Eine langweilige gelbe Mauer dient dem ehemaligen Klötzer Marius Förster als "Leinwand".Der 25-Jährige besprüht die Fassade am Einkaufszentrum an der Poppauer Straße ganz legal im Auftrag der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) mit mehreren Motiven, die sich um Klötze ranken.

Klötze l Bei den Szenen geht es um Klötze und die Menschen, die hier wohnen, erläutert Marius Förster im Volksstimme-Gespräch. Das beginnt schon bei dem Schriftzug "Klötze", der sich über die 25 Meter lange Mauer zieht. Die Buchstaben sind entsprechend dem Klötzer Stadtwappen, der Eiche, aus rustikalen Stämmen zusammengesetzt. Doch warum die blaue Farbe dafür? "Das ist künstlerische Freiheit", begründet der junge Mann.

"Die Skizzen habe ich ganz klassisch mit einem Stift gezeichnet."

Marius Förster

"Wir haben ihm bei der Wahl der Motive und der Farbgebung vertraut", berichtete als Auftraggeber Jens Passier, Geschäftsführer der Klötzer Wobau. Einzige Vorgabe: "Die Szenen sollten nicht zu plakativ sein, vielmehr sollten sich Betrachter Gedanken dazu machen können", erläuterte der Geschäftsführer.

Marius Förster zeichnete zuvor Skizzen, nicht mit dem Computer, "sondern ganz klassisch mit einem Stift", wie er sagte. Die Bilder sind im Anschluss mit Jens Passier besprochen und vom ihm abgenickt worden. Bei der Farbgebung entschied sich der Künstler für Pastelltöne, die eher gedämpft wirken. "Knallige Farben sind ohnehin nicht meine Sache", erzählte der Sprayer, der wegen des Gesundheitsschutzes nur mit einer Maske vor Mund und Nase die Farben aufsprüht.

Bei der weiteren Gestaltung orientierte sich Marius Förster an der Geschichte Klötzes. Für drei zeitliche Eckpfeiler wählte er deshalb einen Löwen als Zeichen für die einstige Zugehörigkeit zu Braunschweig. Ein Adler erinnert an die Periode, als Klötze zu Preußen gehörte. Ein Bär steht, und damit ist der Künstler in der heutigen Zeit angelangt, für das Wappentier Sachsen-Anhalts. Im linken Bereich wird zudem das Logo der Wobau auftauchen.

"Die Menschen in den einzelnen Abschnitten stehen alle in Beziehung zueinander und zu den dargestellten Dingen", ging Marius Förster weiter ins Detail. "Das alles lässt aber trotzdem viel Spielraum für Interpretationen übrig."

"Ich habe meine Familie hier, die alte Heimat lässt mich nicht los."

Marius Förster

Marius Förster stammt zwar aus Klötze, lebt aber derzeit in Berlin. Dort studiert er Visuelle Kommunikation und steht derzeit "zwischen Bachelor und Masterstudium", wie er informierte. In seiner freien Zeit arbeitet er selbstständig als Grafikdesigner. In dieser Eigenschaft kommt er immer wieder in die Altmark und nach Klötze. "Ich habe meine Familie hier, die alte Heimat lässt mich nicht los", gesteht der junge Mann.

Die Fassade am Einkaufsmarkt ist nicht das erste Werk von Marius Förster in Klötze. Er hat auch schon an anderen Stellen seine Spuren hinterlassen. Beispielsweise gestaltete er auch die Mauer gegenüber des Jugendklubs Corner in der Schützenstraße.

Für Jens Passier ist es überraschend: "Was Marius Förster hier an die Wand bringt, passt alles gut zu Klötze. Das ist eine gute Gestaltung für die Rückwand der Garagen."

Tagtäglich nimmt das Werk von Marius Förster mehr und mehr Gestalt an. Schon Ende der kommenden Woche will er damit fertig sein.