lager, das aus einer Gemeinschaftsaktion entstand und anschließend viele Helfer und Unterstützer hatte. Initiator des Lager war der unvergessene Lehrer Ernst Schreiter aus Wassensdorf. Noch heute erinnern sich viele der damaligen Lehrer, Betreuer oder Kinder an die schönen Ferientage an der Badekuhle in Wassensdorf.

1986 berichtete die damalige Wassensdorfer Bürgermeisterin Sabine Peters in einem Interview im Neuen Deutschland (ND) über die Anfänge an der Badekuhle: "Am Dorfrand befindet sich ein kleiner Teich, der vormals von Ödland umgeben war. In den 70er Jahren begannen Bürger auf Anregung des stellvertretenden Wassensdorfer Bürgermeisters Karl Sender und des Gemeindevertreters Ernst Schreiter, dieses Gelände zu gestalten. In Mach-mit-Einsätzen wurde der Tümpel entschlammt. Es entstanden Gebäude mit Aufenthaltsräumen, sanitären Einrichtungen und Bäume wurden gepflanzt. Später kamen Tanzfläche, Kegelbahn, Freilandschach, Zelte und Sportgeräte hinzu. Unsere 450 Einwohner zählende Gemeinde nutzt die Anlagen für Feste aller Art, und sie sind auch ein idealer Tummelplatz für Kinder."

Viele Helfer setzten die Idee um

1980 begann schließlich Ernst Schreiter mit vielen Helfern, seine Ferienlager-Idee umzusetzen. Dazu sagte Sabine Peters im ND-Interview: "Große Unterstützung erhielten wir von Beginn an von der LPG Pflanzenproduktion Oebisfelde, deren Technikstützpunkt seinen Sitz in Wassensdorf hat. Auch die Frauen der DFD-Gruppe sind aktiv. Sie säubern die Räume regelmäßig und kümmern sich überhaupt darum, dass alles schmuck ist, ebenso wie Rentner Heinz Sachtleben. Der Umweltbeauftragte unserer Gemeinde, Wolfgang Sender, hat vor allem die Bepflanzung beziehungsweise die Pflege junger Bäume und Sträucher übernommen. Siegfried Hammel, ebenfalls Gemeindevertreter, und Walter Sender von der LPG führten Klempner- und Elektrikerarbeiten aus."

Betreut worden seien an der Badekuhle ab den Ferien 1980 über 300 Mädchen und Jungen der 1. bis 8. Klassen aus den beiden Oebisfelder Schulen. Es gab zwei Durchgänge zu jeweils 14 Tagen. Die Mädchen und Jungen der 1. und 2. Klassen seien dabei täglich mit dem Rad gekommen oder per Pferdewagen gebracht worden. Die Größeren hätten in Zelten an der Badekuhle übernachtet.

Das Programm sei vielfältig gewesen. 1986 sei beispielsweise eine Hundestaffel der Volkspolizei sowie das Deutsche Rote Kreuz vor Ort gewesen. Außerdem habe es einen Tag der Generationen, Besuch von Rentnern aus Oebisfelde und Wassensdorf sowie die beliebte Sternenkunde mit Astronomielehrer Volker Einbrodt gegeben. Eine große Rolle habe auch der Sport gespielt. Es habe Wettkämpfe im Handball mit Hans Pickert, im Fußball mit Dieter Polep und in der Leichtathletik mit Roswitha Kentel gegeben. Ein weiterer Höhepunkt seien die Nachtwanderungen gewesen. Enge Kontakte hätten auch zu den in Oebisfelde stationierten Grenztruppen bestanden.

Aber auch die Wassensdorfer hätten sich um ihre Gäste gekümmert, wie Bürgermeisterin Sabine Peters in ihrem ND-Interview 1986 erläuterte: "Beim Abschnittsbevollmächtigten lernen die Mädchen und Jungen richtiges Verhalten im Straßenverkehr. Alle Kinder können das Verkehrsabzeichen \'Goldene Eins` erwerben. Wir organisieren Lichtbildervorträge über die Tierwelt des in der Nähe gelegenen Drömlings. Außerdem ist Axel ­Scharnhorst, Leiter unseres Jugendklubs, oftmals in ­seiner Freizeit bei unseren Gästen und treibt mit ihnen Frühsport oder organisiert Wettkämpfe auf dem Wasser. Zudem haben die Mitarbeiterinnen des ­Dorfkonsums im Ferienlager einen kleinen Kiosk eingerichtet."

1989 besuchten die letzten Kinder das Ferienlager. 1990, die DDR befand sich mittlerweile in Auflösung, gab es dann kein Lager mehr an der Badekuhle. In Vergessenheit geraten in das Ferienparadies Ernst Schreiter, wie das Lager in Anerkennung seines Gründers auch genannt wurde, jedoch nicht. Die Kommune hat dort nach der Wende erhebliche Mittel investiert. So ist in den vergangenen Jahren der Sozialtrakt saniert und ein modernes Sanitärgebäude gebaut worden. Betrieben wird die Badekuhle von den Mitgliedern des Wassensdorfer Carnevalclubs (WCC). Sie kennen sich dort natürlich bestens aus, auch weil viele von ihnen bereits als Kinder im Ferienlager mit dabei waren.

 

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