Wer beim morgen Nachmittag beginnenden Martinimarkt in Klötze den Nervenkitzel sucht, der ist beispielsweise im Jetforce an der Neustädter Straße am richtigen Ort. Besitzer Ali Dinali stammt aus dem Iran, ist seit Ende der 1970er Jahre als selbständiger Schausteller tätig und liebt dieses Leben.

Klötze l Morgen Nachmittag ist es endlich soweit. Um 15.30 Uhr beginnt an der Bühne auf der Neustädter Straße der alljährliche Martinimarkt in Klötze. Das traditionsreichste Innenstadtfest der Altmark wird bis Montag sicher wieder Tausende Besucher aus nah und fern anlocken. Mehr als 85 Fahr- und Schaugeschäfte laden zum Verweilen ein. Zum dritten Mal dabei ist der Jetforce von Ali Dinali.

"In Klötze ist es immer wunderbar."

"In Klötze ist es immer wunderbar. Eines der schönsten Volksfeste, die ich kenne", lobt Ali Dinali den Martinimarkt. Zusammen mit seinen beiden fest angestellten Mitarbeitern baute er gestern das rasante Karussell auf. Acht Stunden dauert das in der Regel. Der Wert dieser modernen Anlage, deren Gesamtgewicht bei 64 Tonnen liegt, beträgt etwa eine Million Euro, wie Ali Dinali erzählt. Der Jetforce hat 16 Plätze, ist 23 Meter hoch und erreicht eine Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern. "Ein ultimatives Abenteuer", verspricht Ali Dinali den Kunden. Der Jetforce ist ungefähr vergleichbar mit einer Schiffsschaukel. Allerdings werden die Fahrgäste nicht nur vor- und zurückgependelt, sondern auch noch im Kreis herum.

Wenn das Publikum oben kreischt, dann hat unten im Kassenhäuschen auch Ali Dinali seine helle Freude. "Dann weiß ich, dass es den Leuten gefällt." Oder zumindest, dass sie eben ein Abenteuer erleben.

Ein bisschen abenteuerlich ist auch die Lebensgeschichte von Ali Dinali. Er ist gebürtiger Iraner, kam 1962 nach Deutschland und schrieb sich im damaligen West-Berlin an der Technischen Universität ein. Um sich während seines Studiums etwas dazuzuverdienen, arbeitete er bei Schaustellern und fand sofort Gefallen daran. "Es war dieses Gefühl der Unabhängigkeit und Freiheit, das mich begeisterte."

Neun Monate lang arbeitete Ali Dinali bei einem großen Unternehmen als Fachingenieur für Elektrotechnik. "Aber das war nichts für mich. Es war mir zu monoton." Also sattelte Ali Dinali schnell wieder um und tat das, was ihn neben dem Studium so glücklich machte: das Leben als Schausteller. Ali Dinali machte sich selbständig und "fing ganz klein an", nämlich mit einer sogenannten Fotoschießbude, die er selbst gebaut hatte. Später kam eine zweite Bude hinzu und 1985 leistete er sich einen Breakdancer. Wenige Jahre danach kaufte er einen weiteren. Und 2009 legte er sich den Jetforce zu.

"Zehn Jahre sollten es noch werden."

Seither tingelt er quer durch die Bundesrepublik mit gelegentlichen Abstechern ins benachbarte Ausland. Im Durchschnitt ist Ali Dinali pro Jahr an mehr als 30 verschiedenen Orten, zuletzt war er in Meißen, davor unter anderem in Neugersdorf, Aue und Frankfurt/Oder. Sein Firmensitz ist im brandenburgischen Nennhausen. Doch zwischen März und Weihnachten lebt der 70-Jährige eigentlich ausnahmslos in einem geräumigen Wohnwagen. Zeit für Urlaub bleibt kaum. Denn außerhalb der Saison, also im Januar und Februar, müssen seine Fahrgeschäfte und der Fuhrpark auf Vordermann gebracht werden.

Ein anderes Leben kann sich Ali Dinali nicht mehr vorstellen. "Solange es mir Spaß bereitet, mache ich weiter. Zehn Jahre sollten es mindestens noch werden, bevor ich mich zur Ruhe setze."

Aus der eigenen Familie wird es wohl keinen Nachfolger geben. Die Tochter arbeitet als Laborantin, der eine Sohn ist in der Sicherheits-Branche tätig und der jüngste Spross hat Betriebswirtschaft studiert.