Wohin mit Oma oder Opa? Diese Frage stellen sich immer mehr Familienangehörige. Insbesondere, wenn die Alten aufgrund ihrer Lebensjahre oder Krankheit umsorgt werden müssen. In Klötze haben sich dabei gleich drei Unternehmen mit positiven Auswirkungen für die Stadt spezialisiert.

Klötze l Was für manche Familienangehörige nicht mehr an Pflege für ihre Senioren zu leisten ist, die gemeinsam unter einem Dach wohnen, das kann in Klötze im Seniorenwohnpark, im Medina-Heim - beide gehören dem Unternehmen Marseille-Kliniken in Hamburg an -, im Sozialcentrum Altmark (SCA) und in der Seniorenresidenz Valenta geleistet werden. Diese Pflege- und Betreuungseinrichtungen stehen als wirtschaftliche Mitbewerber in Konkurrenz zueinander, brauchen sich aber aktuell keine Sorgen um mangelnde Anfragen zu machen. Die Häuser sind bis auf den letzten Platz ausgelastet. Die sozialen Einrichtungen Valenta und SCA haben sich oder werden sich sogar bis 2015 deutlich erweitern.

Pflege garantiert Arbeit für mehr als 460 Menschen

Wenngleich den Unternehmen keine entscheidende Rolle auf der steuerlichen Einnahmeseite der Stadt Klötze zukommt, so fließt über die Lohnsteuer der Mitarbeiter und durch die Einwohneranzahl doch quasi durch die Hintertür Geld in die Stadtkasse. Alle betreute Personen werden von mehr als 460 Bediensteten umsorgt. Und dieses Personal stammt fast ausnahmslos aus dem Dreieck Klötze-Beetzendorf-Salzwedel, wobei die Masse aus dem direkten Einzugsgebiet der Einheitsgemeinde Klötze kommt, bestätigten alle Gesprächspartner gegenüber der Volksstimme.

Das bedeutet auch, dass Teile der Verdienste wieder regional ausgegeben werden. Also auch eine reale Chance für junge Menschen als Arbeitskräfte im Einzelhandel, die wirtschaftliche Zukunft in der Einheitsgemeinde zu erleben. Doch, dass muss benannt werden, gibt es derzeit gegen die hoch gehandelten Beschäftigungen in der Autostadt Wolfsburg kaum eine Alternative. Aber die Arbeitsplätze in der Pflege können als sichere angesehen werden, wie das Beispiel aus dem Senioren-Wohnpark aufzeigt: 31 Mitarbeiterinnen sind dort länger als zehn Jahre beschäftigt. Und das Thema Mindestlohnzahlung ist in keiner Klötzer Einrichtung ein Thema. Es wird überall weit darüber verdient. Und überall wird ausgebildet.

Hilfe auch für jüngere Menschen

Eine Sonderstellung unter den Pflege-und Betreuungseinrichtungen in Klötze nimmt das Pflegeheim Medina im Breitenfelder Weg ein. Die soziale Einrichtung wurde im Jahre 1997 eröffnet. Das Besondere am Medina-Heim ist der ganzheitliche Ansatz in der Therapie von Personen, die an der Psyche mit unterschiedlichen Folgen erkrankt sind: Sie müssen gemeinsam miteinander auskommen. Die Volksstimme unterhielt sich mit der Einrichtungsleiterin Ilona Sens über die wirtschaftliche und soziale Struktur des Hauses. "Im Gegensatz zu den Zeiten vor 1997 ist zu sagen, dass Therapie, Pflege und die Begleitung von Patienten zurück in die Normalität des Alltags die zentrale Aufgabe unserer Pflege- und Betreuungskräfte ist", umreißt die Einrichtungsleiterin das große Ganze. "Unser Haus verfügt über 92 Pflegeplätze, davon kommen auf die seelisch Erkrankten 42 Plätze", informiert die Leiterin. "Sicherlich haben wir eine hohe Anzahl an Patienten, die aufgrund ihrer Sucht eine Behandlung benötigen. (Anmerkung der Redaktion: Dazu gehören auch junge Menschen im Alter bis zu 25 Jahren.) Doch, und das möchte ich betonen, ,leben` auch die mit uns Helfenden und den anderen Patienten unter einem Dach. Wir müssen uns aufeinander einstellen, miteinander umgehen und insbesondere auskommen", nennt Ilona Sens die Spielregeln fürs Miteinander von Personal und Heimbewohnern.

Der Infrastruktur der Stadt Klötze kommt dabei eine bedeutende Rolle zu, wie die Chefin erläutert. So besitzt Klötze für die zu Betreuenden eine intakte und übersichtliche Geschäftswelt. Wichtig ist dabei auch die Bibliothek und das Waldbad, zählt Sens auf. Die Stadt eigne sich ausgesprochen gut, um acht zu betreuenden Personen das sogenannte Trainingswohnen zu ermöglichen. "Sie werden zwar noch von einer Sozialarbeiterin täglich begleitet, kommen aber nur noch für beschäftigende Arbeiten in die Einrichtung. Sie stehen alle acht vor dem entscheidenden Sprung zurück in einen allein verantwortlichen Alltag."

Um solche Erfolge zu erreichen, sind Fach- und Hilfskräfte unerlässlich. Und die kommen nicht nur im Medina-Haus aus Klötze und dem Umland. Insgesamt 60 Arbeitsplätze bietet Medina, die sich in die Berufe Altenpflege, Krankenpflege, Ergotherapie und Erzieher aufteilen. Der Anteil an examinierten Kräften in der Einrichtung liegt bei 55 Prozent, heißt es von Ilona Sens. Gleichzeitig wird auch ausgebildet. Aktuell erlernen drei junge Menschen den Beruf der Altenpflege und eine Auszubildende will Ergotherapeutin werden. Das Medina-Haus ist gleichzeitig Prüfungsstützpunkt für die länderübergreifende Ergotherapieausbildung.

Mehr Unterstützung seitens der Politik nötig

Ein anderes Konzept der Pflege von Alten und an Demenz erkrankten Menschen wird im Senioren-Wohnpark in der Schützenstraße 25 praktiziert, erläutert Einrichtungsleiterin Vera Ossada-Pannier. Das mit aktuell 119 Heimbewohnern belegte Haus unterteilt sich in drei große Einzelbereiche: Separat erhalten 48 Demenz- und Alzheimererkrankte die Fürsorge, die diese nicht selbstständigen Patienten bedürfen, erklärt Ossada-Pannier. Die anderen Bewohner erleben den Alltag gemeinsam. "Das ist wichtig, da dort fehlende Kommunikation die Vereinsamung fördert", weiß die Einrichtungsleiterin.

Sie wünscht sich aber auch mehr Unterstützung von der Politik, insbesondere für die Nachwuchsgewinnung. Die Ausbildungsvergütungen werden quasi von den Heimbewohnern gezahlt, informiert Ossada-Pannier. Diese Zahlungen dürften nicht den Pflegesätzen zugeschlagen werden. Die jeweiligen Verhandlungen gestalten sich von je her wie auf einem Basar, zwar mit Regeln, aber auch nach persönlichem Geschick, so die berufserfahrene Leiterin. Für sie ist die Ausbildung die entscheidende Investition für die Zukunft.

Pflegeeinrichtung als Gesundheitszentrum

Das Sozialcentrum Altmark in Klötze setzt ganz auf regionale Stärke, auch bei der Ausbildung. Die Einrichtung besteht seit 1990 und ist eigentlich ein Verein, handelt wirtschaftlich selbstständig, aber in Kooperation mit dem Paritätischen. Als Mitglied des Vorstands lenkt Bärbel Müller die wirtschaftlichen Angelegenheiten in Klötze und auch in Beetzendorf. Das SCA beschäftigt 90 Mitarbeiter, davon 33 qualifizierte Kräfte, an beiden Orten. Das Einsatzsprektrum ist sehr umfangreich, reicht von der stationären Pflege über das Betreute Wohnen, die Betreuung von Demenzpatienten bis hin zu ambulanten Diensten. Das SCA expandiert, will im kommenden Jahr elf neue Wohnungen anbieten können. Als Standbein wird auch die Tagespflege angeboten. "Wir möchten so viele Heimbewohner und Tagesgäste wie möglich dazu animieren, sich mit dem Rollator zum Einkaufen und für die eigene Unterhaltung in die Stadt zu bewegen", heißt es von Müller. "Deshalb wären einige Bänke mehr in der Stadt zu begrüßen", schickt sie einen Wunsch in Richtung Rathaus.

An exponierter Stelle und doch "nur" als zukünftige Satelliteneinrichtung von insgesamt fünf Seniorenresidenzen im Land steht das Haus Valenta am Schulplatz in Klötze. Geschäftsführer Jens Erxleben beschäftigt dort 28 Angestellte, davon 65 Prozent Fachpersonal, in der Altenpflege. Diese kümmern sich um das Wohl von 45 Heimbewohnern. Der 41-jährige Fachmann in Sachen Pflege und Betreuung wird von Einrichtungsleiterin Antje Berlin in der Leitung unterstützt; ansonsten gibt es noch einen Geschäftspartner.

Die Residenz Valenta ist unter den Klötzer Einrichtungen wohl das Haus mit dem vielfältigsten Angebot an einem Fleck. Es gehören noch 14 Einheiten Betreuten Wohnens und vier Gewerbeeinheiten dazu. Ein soziales Haus mit ambulantem Pflegedienst, Körper- und Fußpflegeangeboten, ein Sanitätshaus und ein Arzt in der Nähe erzeugen das Gefühl eines Gesundheitzentrums.