Wie Windkraft eingefangen und in Strom umgewandelt wird, das interessierte Sonnabend die Menschen, die den Tag der offenen Tür auf dem Areal des Windparks Kusey-Neuferchau aufsuchten. Einer Völkerwanderung gleich, pendelten die Besucher zwischen Anlage 9 und Windrad 10.

Kusey/Neuferchau l Dass dieser Tag der offenen Tür stattfinden konnte, ist auf das große öffentliche Interesse an dieser Areal mit ihren zwölf Windrädern zurückzuführen. "Überall wo wir bauen lassen, präsentieren wir uns sonst nicht mit einem Aktionstag", erklärte der zuständige Projektleiter Sebastian Paasch. Auf dem gepachteten Flächenpool entstehen Windmühlen vom Enercon-Typ 101. Solch ein Bauwerk wird aus 30 Ringteilen in die Höhe gebaut. Ist der Betonsockel gegossen, werden darauf im unteren Bereich sogenannte Drittelschalen zusammengefügt. Es folgen Halbschalenteile bis das Kanzelmodul darauf gesetzt wird. Die Nabenhöhe liegt bei 134 Metern. Für den zusätzlichen Halt spannen die Facharbeiter im Innern von unten bis in die Spitze des Betonhybridturms Stahlseile. Andere Hersteller stellen komplette Türme aus Stahl auf, erläuterte Paasch. Der Aufbau einer kompletten rund 5,5 Millionen Euro teuren Windmühle auf dem Betongrund wird von bis zu 30 Bauarbeitern binnen vier bis fünf Wochen erledigt.

Attrappen verschleiern das Innenleben von Modulen

Der sicherlich für die meisten Besucher einmalige Blick ins Innere war dann im Turm 9 möglich. Einer, der sich das Verborgene zeigen und erklären ließ, war Hans-Joachim Reisener aus Ristedt. Dass zur Abwehr von Betriebsspionage nicht alle elektronischen Module tatsächlich eine Funktion ausüben, die in der hochkomplexen Schaltwarte zu erkennen sind, das war auch Reisener neu. Doch der wichtige elektronische Rest wandelt und steuert die anfallende Windlast als Elektrizität sogar je nach Bedarf ins Energienetz des Stromnetzbetreibers.

Die Meinungen über Aufwand gegenüber dem Nutzen von Windenergie waren bei den Besuchern Sonnabend durchaus geteilt. Negativ über Windenergie wollte sich jedoch niemand äußern, "schließlich muss der Strom weiterhin auch bei mir ohne Unterbrechung an den Steckdosen anliegen", begründete ein Kuseyer seine Zurückhaltung.

Bürgermeister Matthias Mann hat gleich zwei Auffassungen, persönlich und als Mandatsträger. In seiner Funktion als Bürgermeister begrüßt er den Windpark "als eine Alternative von weiteren, um künftig Strom nachhaltig zu gewinnen". Die Einheitsgemeinde Klötze zieht als einer von zahlreichen Verpächtern durch die Windparkerlöse finanzielle Vorteile. Und die Kommune ist als Ansprechpartner für Zufahrten, Wege- und Leitungsrechten stets auf dem aktuellen Informationsstand.

Zum anschaulichen Informationsangebot am Tag der offen Tür gehörte ebenfalls die Offerte, in einer Gondel in etwa 40 Meter Höhe einen Ausblick übers Windparkareal zu genießen. Stets dicht besetzt war auch das Festzelt, wo der Spielmannszug Immekath mit einem Platzkonzert unterhielt. Kremserfahrten, eine Ausstellung mit einst bedeutenden Traktoren und Fahrzeugveteranen garantierten die etwas andere Abwechslung im Windparkgetümmel. Das weitläufige Areal ist heute aus Sicherheitsgründen bereits wieder Tabu-Zone für die Öffentlichkeit. Ein Sicherheitsdienst ist dafür rund um die Uhr im Einsatz.

 

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