Nun also doch: Der Landesbaubetrieb will die Cheinitzer Straße in Apenburg grundhaft ausbauen. Für die Gemeinde stellt sich die Frage, ob sie Nebenanlagen und Regenwasserkanal gleich mit erneuern soll. Der Rat sprach sich dafür aus.

Apenburg l Generalangriff oder Stückwerk - vor dieser Wahl standen die Apenburg-Winterfelder Gemeinderäte während ihrer jüngsten Sitzung in Sachen Cheinitzer Straße. Die soll nämlich nun doch grundhaft saniert und nicht nur mit einer neuen Oberfläche versehen werden. "Das Schreiben des Landesbaubetriebes habe ich gerade erst bekommen", verkündete Bürgermeister Harald Josten. Jetzt sei die Gemeinde am Zuge zu entscheiden, was mit den Nebenanlagen geschieht. Deren Erneuerung müsste aus der kommunalen Kasse bezahlt werden.

Verzichtet die Gemeinde auf einen Ausbau der Gehwege, etwa um den Bestand an Lindenbäumen zu erhalten, würde der Landesbaubetrieb lediglich notwendige Anpassungen an den Straßenkörper vornehmen. Allerdings müssten die Nebenanlagen ohnehin aufgerissen werden, da der Wasserverband die Trinkwasserleitung erneuern will. Die verläuft derzeit unter den Linden. Die Regenwasserleitung, die völlig marode ist und gegenwärtig unter dem Gehweg verläuft, könnte neu unter die Straße gelegt werden. "Dann hätten auch die Linden eine Chance zu überleben", erklärte Josten.

Allerdings bestehe die berechtigte Sorge, dass die Bäume durch die Bauarbeiten um sie herum Schaden nehmen werden. Etwa an der Einmündung des Wallgrabens, wo auf jeden Fall der Gehwegbereich erneuert werden muss. "Hier wird ein Rückstau gebaut, da wir das Regenwasser nicht ungebremst in den Graben einleiten dürfen", erläuterte der Bürgermeister.

Ein weiteres Problem bei der Sparvariante: Wenn der bestehende Regenwasserkanal im Gehweg einfach zugemacht und verdämmt wird, könnten auch Hausanschlüsse betroffen sein. "Wir wissen ja gar nicht, ob da noch jemand dran hängt", so Josten. Um das festzustellen, sei eine Kamera-befahrung notwendig. Dafür müsste vorher das Wurzelwerk ausgefräst werden. "Und schon ist der Gehweg ohnehin aufgerissen", meinte der Ortschef. Lasse man den Kanal unangetastet, bestehe die Gefahr, dass er irgendwann einbricht.

"Einmal richtig reinhauen, dann haben wir ein Leben lang Ruhe."

Detlef Jürges

Jostens Fazit: "Die billigste Variante wäre eine mit unabsehbaren Folgekosten." Auch ein Abwarten, bis die Zuständigkeit für die Regenentwässerung endgültig geklärt ist, bringe der Gemeinde nichts. "Dann passiert nichts am Kanal", so der Bürgermeister. Jetzt könne man noch Fördermittel über die Dorferneuerung beantragen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch fließen werden. Das mache die Maßnahme auch für die Bürger preiswerter, die weniger an Beiträgen bezahlen müssten. Und von den übrigen Einleitern wie Verbandsgemeinde und Land werde man eine Kostenbeteiligung erwarten.

Die Winterfelderin Ninett Schneider sprach sich dafür aus, dass die Gemeinde den großen Wurf wagt und eine Komplettsanierung anstrebt. "Billiger kommen die Bürger jetzt nicht davon, wir sollten es probieren", meinte sie. Auch Detlef Jürges plädierte für den "Generalangriff". "Einmal richtig reinhauen, alles fertigstellen und dann haben wir ein Leben lang Ruhe", erklärte der Saalfelder. Zwar sei es schade um die alten Lindenbäume, die dann weichen müssten, aber dann pflanze man eben neue. Ganz ohne Bäume soll die Cheinitzer Straße jedenfalls auch in Zukunft nicht bleiben, da war sich der Rat einig. "Wir wollen keine Betonschneise", betonte Harald Josten.

Einstimmig sprachen sich die Räte schließlich für die Komplettsanierung aus. Unklar ist allerdings noch, ob das Land auch beim Gehwegbau finanziell mit ins Boot geholt werden kann. Das wäre dann der Fall, wenn ein kombinierter Geh-/Radweg gebaut wird. "Dazu hat der Landesbaubetrieb aber noch keine Aussage getroffen", teilte Harald Josten mit.