Die Geschichte des Klötzer Karnevalsvereins (KKV) stand am Sonnabend im Mittelpunkt eines Treffens von ehemaligen Mitgliedern. Sie sorgten bis 1961 für Stimmung - bis ein Lied über den Kaiser das Aus brachte

Klötze l Die Erkenntnis drängte sich den Jungen unweigerlich auf: Auch Senioren waren einmal jung, sprühten vor Ideen und hatten jede Menge Energie, diese mit Spaß und Engagement umzusetzen. Zum Beispiel im Jahr 1955, als der Klötzer Karnevalverein (KKV) aus der Taufe gehoben wurde. An die aufregende und schöne Zeit erinnerten sich Sonnabendnachmittag in den Vereinsräumen einige der Frauen und Männer, die von 1955 bis 1961 für Stimmung in der fünften Jahreszeit sorgten.

Fotoalben riefen Erinnerungen wach

"1961 war Schluss, als sie gespielt haben ,Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wieder haben`. Aber das haben sie ja mit Absicht gemacht", erinnerte sich Joachim Gille, nachdem er mit den anderen früheren Karnevalisten an der appetitlich hergerichteten Kaffeetafel Platz genommen hatte. Der Klötzer Karneval sollte der FDJ unterstellt werden, und mit dem provokanten Musikstück führten die Jecken lieber die Zwangsauflösung ihres Vereins herbei, als sich in ihrem Tun zensieren zu lassen.

Diesem bitteren Ende waren fünf schöne aber auch kämpferische Jahre vorausgegangen. Die Vereinsgründung 1955 gestaltete sich - weil von der Staatsführung nicht gerne gesehen - ebenso schwierig wie das Beschaffen von Materialien wie etwa Stoff. In geselliger Runde erinnerten sich die Damen und Herren unter anderem an Prunksitzungen, Rosenmontagsumzüge und Gastauftritte in anderen Orten. Für Letzteres bekamen sie Geld und konnten so beispielsweise ihre Kostüme finanzieren.

Mit Fotoalben, die Ingrid Kipp angefertigt und auf einem Tisch ausgelegt hatte, wurde den Erinnerungen auf die Sprünge geholfen. Wo die Namenssuche bei den heutigen Karnevalisten an ihre Grenzen stieß, halfen jetzt die Senioren, sodass Beschriftungen komplettiert werden konnten.

Darüber hinaus hatten die Gäste ihre eigenen Alben und Bilder mitgebracht, die sie für die Vereinschronik scannen ließen und die anschließend beim geselligen Plaudern die Runde machten. Die Fotos von Thea Thoms zeigen beispielsweise die berittene Stadtgarde, der die heute 75-Jährige angehörte. Brigitte und Hermann Schulz hatten Fotos von Umzügen und Festsitzungen dabei.

Während Thea Thoms beispielsweise erst ab 1957 KKV-Mitglied war und Marianne Gille, die ihr am Tisch schräg gegenüber saß, nur das letzte Jahr, waren auch Gründungsmitglieder zum Treffen gekommen, so zum Beispiel der "Ur-Vater" des KKV, Egon Berth aus Oebisfelde, der einst die zündende Idee zur Vereinsgründung gegeben hatte. Auch das erste Funkenmariechen Eva Horn, heute Hoffmann, die in Beetzendorf lebt, war dabei oder Ingrid Gille aus Klötze, die zum munteren Quartett am Tischende gehörte.

Jüngere Zuhörer ins Staunen versetzt

Bis in den Abend haben die Ehemaligen - begeistert, dass sich jemand für ihre Erinnerungen interessiert - von den Anfängen des Klötzer Karnevals erzählt und jüngere Zuhörer oft ins Staunen versetzt. So fällt das Fazit dann auch durchweg positiv aus.

"Wir sind begeistert und haben das erreicht, was wir wollten", sagt Ulrich Kipp, der den Anstoß zu dem Ehemaligentreffen gegeben hatte. Es steht auch schon fest, dass es eine weitere Zusammenkunft geben soll, voraussichtlich im Sommer 2015.

"Es sind viele Namen genannt worden. Einige der Leute sind auch noch in der Region oder haben Kontakt nach Klötze, wir werden sie dann mit einladen", kündigt Ulrich Kipp an. Und wenn die Treffen Tradition werden sollen, könnten Karnevalisten, die ab 1990 aktiv waren, mit dabei sein.

Zu den Karnevalisten von einst können sie durchaus Parallelen ziehen: Haben sie 1990 doch ebenso bei Null angefangen und wurden von Anfang an tot gesagt. Umso schöner, dass 2015 das 25-jährige Vereinsjubiläum ansteht - der KKV von 1955 hätte dann übrigens 60-jähriges Bestehen feiern können.

   

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