Etliche Interessenten machten sich am gestrigen Sonntag zum Tag des offenen Denkmals auf. Die Ausflügler, die in Oebisfelde die Sumpfburg, die Katharinenkirchen und die Kasube-Mühle besuchten, wurden mit außergewöhnlichen Einblicken in die Heimatgeschichte belohnt.

Oebisfelde l Ahnung von der Geschichte der Region rund um die Allerstadt haben Martin Gerloff aus Bösdorf und Franziska Plock aus Oebisfelde spätestens, seit sie in ihrer Schule - der Drömlingsschule - den Wahlpflichtkurs Heimatgeschichte belegt haben. Die beiden 16-Jährigen hatten sich am gestrigen Tag des offenen Denkmals mit ihrer Lehrerin Karin Bock sowie Vertretern des Oebisfelder Heimatvereins vor der Sumpfburg getroffen, um das Ende eines zweijährigen Projektes einzuläuten.

Vor zwei Jahren hatte die Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus insgesamt zwölf Schülern, damit begonnen, in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein acht Wappen zu fertigen, die die Eigentümerfamilien und -gemeinschaften der Oebisfelder Sumpfburg bis zum Jahr 1916 anzeigen. Bis zu diesem Jahr waren die Landgrafenfamilien, zu denen auch der Landgraf von Hessen-Homburg gehörte, Besitzer. Danach ging die Burg vorübergehend an eine Siedlungsgesellschaft. "Das Schwierigste bei der Gestaltung der Wappen war, die Größenverhältnisse hinzubekommen", verriet Lehrerin Karin Bock. Mit Acrylfarbe wurden schließlich die Wappen fertiggestellt und reihten sich gestern perfekt in den Tag des offenen Denkmals mit dem Thema "Farbe" ein, wie Steffen Wetterling vom Heimatverein bemerkte. Zwei Jahre hatte die Fertigstellung gedauert.

Gestern wurde symbolisch das letzte der acht Wappen enthüllt, die nun an der Wand der "Krummen Scheune" auf dem Burghof hängen. Auch das Heimatmuseum sowie den Burgturm hatten die Mitglieder des Vereines für Besucher geöffnet, außerdem sorgten sie für die Verpflegung der Gäste.

Jede Menge Verpflegung und damit einen sicheren Besucherstamm gab es auch wieder in der Kasube-Mühle. Geräucherte Forellen, Hechtklößschensuppe und ein großes Kuchenbuffet hatten Besitzer Thomas Löbe und seine Mitstreiter vorbereitet. Nur Hans Bäthge, der seinerzeit die alte Mühle wieder auf Vordermann gebracht hatte, war etwas unzufrieden.

"Im kommenden Jahr wird die Mühle laufen, das habe ich fest vor"

Mühlenvater Hans Bäthge

"Kaum ein Besucher kommt zu mir in die Mühle, dabei ist sie ein wirkliches Kleinod und hervorragend erhalten!", erklärte er. Gleichzeitig gab der Mühlenverrückte, wie Hans Bäthge sich selbst nennt, aber auch zu, dass Besucher es gern haben, wenn eine Mühle rattert und klappert.

Und eigentlich, so erklärte er, hatte er vor dem Tag des offenen Denkmals noch einen Dieselmotor einbauen wollen, um die Mühle wieder zum Laufen zu bringen. Dann war dem 74-Jährigen jedoch ein Sturz von der Leiter dazwischen gekommen. Mit gebrochenem Brustbein ließ er es sich dennoch nicht nehmen, vereinzelten Gästen die Funktionsweise der Mühle zu erklären. Und auch an Elan mangelt es dem Mühlenvater trotz des Unfalles nicht. "Im kommenden Jahr wird die Mühle laufen, das habe ich fest vor", versprach Bäthge.

Auch die Katharinenkirche stand für so manchen Bewunderer offen. So konnte selbst Gemeindemitglied Uwe Press, der eigentlich vor Ort war, um Besuchern die Kirche zu zeigen, noch einiges lernen. "Ich erzähle ihnen mal, wie es hier früher war", sagte nämlich Reinhard Stottmeister, der mit seiner Frau Ute aus Wolfsburg angereist war. Der gebürtige Oebisfelder wurde bereits 1951 in der Kirche konfirmiert.

Bilder