Am 18. November, genau vor 25 Jahren, begann in dem Doppeldorf Böckwitz-Zicherie die Mauer zu bröckeln. Mit einer großen Festveranstaltung gedachten Menschen aus der Altmark und aus Niedersachsen dieses Ereignisses.

Böckwitz l Das Erinnern an den Mut der Menschen, die sich bei Friedensgebeten trafen und der Staatsmacht entgegenstellten, sowie die errungene Freiheit und Demokratie standen im Mittelpunkt der Festreden an dem denkwürdigen Jahrestag. Im Festzelt gegenüber der Europa-Wiese waren Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Vereinen sowie Bewohner der ehemals grenznahen Orte zusammengekommen, um ein Zeichen der Erinnerung und gegen das Vergessen zu setzen.

Für Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff war es "ganz wichtig, dass dort, wo Menschen von der Mauer am tiefsten betroffen waren, die Grenzöffnung gefeiert wird". Er setzte auf die Eiche, die zuvor auf der Europa-Wiese gegen das Vergessen gepflanzt worden war, "damit unsere Kinder wissen, was die Menschen vor 25 Jahren vollbracht haben", sagte Haseloff. "Wir vergessen auch nicht, was uns über die Jahre zusammengehalten hat: Das ist die Kultur, unser Goethe, unser Gesang und anderes", betonte er. Der große Vorteil sei, "wir haben Recht und Freiheit erkämpft".

Reiner Haseloff hob hervor, es gebe Wichtigeres als den politischen Streit über tagesaktuelle Dinge. "Man muss auch mal zusammen feiern können." Und mit Blick auf die Haushaltsdebatten sagte er: "Die DDR ist zugrunde gegangen, weil an jedem Tag mehr ausgegeben wurde als eingenommen."

Die ganze Welt teilte die Freude der Deutschen

Klötzes Bürgermeister Matthias Mann und sein Bromer Amtskollege Gerhard Borchert hatten zuvor die Gäste gemeinsam begrüßt. Der Klötzer erinnerte an die Freude vor 25 Jahren, die die ganze Welt mit Deutschland empfand und die noch heute gefeiert werde. "Wir sind froh, ohne Mauern und Grenzzäune dazuzugehören", sagte Matthias Mann. Dass mit Kerzen gegen die Staatsmacht angegangen wurde und dass alles ohne Blutvergießen geschah, sei das eigentliche Wunder dieser Zeit. Viel sei seit dem Mauerfall verändert worden. "Vor allem: Die Menschen mussten ihr Leben in einer ungewohnten Gesellschaft neu einrichten", betonte Mann. "Das ist eine beispielhafte Leistung."

Für Gerhard Borchert war diese Feier wichtig, "weil ohne Erinnerung an die Geschichte die Zukunft nicht geplant werden kann". Er habe höchsten Respekt vor den Menschen, die damals den Mut hatten, gegen die Staatsmacht aufzustehen. Für ihn sei das eines der bedeutendsten Ereignisse seines Lebens.

Michael Ziche, Landrat des Altmarkkreises Salzwedel, führte durch den Abend. Auch er fand es gut, dass dieses Jubiläum des Mauerfalls gefeiert werden konnte. Das Ereignis sei für viele Menschen noch immer unfassbar. "Mit der Grenzöffnung rutschte die westliche Altmark in die Mitte Deutschlands." Das werde noch lange nachwirken, sagte er und dankte Jahrstedts Ortsbürgermeister Uwe Bartels, der "alles im Griff habe".

Die Pfarrer Rüdiger Kitzmann (Brome) und Bernd Schulz (Steimke) gestalteten im Anschluss einen Gottesdienst. Dabei rissen Mitglieder des Bromer Kirchenchores symbolisch eine Mauer aus Stoff ein. Wilfried Schröder sang und erinnerte an die Friedensgebete.

 

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