Einblicke in ein uraltes Handwerk erhielten die Jübarer Grundschüler. Martin Müller aus dem thüringischen Lauscha zeigte die Kunst des Glasblasens.

Jübar l Dass Glas zerbricht, wenn man es herunterfallen lässt, wussten die Jübarer Grundschüler ja, aber dass man den Werkstoff auch verflüssigen kann, um ihn hinterher in eine andere Gestalt zu bringen, war ihnen neu. Extra aus dem thüringischen Lauscha, der Wiege der Glasbläserkunst, war Handwerksmeister Martin Müller deshalb angereist, um den Mädchen und Jungen zu zeigen, wie die vielen bunten Figuren aus Glas per Hand- oder besser Mundarbeit entstehen.

"Glas besteht aus Quarz, das aus speziellem Gestein herausgeholt wird, und Sand", berichtete Müller den Kindern. Um es bearbeiten zu können, müsse man es zunächst erhitzen. Dazu benutzen die Glasbläser eine spezielle Gebläselampe oder auch Bunsenbrenner. "Etwa 1500 Grad braucht man, dann verflüssigt sich das Glas und es lässt sich beliebig verformen", erklärte der Lauschaer.

"Bei uns wurden auch die Weihnachtsbaumkugeln erfunden"

Martin Müller

So richtig glauben wollten das die Schüler jedoch nicht. Doch als Martin Müller das kleine Glasröhrchen einige Minuten in die Flamme hielt und anschließend am oberen Ende hineinpustete, wölbte sich das Material sichtbar. Ein paar geübte Handgriffe und es entstand ein Schwanenhals. "Jetzt noch den etwas zu lang geratenen Schnabel kürzen und die Figur ist fertig", meinte der Glasbläser, der die Kinder immer wieder mit in seine Vorführungen einbezog. So durften ihm einige Schüler assistieren. Tamina etwa füllte farbiges Wasser in den "Schwanenbauch" und ließ es nur durch die Wärme ihrer Hände nach oben in Hals und Kopf der Figur steigen. "Das ist Physik", erläuterte Martin Müller, "durch die Erwärmung dehnt sich das Wasser aus".

Von der Vielfalt der Figuren, die aus Glas hergestellt werden, konnten sich die Grundschüler nach der Vorstellung selbst überzeugen. Der Lauschaer hatte eine ganze Palette von bunten Tieren, Schlüsselanhängern und anderen Überraschungen mitgebracht. Da konnte kaum einer widerstehen und im Handumdrehen hatten die ersten Mitbringsel für Zuhause oder Weihnachtsgeschenke ihren neuen Besitzer gefunden.

Doch nicht nur Figuren entstehen aus Glas. "In Lauscha wurden auch die Weihnachtskugeln erfunden, die bald wieder bei euch in der Stube am Baum hängen", erzählte Martin Müller den Kindern. Und sogar Augenprothesen, die sogenannten Glasaugen, werden aus dem transparenten Werkstoff hergestellt.

Der Lauschaer entstammt einer alten Glasbläserfamilie, in der die Handwerkskunst von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Sein Großvater, Handwerksmeister Carl Müller-Schulwilm, gründete den jetzigen Betrieb am 29. September 1923. Die Vorfahren waren bereits als Christbaumschmuckhersteller im Ort tätig gewesen und möglicherweise stammen diese sogar von dem einstigen Gründer der Lauschaer Glashütte, Christoph Müller, ab, der 1597 im Tal des Lauschabaches den Grundstein für die heutige Glasbläserstadt und Zentrum der Glasproduktion legte.

   

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