Der Klötzer Martinimarkt ist ein friedliches Volksfest. Größere Scherereien hat es schon lange nicht mehr gegeben. Das ist insbesondere auch der Polizei zu verdanken. Regelmäßig laufen die Beamten Streife. Die Volksstimme hat Burkhardt Lenz am Sonnabend auf seiner Runde begleitet.

Klötze l An diesem Tag hat Burkhardt Lenz von 10 bis 18 Uhr Dienst. Er ist 55 Jahre alt und wohnt in Jübar. Seine Kindheit verbrachte er aber in Klötze. Schon damals gehörte der Martinmarkt zu den jährlichen Höhepunkten. Als kleiner Junge schlenderte Burkhardt Lenz noch zum reinen Vergnügen über die Festmeilen. "Freitags habe ich immer fünf Mark bekommen. Das hat dann für das ganze Wochenende gereicht", erinnert er sich. Spektakuläre Fahrgeschäfte seien seinerzeit noch die Ausnahme gewesen. Burkhardt Lenz war das relativ egal. Denn am liebsten steuerte er die Schießbude an.

Das ist lange her. Nun schreibt man den 25. Oktober 2014. Es ist 12 Uhr mittags und Burkhardt Lenz hat bereits einen Rundgang hinter sich. Es gab keine besonderen Vorkommnisse, sieht man mal davon ab, dass er von einem Schausteller auf eine Sachbeschädigung hingewiesen wurde. "Bis jetzt läuft alles in geordneten Bahnen ab", konstatiert der Polizeihauptmeister. Ohnehin habe es in den vergangenen Jahren keine nennenswerten Einsätze gegeben. Die Zeiten, in denen er zu Massenschlägereien gerufen wurde, seien zum Glück vorbei. "Kurz nach der Wende war das."

"Bis jetzt läuft alles in geordneten Bahnen ab."

Heutzutage sind es eher Banalitäten, mit denen sich Burkhardt Lenz befassen muss. "Gestern hatten wir zum Beispiel eine hilflose Person. Die war ziemlich betrunken und wusste nicht mehr, wo sie war." Außerdem berichtet der dreifache Familienvater von einem anderen Mann, der wohl einen Glühwein zu viel konsumiert hatte und sein Auto deshalb lieber stehen ließ. Am nächsten Morgen sei er dann mehrfach auf die Wache gekommen, um zu pusten. "Beim dritten Mal haben wir ihm dann das Okay gegeben."

Wie Burkhardt Lenz informiert, ist für die interne Sicherheit auf dem Martinimarkt ein Sicherheitsdienst zuständig. Unter anderem passen die Mitarbeiter auf den Warenmarkt auf, sodass sich die Anbieter auch nachts keine Sorgen um ihre Produkte machen müssen. Die Polizei zeigt trotzdem Präsenz und ist im Fall der Fälle schnell zur Stelle. "Die Schausteller haben auch unsere Handy-Nummern, falls was sein sollte." Zudem bestehe eine enge Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt. Sollte es also Leute geben, die mit ihrem Pkw eine Feuerwehr-Einfahrt versperren oder ihren Hund nicht anleinen, dann werden sie von der Polizei zur Einsicht gebracht. Sollte sich darüber hinaus jemand nicht benehmen können, dann sei der Platzverweis ein gängiges Mittel, informiert Burkhard Lenz. Eine Gefängniszelle gibt es in Klötze übrigens nicht mehr. Die Person müsste dann nach Magdburg gebracht werden.

"Ich esse meine Stullen. Das ist günstiger."

Es ist jetzt 12.10 Uhr. Viel los ist noch nicht. Vor allem ältere Menschen sind unterwegs. Burkhardt Lenz hält dennoch Augen und Ohren offen. Die Marktbeschicker scheinen ihn samt und sonders zu kennen. Ein freundliches "Hallo" hier, ein "Wie geht es es Ihnen?" da. So vergehen die Minuten. Doch plötzlich stoppt Burkhardt Lenz. Ein Händler hat seine Aufmerksamkeit erregt. Doch nicht, weil etwas nicht stimmen würde, sondern weil sich der Autoliebhaber für die angepriesene Politur interessiert: "Das ist gut das Zeug", meint Burkhardt Lenz und verspricht, später in zivil nochmal wieder zu kommen und einen Kauf zu erwägen.

Auf dem weiteren Weg steigen einem der Duft von Bratwurst und Schmalzkuchen immer stärker in die Nase. Burkhardt Lenz tangiert das nicht. "Ich esse nachher meine Stullen. Das ist günstiger", sagt er.

Mittlerweile ist es 12.35 und die Runde fast vorbei. Da kommt dem Polizisten jemand entgegen. Es ist Jürgen Lorenz vom Riesenrad. Er übergibt Burkhard Lenz den Personalausweis einer Frau, der verloren gegangen ist. "Dazu schreibe ich eine Fundanzeige und versuche, die Dame zu kontaktieren. Dann kann sie sich den Ausweis abholen."

Mehr geschieht nicht. Es ist 12.45 Uhr und Burkhardt Lenz kehrt zum Kommissariat zurück. Einen Kaffee trinken und ein bisschen aufwärmen. Gegen 15 Uhr, so kündigt er an, wird es die nächste Streife geben, dann zusammen mit seinem Kollegen Michael Punke. Um 18 Uhr ist Schichtwechel. Dann übernimmt Dienststellenleiter Michael Pleuß. Wie jeden Martinimarkt-Abend werde es Unterstützung von einer Gruppe des Zentralen Einsatzdienstes Gardelegen geben. Und gestern gab es Verstärkung durch die beiden Regionalbereichsbeamten aus Salzwedel.