Ksawery Borowicz ist auf Hilfe angewiesen. Der Achtjährige ist halbseitig gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Damit er seinen Schulalltag an der Kuseyer Grundschule bewältigen kann, ist Christine Koshyk seit Schuljahresbeginn seine ständige Begleiterin.

Kusey l In der nächsten Stunde hat Ksawery Borowicz im ersten Obergeschoss der Kuseyer Grundschule Unterricht. Das Gebäude ist nicht behindertengerecht, die Treppe für den Zweitklässler ein unüberwindbares Hindernis - wenn da nicht Christine Koshyk wäre. Sie ist die erste Integrationshelferin in einer Grundschule der Region Klötze und kümmert sich seit Beginn dieses Schuljahres um den Jungen mit polnischen Wurzeln.

Christine Koshyk ist während des Unterrichts jede Minute für den Achtjährigen da. Sie zieht seinen Rollstuhl die Treppen hoch, damit er den Klassenraum wechseln kann, und bringt ihn wieder ins Erdgeschoss. Weil Ksawery halbseitig gelähmt ist, unterstützt sie seine Motorik, bringt von Zeit zu Zeit seinen Körper wieder in die richtige Position und rückt den Stift in seiner Hand zurecht.

Junge soll so viel wie möglich mitmachen

Auch beim Sport und auf dem Schulhof in den Pausen ist Christine Koshyk unablässig an Ksawerys Seite. "Schließlich soll er so viel wie möglich mitmachen", begründet die 54-Jährige.

Die gebürtige Halberstädterin wohnt seit 1982 in Kusey. Sie ist gelernte Altenpflegerin und hat deshalb Erfahrung im Umgang mit pflegebedürftigen Menschen.

Bevor sie die Stelle an der Kuseyer Schule antrat, war sie arbeitslos. Eine Nachbarin wusste, dass eine Integrationshelferin gesucht wird und sprach sie deswegen an. "Ich habe sofort zugesagt", freut sich Christine Koshyk noch immer. Doch bis zur Einstellung einer Integrationshelferin für die Schule war es ein langer Weg. "Viele bürokratische Hürden mussten genommen werden", berichtet Claudia Mühl, kommissarische Schulleiterin.

Die Initiative dazu ging übrigens von der Schule selbst aus. Bis dahin halfen die Lehrerinnen und andere Mitarbeiter, wenn Ksawery Hilfe im Unterricht oder in den Pausen benötigte. "Wir haben einen sogenannten sonderpädagogischen Förderantrag gestellt", erläutert Claudia Mühl. Die Schulsozialarbeiterin Andrea Bartel habe sich im Auftrag der Schule sehr um die Angelegenheit gekümmert und der Familie des Jungen auch sonst viel bei Behördengängen geholfen, sagt Claudia Mühl.

Der Bescheid war positiv. Auch das Jugendförderzentrum des Altmarkkreises stimmte zu. Über das Jugendwerk Rolandmühle mit Sitz in Burg ist schließlich Christine Koshyk eingestellt worden.

Alle Seiten profitieren von der neuen Mitarbeiterin

Seither kümmert sie sich rund 25 Stunden pro Woche um den Achtjährigen. Eine Arbeit, von der alle profitieren: Ksawery fällt der Schulalltag leichter, Christine Koshyk ist wieder in Lohn und Brot, die Mitarbeiter der Schule sind entlastet und können sich auf ihren eigentlichen Unterrichtsauftrag konzentrieren.

"Christine Koshyk ist eine Erleichterung für die Lehrerinnen und auch die Eltern des Jungen", berichtet Claudia Mühl. "Denn sie holt den Jungen von zu Hause ab, begleitet ihn im Unterricht und bringt ihn wieder nach Hause."

Allerdings hat die Sache einen Haken: Die Stelle von Christine Koshyk ist bis Schuljahresende befristet. Diese Eingliederungshilfe muss immer wieder neu beantragt werden. Auch wenn sich die Situation des Jungen nicht ändert.