Böckwitz/Jahrstedt/Steimke l Er ist Pfarrer und er wollte am Tag der Deutschen Einheit einen Festgottesdienst ausrichten. Die Veranstaltung fand statt. Doch irgendwie ging vorher einiges schief. Viele Leute wollten einfach nicht so, wie der Pfarrer es wollte. Das erzürnte den Geistlichen so sehr, dass er eine Verschwörung witterte. Diesen Verdacht hegt der Pfarrer noch immer. Er ist wütend, verärgert - und vielleicht sogar in seiner Ehre gekränkt.

Auflösung: Bei dem Pfarrer handelt es sich um den Steimker Bernd Schulz. Nach allem, was in Erfahrung zu bringen war, wollte er den Gottesdienst wohl ursprünglich auf dem Gelände des Böckwitzer Museums feiern. Doch der Verein winkte ab und sei, so schimpft der Pfarrer, nicht mal zu erreichen gewesen. Dann wollte Bernd Schulz auf die Grünfläche am Böckwitzer Ortseingang ausweichen. Doch auch Eigentümer Udo Gädicke sagte "Nein". Dann wandte sich Bernd Schulz an das Ehepaar Lembke von der Alten Molkerei. Dieses, so behauptet der Pfarrer, hätte ihm ebenfalls eine Abfuhr erteilt; aber erst, nachdem sie dazu vom Ortsbürgermeister Uwe Bartels massiv gedrängt worden seien.

Einige dieser Anschuldigungen kommen auch in der Ankündigung zum Festgottesdienst vor, die Pfarrer Bernd Schulz Anfang vergangener Woche an die Medien verschickt hat. Doch die Lokalzeitungen vermeldeten nur den Festgottesdienst und verzichteten darauf, seine unbewiesenen Darstellungen zu veröffentlichen.

Als der Volksstimme-Mitarbeiter kurz vor dem Festgottesdienst auf der Europawiese in Böckwitz eintrifft - die Nutzung war dem Pfarrbereich Steimke/Kusey sowie der Kirchengemeinde Brome von der Stadt Klötze erlaubt worden - und Pfarrer Bernd Schulz per Handschlag begrüßen will, erhebt dieser die Stimme und bringt zum Ausdruck, sehr enttäuscht zu sein. Von einer unabhängigen Presse erwarte er, dass seine Ansichten 1:1 abgedruckt werden.

"Der Ortsbürgermeister mischt sich unter Missbrauch seines Amtes unerlaubter Weise ein." Pfarrer Bernd Schulz

Während des Gottesdienstes spricht Bernd Schulz über die Bedeutung von Freiheit und Demokratie. Diese Werte, so predigt der Pfarrer, scheine Uwe Bartels auch 25 Jahre nach dem Mauerfall noch nicht verinnerlicht zu haben. In aller Öffentlichkeit bezichtigt er den Jahrstedter Ortsbürgermeister einer Straftat: der Nötigung.

Ortswechsel nach etwa einer halben Stunde. Im Jahrstedter Saal beginnt wenige Minuten darauf der Brunch zur Feier des Tages der Deutschen Einheit. Mit Blick auf die relativ wenigen Gäste - 50 an der Zahl - bedauert Uwe Bartels, dass fast parallel der Festgottesdienst in Böckwitz stattfindet. Er hätte sich gewünscht, dass der Gottesdienst und der Brunch miteinander kombiniert worden wären. Als Bernd Schulz eben diese Äußerung am Montag in der Volksstimme liest, ist er nach eigenen Angaben überrascht und mailt einen Brief an die Redaktion. Darin heißt es, dass der Gemeindekirchenrat Steimke-Kusey, der Bromer Pastor Rüdiger Kitzmann und er selbst sich bereits seit Anfang des Jahres um eine für alle Beteiligten befriedigende Lösung bemüht hätten.

Erst der Gottesdienst, dann der Brunch, beides im Jahrstedter Saal. Genau dieser Vorschlag, so betont Bernd Schulz, sei Uwe Bartels mehrfach unterbreitet worden, ohne dass dieser darauf reagiert hätte. "Stattdessen", so schreibt der Pfarrer, "mischt sich der Ortsbürgermeister unter Missbrauch seines Amtes in unerlaubter Weise in das Vereinsleben und die Wirtschaft ein, wenn er dem Museumsverein Böckwitz mit dem Entzug von Fördermitteln droht, falls dieser am 3. Oktober eine Veranstaltung plant oder dem Getränke-Eck verbietet, an diesem Tag den Gottesdienst in ihrer Gaststätte durchzuführen oder die Teilnehmer zu versorgen. Dabei wäre die Versorgung von 120 Gottesdienstbesuchern ein nicht ganz unerheblicher Beitrag zur Stärkung eines regionalen Kleinunternehmens gewesen."

Der weitere Wortlaut des Briefes von Bernd Schulz ist: "Für uns entsteht der Eindruck, dass Herr Bartels versucht, die Durchführung religiöser Veranstaltungen zu verhindern. Es scheint nötig zu sein, dass der Ortschaftsrat Jahrstedt seine Kontrollfunktion wahrnimmt und den Ortsbürgermeister an demokratische Spielregeln und rechtliche Grundlagen einer freiheitlichen Demokratie erinnert."

"Der Pfarrer sollte sich mal lieber an das 8. Gebot halten: Du sollst nicht lügen." Ortsbürgermeister Uwe Bartels

Die Volksstimme konfrontiert Ingrid Schumann, Vorsitzende des Böckwitzer Museumsvereins, mit diesen Aussagen. Sie macht deutlich, dass Bernd Schulz eine "Persona non grata" - also im Museum nicht willkommen sei, Unwahrheiten verbreite, eitel und stur sei und nur von eigenen Versäumnissen ablenken wolle. "Mit diesem Mann möchten wir nichts mehr zu tun haben."

Silke Lembke gibt an, von Bernd Schulz eines Abends zuhause angerufen und gefragt worden zu sein, ob der Festgottesdienst in der Alten Molkerei stattfinden könne. Silke Lembke stimmt zunächst zu. Allerdings sei ihr später eingefallen, dass am selben Tag der Brunch in Jahrstedt stattfindet. Umgehend habe sie Bernd Schulz abgesagt. "Wir machen keine Gegenveranstaltung. Das gehört sich nicht", stellt Silke Lembke gegenüber der Volksstimme klar. Mit der gleichen Begründung lehnt sie auch die Bewirtung der Gottesdienstbesucher ab. Die Behauptung von Bernd Schulz, dass sie oder ihr Mann Rainer von Uwe Bartels zu der Absage genötigt worden sei, verweist Silke Lembke ins Reich der Fabel: "Absoluter Schwachsinn. Das kann er ja gar nicht." Bernd Schulz irre, wenn er das denke.

Indes möchte sich Uwe Bartels am liebsten gar nicht mehr zu Bernd Schulz, der kein Niveau habe und eines Pfarrers unwürdig sei, äußern. Nur so viel: "Der sollte sich mal lieber an das achte Gebot halten: Du sollst nicht lügen."

 

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