Nur noch bis Ende dieses Jahres pendelt die Buslinie 200 zwischen Salzwedel und Wittenberge. Ab Januar müssen die Reisenden mit Ziel Wittenberge in Seehausen in die Regionalbahn umsteigen. Auf einem Bahnhof der nicht behindertengerecht ist. Die Änderung wird mit zu wenig Fahrgästen begründet.

Salzwedel l Sie sei vor sechs Jahren auf Wunsch des Altmarkkreises als landesbedeutsame Linie eingerichtet worden, die Busverbindung zwischen Salzwedel und Wittenberge, erklärt Wolfgang Ball, Sprecher der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa). Ab 2015 soll in Seehausen wieder Schluss sein, mit dem bequemen Reisen zum Wittenberger Bahnhof, der beste Anschlüsse Richtung Berlin bietet. Der Nasa-Sprecher begründet das mit einem Parallelverkehr von Bus und Bahn zwischen Seehausen und Wittenberge.

Zu wenig genutzt

Hauptursache sei allerdings, dass das Angebot zu wenig genutzt werde. Täglich 20 Fahrgäste seien auf dem Abschnitt, der alle zwei Stunden bedient wird, unterwegs. Laut Nasa-Rechnung nur 10 Personen, weil davon ausgegangen wird, dass die Nutzer auch ein Rückfahrticket buchen. Insgesamt 14 Fahrten gibt es täglich. "Wir können nicht heiße Luft in der Gegend herumfahren", sagt Ball pragmatisch. Die Nasa sei dem Steuerzahler gegenüber verpflichtet, wirtschaftlich zu planen. "Die Linie bis Wittenberge aufrechtzuerhalten, ist nicht mehr gerechtfertigt. Wir haben es probiert, aber es wurde nicht angenommen", konstatiert der Nasa-Sprecher. Zumal es mit dem Umstieg auf die Bahn eine Alternative gebe. Dass der Seehäuser Haltepunkt nicht behindertegerecht ist und von Rollstuhlfahrern oder älteren Leute, die einen Rollator mitführen, nicht oder nur mit fremder Hilfe genutzt werden kann, räumt er ein. Beschwerden habe es deswegen bisher nicht gegeben.

Dass die Linie als Ersatz für die stillgelegte Bahnstrecke zwischen Salzwedel und Wittenberge eingerichtet wurde und vor allem dem Arendseer Raum Bahnanschluss ermöglichen sollte, will Ball nicht gelten lassen. "Es geht nicht darum Ersatz zu schaffen, sondern Mobilität zu sichern." Für die Arendseer und Bürger der Umgebung gebe es die Möglichkeit, über den Haltepunkt in Fleetmark Stendal oder Salzwedel zu erreichen und von dort weiter in die Ballungszentren zu gelangen.

Arendsees Bürgermeister Norman Klebe, sieht das anders. Er will sich dafür stark machen, dass die Linie bis Wittenberge erhalten bleibt. Soviel wie er wisse, werde sie gut frequentiert und die Vertaktung in Wittenberge sei wichtig für den Tourismus. Bei der Übernahme der Kosten für die Linie 200 handele es sich um eine Mischfinanzierung von Land und Kreis. Den Hauptteil übernehme das Land. "Was der Landkreis macht, darauf haben wir keinen Einfluss", sagt Ball. Der Kreis könne den Abschnitt zwischen Seehausen und Wittenberge auch auf seine Kosten finanzieren.

Kompromiss ausgehandelt

Erhard Prehm, der im Kreis für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), verantwortlich ist, war gestern überrascht von den Aussagen des Nasa-Sprechers. "Wir haben einen Kompromiss ausgehandelt, der vor zwei Wochen von der Nasa bestätigt wurde", sagt er. Danach soll es eingeschränkten Busverkehr zwischen Seehausen und Wittenberge geben. Zum Teil sollen Rufbusse eingesetzt werden. Ein entsprechender Fahrplan sei erarbeitet und den Nasa-Veranwortlichen vorgelegt worden. Diese hätten dem Konzept zugestimmt und dem Kreis finanzielle Unterstützung zugesichert. Vorallem dass der Seehäuser Bahnhof nicht barrierefrei ist, habe dabei eine Rolle gespielt, betont Prehm.