Irgendwie sind Briefträger wie gute Bekannte. So manch einer wird seinen Zusteller namentlich kennen. Doch wie sieht eigentlich der Alltag eines Postboten aus? Volksstimme-Mitarbeiter Markus Schulze durfte Kathrin Meyer am Dienstag eine Stunde lang bei ihrer Tour durch Klötze begleiten.

Klötze l Dienstagmorgen um 9 Uhr vor dem Zustellstützpunkt der Deutschen Post an der Hagenstraße 4 in Klötze. Von hier aus werden Stadt und Umland versorgt. Es herrscht ein emsiges Treiben. Genau wie ihre Kollegen und Kolleginnen belädt Kathrin Meyer gerade einen der zehn Wagen. Es gibt zehn Routen, also auch die gleiche Anzahl von Fahrzeugen. Das macht Kathrin Meyer ganz offensichtlich nicht zum ersten Mal. In Windeseile sind die Pakete, Päckchen und Briefe verstaut. Zuvor hat sie diese Sendungen entsprechend ihrer Tour sortiert. So muss die 50-Jährige nie danach suchen.

Gut gelaunt startet sie mit mir zusammen ihre Tour. Kathrin Meyer ist in einem Einsitzer unterwegs. Deshalb - und aus versicherungstechnischen Gründen - fahre ich mit meinem eigenen Pkw hinterher. Natürlich hält sich die "waschechte Klötzerin" strikt an die jeweiligen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Trotzdem habe ich alle Mühe, ihr zu folgen.

Unser erstes Ziel ist die Partner-Filiale der Deutschen Post am Hegefeld 3a. Dort sind wir nach wenigen Minuten angelangt. Am Ende führt die Strecke über einen mir bis dato unbekannten Schleichweg für Lieferanten. Inhaberin Viola Westhusen bietet neben ihrem Kerngeschäft auch verschiedene Dienstleistungen rund um den Brief- und Paketversand an. Bundesweit gibt es 13000 solcher Filialen.

"Unser `Meyerlein` ist ein echter Schatz."

Viola Westhusen

Die Begrüßung fällt ausgesprochen herzlich aus. West-husen und Meyer umarmen sich. Kurz wird gesprochen. Wie geht`s, wie steht`s? So viel Zeit muss sein. "Ich bin sehr kommunikativ, bin gerne unter Menschen, genau das liebe ich an meinen Job", sagt Kathrin Meyer, die von Westhusen in den allerhöchsten Tönen gelobt wird: "Unser `Meyerlein` ist ein echter Schatz."

Doch allzu lange können wir nicht verweilen. Die Briefträgerin - deren Mann in Magdeburg arbeitet und deren Töchter Sandra und Sarah als Arzthelferin beziehungsweise Physiotherapeutin tätig sind - und ich springen in unsere Autos und steuern die DHL-Packstation am Aldimarkt an. Davon gibt es in Sachsen-Anhalt 73 und bundesweit rund 2650. Dort können die Kunden an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr Päckchen und Pakete abholen und versenden. Dazu bedarf es lediglich einer kostenlosen Anmeldung über das Internet (www.packstation.de). Besonders Berufstätige, die zu den üblichen Zustellzeiten nicht zuhause sind, können so auf Wunsch zeitnah und komfortabel ihre Sendungen erhalten. Die Empfänger werden per SMS über eingetroffene Sendungen informiert, erklärt mir Kathrin Meyer und fügt hinzu, dass es in der Praxis viel einfacher ist, als es sich in der Theorie anhört. Die zweifache Mutter, die in ihrer Freizeit die Minifunken des Klötzer Karnevalvereins betreut, legt Sendungen in die Packstation hinein und entnimmt welche. Zwischendurch tippt sie Zugangscodes in den Automaten ein.

"Ah, da ist ja mein Postbienchen."

Manuela Krauel

Weiter geht es in die Wallstraße. Kathrin Meyer springt aus ihrem Wagen. Ich sprinte keuchend hinterher. "Ja, dieser Job hält fit", bekomme ich zu hören. Doch Kathrin Meyer ist gut "bereift". Sie trägt nämlich Sportschuhe, die zu der mehrteiligen Post-Kollektion mit Hosen, Jacken und Hemden für Sommer und Winter gehören. Privatkleidung ist nicht gestattet. Vor außergewöhnlichen Umständen ist sie dennoch nicht gefeit. "Bei Glatteis rutscht man schon mal aus. Ich würde mir wünschen, dass die Leute, wenn Schnee liegt, eine Gasse bis zum Briefkasten freischippen."

Was für Kathrin Meyer auch ganz normal ist, sind hupende Auto- oder Lkw-Fahrer, wenn sie zum Be- oder Entladen kurz am Straßenrand hält. "Da mache ich mir aber nichts draus", erzählt Kathrin Meyer - und lächelt.

Nächste Station ist der Lidl-Markt. Dort stellen wir kurz unsere Fahrzeuge ab, und Kathrin Meyer füllt die Briefkästen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Plötzlich winkt sie einer Bekannten zu. "Klötze ist ein Dorf", sagt Kathrin Meyer, die hier bekannt ist "wie ein bunter Hund". Das zeigt sich auch an einem Kinderbekleidungsgeschäft. Dort wartet schon Manuela Krauel. "Ah, da ist ja mein Postbienchen", ruft sie Kathrin Meyer entgegen. Wieder gibt es einen kurzen Schnack. So viel Zeit muss sein. Kathrin Meyer lächelt. "Ich bin eben eine Frohnatur. Außerdem liebe ich das, was ich tue. Warum sollte ich also wie ein Miesepeter herumlaufen?"

An dieser Stelle verabschiede ich mich von Kathrin Meyer, deren weitere Route schließlich bis zu den Betrieben und Häusern an der Poppauer Straße führt. Nach etwa drei Stunden und knapp 14 Kilometern wird sie ihre Tour gegen 12 Uhr beenden. Dann hat Kathrin Meyer, die in dieser Woche halbtags arbeitet, Feierabend und kann sich ihrem liebsten Hobby widmen: den beiden Enkelkindern Oscar und Lotta, "die vielleicht eines Tages in meine Fußstapfen als Postbotin treten".

 

Bilder