Ein 47-Jähriger aus dem Altmarkkreis Salzwedel hat zugegeben, seine heute 17-jährige Tochter 97 Mal missbraucht zu haben. Für die Taten muss er sich vor dem Landgericht Stendal verantworten.

Stendal l Unglaubliche 97 Mal soll ein Mann aus einem Ort im Altmarkkreis Salzwedel seine eigene Tochter, die zu Beginn der Taten elf Jahre alt war, missbraucht haben. Seit dem gestrigen Mittwoch steht der 47-Jährige deshalb vor dem Landgericht in Stendal.

"Ich gebe es zu, dass ich all das gemacht habe, was da vorgelesen wurde", sagte der verheiratete Familienvater, nachdem die Anklageschrift von der Staatsanwältin vorgetragen worden war. Die Tochter, damals elf Jahre alt, habe "ja" gesagt, als er sie im Sommer 2008 gefragt habe, ob er sie an die Brust fassen dürfe. Und das tat er danach sehr oft - bis zum 29. August 2012. Und nicht nur das: Es kam demnach zu den vielfältigsten sexuellen Handlungen: in der Wohnung, auf dem Fußboden, auf dem Tisch, im Bett und im Flur. Und auch im Auto. Das habe ihn sexuell erregt. Er will das Mädchen aber immer vorher gefragt haben. Sein Sexualleben mit der Ehefrau sei "wenig - nur alles sechs bis acht Wochen - und zu langweilig" gewesen. Dass er selbst die Ursachen dafür gelegt hatte, ließ er erst später durchblicken.

Als Hauptgrund für die Missbräuche des leiblichen Kindes nannte er Probleme in seiner Firma, in der er als Produktionsarbeiter angestellt ist. Er sei dort "schikaniert und gemobbt" worden. "Immer, wenn ich dort angeschrien wurde, habe ich meine Tochter misshandelt. Und da das oft geschah, habe ich sie oft misshandelt."

"Ich wollte der Erste sein, der das bei ihr macht."

Wobei misshandelt neben missbraucht durchaus auch wörtlich zu nehmen ist. Denn er habe seine Tochter mehrfach geschlagen, wie er einräumte und was auch eine Freundin des Mädchens bestätigte. Es kam demzufolge mal mit dicker Lippe und mal mit blauem Auge in die Schule. Brachte die Tochter beispielsweise schlechte Noten von dort mit, gab es "zur Strafe sexuelle Handlungen".

Widerlich waren seine Schilderungen, wenn es um Details der Missbräuche ging. "Ich wollte der Erste sein, der das bei ihr macht", nannte er als Motivation für den Geschlechtsverkehr, der aber wohl im Versuchsstadium abgebrochen wurde. Als Vorlage der Missbräuche dienten unter anderem Pornofilme im Internet, die er sich teils gemeinsam mit der Tochter ansah. Darunter seien auch Kinderpornos gewesen. "Sie sollte sehen, dass es normal ist, wenn Kinder dabei sind", lautete seine Erklärung. Dies stieß auf Empörung und Unverständnis bei den Prozessbeteiligten. Ob die Mutter des heute 17 Jahre alten Mädchen von den Taten wusste, blieb offen. Er nutzte immer deren Abwesenheit für die Begehung der Taten. Einmal will er ihr gesagt haben, dass er die Tochter an die Brust gefasst habe.

Das Mädchen wusste sich anscheinend im August 2012 keinen Rat mehr und wandte sich ans Jugendamt in Salzwedel. Außerdem vertraute es sich teilweise ihrer Freundin an, wie diese als Zeugin am Mittwoch angab. Eine Jugendamtsmitarbeiterin nahm am 29. August 2012 einen Hausbesuch vor. Dabei habe ihr die damals 15-Jährige "ganz mutig" gesagt, dass ihr Vater "Dinge mit ihr tue, die ein Vater nicht tun sollte", sagte die Jugendamtsmitarbeiterin als Zeugin aus. Als sie den Angeklagten dann mit den Vorwürfen konfrontiert habe, sei dieser "zusammengebrochen".

Am 30. August 2012 kam das Mädchen ins Heim, wo es auch noch heute lebt. Die Jugendamtsmitarbeiterin schilderte die Jugendliche als selbstbewusst, freundlich und mit klaren Zielen: "Sie hat sich positiv entwickelt, steht unter psychologischer Betreuung und hat einen festen Freund."

Zum Schluss des gestrigen Prozesstages kam es noch zum Eklat, weil der Angeklagte mehrfach dazwischenredete. "Sie halten jetzt den Mund", fuhr der Vorsitzende Richter der Jugendschutzkammer den Angeklagten zornig an.

Am 4. September sollen Mutter und Tochter unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Zeuginnen im Prozess aussagen. Für den 10. September hat das Gericht Plädoyers und Urteil vorgesehen.