Die Mitglieder der Bürgerinitiative Kein CO2- Endlager Altmark laden heute ab 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ins Evangelischen Landjugendzentrum (elz) in Kusey ein. Das Vorhaben, möglicherweise in der Region Erdgas zu fördern, stößt auf Widerstand.

Kusey l Die Bürgerinitiative (BI) "Kein CO2-Endlager Altmark" ist Gastgeber dieses Abends, der über die beabsichtigte Ausweitung der Erdgasförderung im Bereich der Einheitsgemeinde und darüber hinaus informieren will. Heute Abend werden sich Experten mit dem Thema "Neue Erdgassonden vor unserer Haustür?" befassen und anschließend über die Problematik mit den Besuchern diskutieren. Die Klötzer Volksstimme sprach darüber vorab mit dem Apenburger BI-Mitglied Christfried Lenz und verweist auf Informationen des zuständigen Landesministeriums.

Ursächlich geht es dem Umwelt-Aktivisten Lenz und der BI um eine öglichst frühe Bürgerbeteiligung in der betroffenen Region. "Denn alles, was nach der Genehmigung folgt, passiert unterirdisch, kann elementare Auswirkungen unter und über dem Erdboden haben und auch Folgen für das Klima mit sich bringen. Davon wäre dann die Öffentlichkeit indirekt und direkt betroffen", nennt Lenz die Gründe für diese Veranstaltung.

Bislang keine Beteiligung von Kommune und Bürgern

Für erstaunlich hält es der Apenburger auch, "dass das Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) in Halle dem Unternehmen Gaz de France Suez E P Deutschland GmbH bereits am 20. August des vergangenen Jahres die sogenannte bergrechtliche Erdgas-Aufsuchungserlaubnis - eine notwendige Formalie für das Begehren des Unternehmens - für ein knapp 330 Quadratkilometer großes Gebiet im Raum Kunrau erteilt habe.

Wie vom zuständigen Ministerium der Volksstimme mitgeteilt wird, "ist die bergrechtliche Erlaubnis ,Kunrau` zur Aufsuchung möglicher konventioneller Erdgas-Vorkommen lediglich eine Art Konzession. Eine Genehmigung für konkreter Aufsuchungsarbeiten ist damit jedoch noch nicht verbunden. Diese müssten im Rahmen des Betriebsplanes beantragt werden.

Weitere Anträge lagen nicht vor

Der Pressesprecher des Ministeriums informierte zudem, dass die beiden Landkreise zukünftig bei möglichen Zulassungsverfahren bergrechtlicher Betriebspläne für konkrete Erkundungen beteiligt werden. Solche Anträge lagen dem Ministerium bis vor Mitte September jedoch nicht vor.

Der Leiter der Pressestelle des hallensischen Landesamtes, Dr. Bodo-Carlo Ehling, informierte gestern telefonisch darüber, dass bei solchen Vergabe lediglich die Landkreise angehört werden müssten. Untergeordnete Kommunen seien außen vor. Die Antworten kamen mit Datum 17. September 2012 (Börde) und 13. September 2012 (Altmarkkreis).

Abteufen einer Bohrung nicht vor 2016/2017

Dem Antrag von Gaz de France Suez für das Gebiet "Kunrau" war laut Ministerium ein entsprechender Zeitplan beigefügt. Danach sind für den Zeitraum 2013 bis 2015 vorbereitende Analysen und Bewertungen bereits vorliegender Altdaten sowie Modellentwicklungen vorgesehen. Mit möglichen seismischen Messungen ist nicht vor 2015/2016 und mit dem Abteufen einer Erkundungsbohrung nicht vor 2016/2017 zu rechnen.

Volksstimme-Bericht sorgt für Unruhe

In der Region hatten die von der Volksstimme veröffentlichte Erlaubnis für Unruhe gesorgt. Klötzes Bürgermeister und Verwaltungschef Matthias Mann sei eine entsprechende Information vom LAGB bislang noch nicht auf dem Amtstisch gekommen, teilte er gestern auf telefonische Nachfrage mit. Zwar habe es seitens des Stadtrates eine Anfrage an die Behörde gegeben, die Antwort darauf sei jedoch lapidar und für ihn nicht schlüssig formuliert gewesen. Wie Bürgermeister Mann wurden auch der Kunrauer Ortsbürgermeister Uwe Bock und sein Wenzer Amtskollege Marco Wille nicht informiert, wie sie im Telefonat angaben.

Als Referenten des Informationsabends im Kuseyer elz werden heute Abend Gerd und Gero Landzettel von der BI "No Fracking" in Völkersen (Landkreis Verden, Niedersachsen) erwartet. Sie berichten über die Gefahren durch "konventionelle" Erdgasförderung. Andy Gheorghiu (Korbach, Nordhessen), Mitglied der BI "Fracking freies Hessen" sowie "Lebenswertes Korbach", referiert über "Rechtliche Möglichkeiten gegen Erdgasvorhaben am Fallbeispiel Nordhessen".