Der Schutz ihrer Schutzbefohlenen gegen kriminelle Übergriffe ist der Leiterin der Grundschule Klötze und dem Förderverein äußerst wichtig. Deshalb wurde ein Projekt auf den Weg gebracht, das gestern Halbzeit hatte. Erfreulich, dass bereits Erfolge zu beobachten sind.

Klötze l Dieses Projekt auf die Beine zu stellen, war keine leichte Aufgabe, wie die Schulsozialarbeiterin Andrea Bartel zu berichten wusste. "Wir haben dank einer großen Spende in Höhe von 4280 Euro von der Techniker Krankenkasse, Geldern vom Förderverein der Schule und vom Jugendförderzentrum Gardelegen die Belastung der Eltern auf 5 Euro je Kind reduzieren können", freut es Bartel.

"Auch Mobbing und Erpressung treten im Schulalltag immer mal wieder auf."

Andrea Bartel

"Dass Klötze eben keine Ausnahme in Sachen Missbrauchsfälle an Kindern einnimmt", so Schulsozialarbeiterin Bartel, "konnten wir ja selbst hautnah miterleben. Auch Mobbing und Erpressung treten im Schulalltag immer mal wieder auf. Diese gemeinsame Anstrengung der Erwachsenen belohnten die 191 Schulkinder der Purnitzschule mit einem Feuereifer in den "Schulstunden" mit Sicherheitsdozenten von der gemeinnützigen Gesellschaft "Kinder- und Jugendsicherheitsteam" (Ki-Ju-Team) aus Barleben. Ihr fundiertes Wissen über die Gefahren von Missbrauch, Mobbing, Drogen, Erpressung und Internetkriminalität interessierte die Kinder der dritten und vierten Klassen von Montag bis Donnerstag brennend. Ab kommenden Montag werden die ersten und zweiten Klassen altersgerecht aufgeklärt und trainiert.

"Den `Mitschnacker` mit allen Sinnen abwehren. Ihm keine Chance geben."

Andreas Heilemann

"Unser Präventionsprogramm zielt darauf ab, dass die Teilnehmer mögliche Gefahren rechtzeitig erkennen, sich dann situationsgerecht verhalten und sich im Notfall auch verteidigen können", erklärt Regionalleiter Andreas Heilemann vom Ki-Ju-Team. "Wichtigste Botschaft ist dabei, den `Mitschnacker` mit allen Sinnen abwehren. Ihm keine Chance geben." Mit dem Fachbegriff "Mitschnacker" ist der Täter gemeint, der in krimineller Absicht sein Opfer mit Schönrederei ins Auto, ins Gebüsch oder anderswohin zerren will. Dieser Begriff prägt sich leichter ein, als beispielsweise Täter", erklärt Heilemann.

Durch das Üben wird den Kindern bewusst, wie wirksam diese Abwehrgriffe sind."

Toni Hofmann

Sich als Kind schon selbst kompetent behaupten und erst recht in Notsituationen mit den vorhandenen Möglichkeiten verteidigen, das wurde den Mädchen und Jungen binnen der insgesamt acht Tage Selbstschutzausbildung vermittelt. So musste es gestern Sicherheitsdozent Toni Hofmann für ihn unzählige Male aushalten, dass sein aus dem Autofenster griffbereiter rechter Arm immer wieder mit dem sogenannten "Käsebrötchengriff" so nach hinten weg gedreht wurde.

"Durch das Üben wird den Kindern bewusst, wie wirksam diese Abwehrgriffe sind. Damit erhalten sie Schutz und einen Zeitgewinn für eine Flucht", erläutert der Ki-Ju-Dozent.

Diese Sicherheitstage waren vor dem Startschuss auf einen eigens anberaumten Informationsabend für Eltern vorgestellt worden. Gestern urteilte Nadine Otto, Mutter zweier Viertklässler: "Wir sprechen immer mal wieder diese Themen zuhause an, doch dieses Projekt ist deutlich einprägsamer."

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