Die Klötzer Wohnungsbaugesellschaft hat tristen Flächen den Kampf angesagt. Nach der Mauer an der Poppauer Straße lässt sie nun einen kompletten Giebel am Wohnhaus Hegefeld 32 von dem Grafikdesigner Marius Förster und seinem Teampartner Philipp Lange gestalten.

Klötze l "Wohnen und Bildung" lautet das Grundthema, das der 25-jährige Marius Förster im Auftrag der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) in dem Wandbild verarbeitet. Damit soll er das Wohnen im Hegefeld mit dem angrenzenden Schulkomplex thematisch verbinden. Mehrere Entwürfe hat er bei Geschäftsführer Jens Passier vorgelegt. "Wir haben uns dann sehr schnell auf den Vorschlag geeinigt, der jetzt umgesetzt wird", berichtet Passier am Dienstag im Volksstimme-Gespräch.

Schüler lässt seine Fantasie spielen

Marius Förster erklärt: "Ausgangspunkt ist ein Schüler im linken unteren Bereich. Man könnte sagen, er träumt alles. Was auf dem Bild zu sehen ist, entspringt seiner Fantasie." Der Schüler werde vollgestopft mit Wissen, soll funktionieren wie eine Maschine. Dem soll der große gelbe Geist, der im oberen Drittel des Bildes entsteht, Einhalt gebieten und dieses System stoppen. "Weil es bei der Bildung um mehr geht als stupides Auswendiglernen", erläutert Marius Förster. Wichtig sei auch die freie Entfaltung des Menschen. Er müsse sich verwirklichen können. "Bildung ist sehr individuell, deshalb auch die vielen kleinen Menschen im Bild, die die verschiedensten Dinge machen: ein Taucher, Leute musizieren, andere bauen etwas", sagt der Grafikdesigner. Auch Momo wird zu sehen sein, das Mädchen aus dem Roman von Michael Ende. In der Geschichte stehlen die Bösen den Menschen die Zeit.

Das Stilelement der Wobau, die grünen Streifen, werden sich als Büchsentelefon durch das Bild ziehen. Treppen führen ständig nach oben.

Zirka 80 Sprayflaschen kommen zum Einsatz

Als Jens Passier den Entwurf zum ersten Mal sah, hatte er allerdings andere Eindrücke. Er sah die Treppen als Entscheidungsmöglichkeiten, den Geist als weisen Mann, der den Weg des Schülers begleitet und ihn aus der Ferne lenkt.

Dass jeder Betrachter sich seine eigene Geschichte zu dem Bild überlegen kann, ist durchaus gewollt. "Nicht alles soll auf Anhieb erkennbar sein", erklärt Jens Passier. "Jeder soll sich seine eigenen Gedanken machen und das Bild für sich interpretieren."

Für Marius Förster ist es der erste Giebel, den er komplett gestaltet. Bemerkenswert ist, dass er alles freihändig sprüht. Deshalb musste er besonders am Anfang viel laufen: runter vom Gerüst, betrachten aus einiger Entfernung, wieder auf das Gerüst. Da kamen schon einige Kilometer zusammen. Je nach Wetterlage soll das Bild in zwei Wochen fertig sein.

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