Die Premiere des Dreiakter "Leinen los und volle Kraft daneben" gelang dem Ensemble der Theatergruppe Klötze am Freitagabend in bravouröser Manier. Die Laiendarsteller auf und die Crew hinter der Bühne garantierten dem Publikum drei Stunden Seemannsgarn der köstlichen Art.

Klötze l Nachdem das Ensemble der Theatergruppe Klötze die stehenden Ovationen des Publikums innerlich vollends aufgesogen hatte, bedankte sich Kay Knittel bei seiner gesamten Crew für deren engagierten Auftritte. Damit endete Freitagnacht, nach dreistündiger Humoreske par excellence, eine Komödienaufführung, die auch Sonnabend und Sonntag ein ausverkauftes Haus im Altmarksaal begeisterte.

Diese frei nach dem Mondstädter Autor Ulrich Engelmann inszenierte Komödie handelt von Passagieren einer Überfahrt eines deutschen Schnelldampfers Klobenwalde von Bremerhaven nach Amerika im Jahre 1924. Nur: Die Passagiere sind keine Reisenden, die aberwitzigen Geschehnisse nicht real. Denn es handelt sich um die fiktive Premiere einer Inszenierung, dargeboten als tatsächliche Klötzer Premiere.

Seine Feuertaufe durchlebte dabei Ingo Stadach als stetig verzweifelter, mitten aus dem Publikum heraus zur Eile auf der Bühne antreibender Regisseur. Er bestand seine Premiere bravourös.

Das Klötzer Publikum hatte schnell seine Lieblinge gefunden. Zum einen war es André Balke, der als Hochstapler gleich zwei Schönheiten, Carina Müller als betuchte wie arrogante Paula LaBelle sowie Anke König als unentdeckte Schönheit auf dem Weg nach Hollywood, fast die gesamte Überfahrt um den bekannten Finger wickelt.

Und dann war da Klaus Hilmer, der den heruntergekommener Kapitän, den Johnny mit dem Sack voller Buddeln aus dem Hafen, spielte. Ihm hätte selbst der Klabautermann, erst recht nicht der unbeirrbare, aber findige Zahlmeister Mückendorf (Helmut Glaser) eine Chance an Bord gegeben. Johnny muss aber auf die Klobenwalde und darf nicht. Doch wie konnte es anders sein, er erhält seine Chance durch die bis in die Steinzeit in ihren Vladimir verliebte Lady Fritzi. Sie überlässt Johnny das Ticket nach Amerika. Spätestens als Johnny als feine Lady in Gummistiefeln ausstaffiert die tiefe Zuneigung vom verklärten Kapitän Knudsen (Alfred Lauter) gewinnt, ist Klaus Hilmer der Sunnyboy des Publikums. In der Bettszene mit Lady Vanderbilt, die von Annemarie Rummelfange bis zum Showdown dramaturgisch lupenrein dargestellt wurde, muss Klaus Hilmer sich wohl an den großen Volksschauspieler Henry Vahl erinnert haben. Seine Sätze und seine Entschlossenheit ließen Zuschauer vor Lachen loskreischen. Und das passierte nochmals, als ihm der Büstenhalter umgeschnürt wurde und er spontan fragte, wo denn sein rechter Mops hingekommen sei.

"In den letzten Wochen gab es binnen sieben Tagen jeweils drei große Proben für die Premiere."

Regisseur Kay Knittel

"Dieses Stück ist für unser Ensemble durchaus experimentell einzuordnen. Deshalb löste es auch den besonderen Reiz bei uns aus, dieses Engelmann-Stück zu spielen, selbstverständlich mit dem Klötzer Touch", schickte der Kopf der Theatergruppe, Kay Knittel, einige Details im Gespräch mit der Volksstimme der Premiere voraus. "Es ist auch diesmal eine Herausforderung für uns, dass insgesamt 31 an der Komödie beteiligte Personen vor ausverkauftem Haus zu spielen", unterstrich Knittel den künstlerischen Anspruch an sich selbst und ans Ensemble.

Seit Mitte März wurde geprobt. "In den letzten Wochen gab es jeweils drei große Proben binnen sieben Tagen für die Premiere", zählte Knittel auf. Er und sein Co-Regisseur André Balke verlangten eine professionelle Einstellung mit feinen Abstrichen von den Laiendarstellern. "Anders lässt sich solch ein Stück nicht auf die Bühne und ins Publikum bringen. Nichts ist schwerer, als Menschen zum Lachen zu bringen. Doch der Spaß auf der Bühne, die auch für uns als Theatergruppe die Welt bedeutet, wurde dabei nicht vergessen", schmunzelte der Theater-Chef, sowie nach der Premiere am Freitag.

   

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