135 Jahre Feuerwehr und 65 Jahre Spielmannszug wurden am Wochenende in Apenburg groß gefeiert. Dabei gab es viel Lob für das Engagement der Kameraden.

Apenburg l Mit ihren 135 Jahren ist die Freiwillige Feuerwehr Apenburg nicht nur eine der ältesten im gesamten Altmarkkreis Salzwedel, sondern auch eine der rührigsten, was die Ausbildung und die Zusammenarbeit mit den Nachbarwehren betrifft. Verbandsgemeinde-Wehrleiter Bert Juschus zögerte sich beim Festkommers am Freitagabend nicht, den Begriff Musterfeuerwehr in Bezug auf die Apenburger Truppe zu verwenden. Das Zusammenspiel mit den drei anderen Gemeindewehren in Winterfeld, Altensalzwedel und Recklingen sei vorbildlich.

Und auch auf den Spielmannszug der Wehr, der zahlreiche Veranstaltungen im Ort und darüber hinaus mit seinen Klängen bereichert, sei man in der Verbandsgemeinde stolz. "Wir haben vier Musikeinheiten auf VG-Ebene und alle sind nach der Übertragung der Feuerwehren an die Verbandsgemeinde entgegen mancher Befürchtungen bestehen geblieben", freute sich Juschus.

Zum Festkommers anlässlich des Doppeljubiläums waren Ehrengäste und Abordnungen anderer Wehren in den Apenburger Lindenhof-Saal gekommen. Brandbekämpfer aus Recklingen, Cheinitz, Altensalzwedel und Winterfeld kamen ebenso wie Vertreter des Beetzendorfer Musikzuges und überbrachten Glückwünsche sowie kleine Präsente. Zu Beginn der Veranstaltung beförderte und ehrte Wehrleiter Ronny Runge einige Kameraden, darunter seinen Stellvertreter Dirk Herms, der jetzt den Rang eines Hauptlöschmeisters bekleidet. Zudem wurden mit Marvin Schmidt (vorher Feuerwehr Cheinitz) und Franz Juhl (vorher Feuerwehr Altensalzwedel) zwei neue Kameraden in die Wehr aufgenommen.

Den Spielmannszug der Apenburger Wehr gibt es nachgewiesenermaßen seit 1949 und damit schon 65 Jahre lang. Doch höchstwahrscheinlich ist er wesentlich älter. "Auf jeden Fall gab es vorher in Apenburg auch schon andere Spielmannszüge", berichtete Günter Schröder den Festgästen in seinem reich bebilderten Vortrag über die Geschichte der Wehr. Er erinnerte an den Musikzug der Turner, der zu den gymnastischen Übungen auf dem Schützenplatz am heutigen Waldbad aufspielte, und an die Musiker der Schützengilde. Ein besonderer Höhepunkt sei im Jahr 1999 das Landestreffen der Musikzüge in Apenburg gewesen.

Strohgedecke Häuser fingen schnell Feuer

Die Feuerwehrtradition im Ort reicht noch weiter zurück. "Wahrscheinlich sogar über die nachgewiesenen 135 Jahre hinaus, denn irgendeine Löschbereitschaft wird es ja da auch schon gegeben haben", vermutete Wehrleiter Ronny Runge. Denn mit Feuersbrünsten hatten es die Apenburger gleich mehrfach in der Geschichte zu tun. 1343 brannte der ganze Ort ab und musste anschließend an anderer Stelle neu aufgebaut werden. "Und auch im Dreißigjährigen Krieg wurde ein großer Teil Apenburgs ein Raub der Flammen, das Gleiche 1774 bei einem großen Stallbrand", berichtete Günter Schröder. Der Grund war vor allem, dass ein Großteil der Häuser noch mit Stroh gedeckt waren und so schnell Feuer fingen. "1842 betraf das immerhin noch 143 Wohngebäude", erzählte Schröder.

Anfangs rückten die Feuerwehrleute mit der Handdruckspritze zum Löschen aus, die von Pferden gezogen wurde. Das alte Spritzenhaus befand sich an der Cheinitzer Straße und diente praktischerweise auch als Gefängnis. Später wurde ein neues Gebäude am Lindenwall errichtet, das in erweiterter Form bis heute der Feuerwehr als Domizil dient.

Signalhorn erlebte 1980 beim Sturm letzten Einsatz

Zur Alarmierung dienten Signalhörner. Eines davon erlebte seinen letzten Einsatz erst am 15. Juni 1980, als ein Wirbelsturm große Teile Apenburgs verwüstete und der Ort von der Stromversorgung abgeschnitten war. "Udo Krüger lief damals durchs Dorf und rief mit dem Horn alle ver- fügbaren Leute in die Badeanstalt", erinnerte sich Günter Schröder.

Nach der Wende wurde nicht nur das Feuerwehrhaus modernisiert, die Brandbekämpfer bekamen auch nach und nach neue Technik, so etwa im Jahr 2000 das neue Löschfahrzeug.

Dem Kommersabend zum Doppeljubiläum folgte am Sonnabend ein Tag der offenen Tür. Trotz trüben Wetters mit gelegentlichen Regenschauern kamen etliche Einwohner zum Feuerwehrhaus, um die alte Technik zu bestaunen und mit den Kameraden zu feiern. Die Jugendwehr betreute das Kuchenbüfett, es gab Kaffee und kühle Getränke sowie leckere Erbsensuppe, die Ellen Schulz und ihr Team ausschenkten.

Für die Jüngsten war ein Schminktisch aufgebaut, an dem sie sich in Feen, Piraten und andere Gestalten verwandeln lassen konnten. Zudem waren bei Spielen wie dem Flaschenkegeln kleine Preise zu gewinnen.

   

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