Ein Silberstreif am Horizont für die letztendlich doch verregnete Getreideernte ist der Milchertrag, wenn denn Kühe im Stall stehen. Mit aktuell 37 Cent je Liter besteht ein stabiler Preis, der das finanzielle Minus beim Qualitätsgetreide etwas abfedert.

Klötze l Das war für den Geschäftsführer der Milcherzeugergenossenschaft Klötze, Raimund Punke, schon ein Schlag ins Erntekontor, als er aus dem Urlaub in sonnigen Gefilden in den Betrieb in Klötze-Nord zurückkehrte. Statt den erhofften sonnigen Tage für Roggen, Weizen und Co. hatten die dauerhaften Regenschauer das Reifen und somit eine ausreichende Körnergröße zunichte gemacht.

Der Gang durch die Milchviehanlage und die Marktanalyse stimmten Punke dann ein gutes Stück froher. Der Milchpreis hat sich nicht nur während seines Urlaubs, sondern bereits seit einem Jahr mit 37 Cent je Liter stabil gehalten.

Wunsch: Steuerfreie Risiko-Rücklage bei der Milcherzeugung

Im Jahre 2009 war die Situation noch völlig anders gelagert. "Ich wusste wirklich nicht, weshalb ich meine Angestellten ans Melkkarussell schicken sollte. Sicherlich, die Kühe mussten gemolken werden. Doch mit 24 Cent für den Liter Milch rechnete es sich nicht einmal, das Licht im Melkkarussell anzuknipsen", blickt Punke zurück. "In den Jahren danach erholte sich das Preisniveau bis auf 32 Cent den Liter. Derzeit können wir jedenfalls mit dem gezahlten Literpreis auskommen", denkt Punke dabei auch als Vorsitzender des Kreisbauernverbands Salzwedel an die Berufskollegen. Er würde es begrüßen, wenn die Milchbauern für schlechte Zeiten eine Risiko-Rücklage bilden könnten. Die müsste dann zweckgebunden, jedoch steuerfrei, selbst verwaltet werden können. "Damit könnten dann die Eingriffe und Förderprogramme in Notzeiten durch Bund und Länder reduziert, wenn nicht sogar unnötig werden", so Punke.

Ungefähr 1000 Kühen zapfen die Melkteams der Milcherzeugergenossenschaft Klötze täglich im Schichtbetrieb zweimal den weißen Rohstoff für unzählige Lebensmittel ab.

Das Erbgut des Bullen entscheidet über den Sitz der Zitzen

Jede Kuh der Milcherzeugergenossenschaft garantiert pro Jahr einen durchschnittlichen Ertrag von 10500 Kilogramm. Damit gehören die Klötzer bei der Milchleistung zu den Spitzenbetrieben in Sachsen-Anhalt.

Wie produktiv eine Milchkuh im Verlauf ihrer Standzeit war, das kann ihrem Leistungsnachweis entnommen werden. Welche Qualitäten dieses Tier als junge Kuh mit in die Stallung und zum Melkstand bringt, das wird bereits durch das Erbgut ihres Erzeugers festgelegt, erklärt der Geschäftsführer. "Es gibt keine Hightech-Kuh, sondern das Erbgut des Bullen entscheidet beispielsweise über die Milchleistung, den Eiweißanteil und den Fettgehalt. Und, man mag es nicht glauben, auch den Sitz der Zitzen bestimmt genetisch der Bulle", gibt Punke einen kleinen biologischen Einblick in die Milchviehhaltung.

In einem Wirtschaftsbetrieb wie der Milcherzeugergenossenschaft Klötze bleibt ein frisch geborenes Kalb lediglich um die zwölf Stunden bei der Mutterkuh. Dann erfolgt die Trennung. Die männlichen Jungtiere werden zur Mast verkauft. Die weiblichen Kälber werden überwiegend zur Reproduktion des eigenen Bestandes aufgezogen oder als tragende Färsen abgegeben, erklärt Punke beim Rundgang durch die Stallungen, in denen die Tiere fast ausnahmslos offen gehalten werden.

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