Die Band Harmonie aus Jübar hat am Sonnabend im Lüdelsener Saal ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert. Freunde, Vereinsvertreter und Gäste kamen zum Gratulieren. Die Musiker Gerd Busse, Harald Faesche und Rolf Pätzmann mussten viele Hände schütteln.

Jübar/Lüdelsen l Zum Auftakt des Abends marschierte die Blaskapelle Jübar in den Saal ein und ließ die Tanzmusiker musikalisch hoch leben. "Uns verbindet bereits über Jahre eine enge Freundschaft", erklärte Heinz-Walter Kamieth, während er die Glückwünsche überbrachte. "Ihr feiert euer 60-jähriges Bestehen. Wir wollen in diesem Jahr noch unseren 50. Geburtstag begehen", sagte der Chef der Blaskapelle. "Und schon heute freuen wir uns auf das gemeinsame Musizieren bei der Bärenleier in Jahrstedt im nächsten Jahr."

Eine offizielle Rückblende auf die 60 Jahre gab es nicht, doch war im Gespräch viel zu erfahren. "Im März 1954 kamen in Jübar mein Vater Heinrich Busse, Otto Leneke, Harald Müller und Gerhard Meyer zur Gründung von Harmonie Jübar zusammen", erzählte Gerd Busse. Ihr Ansporn war die Freude an der Musik. Sie spielten Saxofon, Akkordeon, Schlagzeug und Trompete.

"Westmusik wurde anfangs vom Radio aufgenommen und mühselig nachgespielt."

Schlagzeuger Harald Faesche

Gerd Busse trat vor nunmehr 44 Jahren der Gruppe bei, seit 35 Jahren ist er nach dem Tod seines Vaters auch ihr Chef. Schlagzeuger Harald "Harry" Faesche ist schon 31 Jahre in der Kapelle. Noten und Texte von Schlagern gab es kaum, erinnerte er sich. "Westmusik wurde anfangs vom Sender Radio Luxemburg auf Tonband aufgenommen und anschließend mühselig nachgespielt. Später entnahmen wir den Musiksendungen des NDR Texte und Melodien. Es war ein mühseliges Unterfangen", entsann sich "Harry".

Zu DDR-Zeiten mussten Musiker staatlicherseits eine Prüfung bestehen, bekamen danach ihre Spielerlaubnis und wurden offiziell eingestuft. "Wir erhielten das Prädikat Mittelstufe. Damit durften wir bei den Auftritten pro Musiker fünf Mark je Stunde einnehmen", erzählte Busse. Sorgen mit der DDR-Obrigkeit hatten die Jübarer Musiker nicht. "Einzuhalten waren 60 Prozent Ost- und 40 Prozent Westmusik bei unseren Auftritten. Unser Trick war, dass wir die Ostmusik zu einem Medley mit zirka 15 Titeln, die nur angespielt wurden, zusammenstellten und anschließend Westtitel in voller Länge zum Tanzen spielten. Das klappte bestens", so Harald Faesche.

In den 60 Jahren Harmonie Jübar gab es wechselnde Besetzungen und so um die 20 Mitglieder. Der Melliner Fritz Benecke erzählte, dass sein Opa Fritz Jaeger rund zehn Jahre bei Harmonie Jübar mitgewirkt hatte. Und noch ein Name wurde an dem Abend genannt. Im Programm trat die Gruppe Gladiators auf. Zu den Jungs gehört Hartmut Becker, dessen Vater ebenfalls viele Jahre bei Harmonie mitspielte.

Harmonie Jübar ist heute noch bei Tanzveranstaltungen, Karnevalssitzungen, größeren Familienfeiern und Reiterbällen begehrt. Der größte Erfolg war der Auftritt vor 5000 Zuschauern in Recklingen beim Puhdys-Konzert. "Rund 1500 Auftritte haben die Tanzmusiker in den 60 Jahren absolviert", stellte Moderatorin Kerstin Bolik fest. Sie tritt übrigens bei einem regionalen Berliner Fernsehsender regelmäßig auf und ist die Schwiegertochter von Gerd Busse.

"Wir beginnen unser Programm wie früher mit `Wenn der weiße Flieder wieder blüht`."

Harmonie-Chef Gerd Busse

Die Geburtstagsfeier der Tanzmusiker hätte kaum abwechslungsreicher sein können. Nach dem Einmarsch der Blaskapelle und dem Auftritt der Gladiators aus Tangeln spielten die Gastgeber zum Tanz auf. "Wir beginnen unser Programm wie vor 40 Jahren mit dem Titel `Wenn der weiße Flieder wieder blüht`", kündigte Gerd Busse an. Und schon war die Tanzfläche gefüllt. Es folgten Titel von Glenn Miller, Marius Müller Westernhagen und Udo Lindenberg. Das Publikum war begeistert.

Auch das Männerballett sowie die Tanzmäuse des Karnevalsvereins Rot-Weiß Dähre machten den Harmonikern ihre Aufwartung.

Gemeinsam mit ihren Gästen feierte die Band Harmonie bis zum frühen Morgen.

 

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