Oebisfelde l Zu den vielen Gratulanten von Erna Krause zählten beim 103. Geburtstag auch Ruth Teuber als Vorsitzende der Oebisfelder Vertriebenengruppe sowie Inge Thurisch und Adolf Brandes vom Seniorenchor. Die Jubilarin war selbst lange aktives Mitglied bei den Vertriebenen - sie wurde am 22. November 1911 in Rothsürben, dem heutigen Zorawina im Landkreis Wroclaw (Breslau) geboren und musste ihre Heimat im Mai 1945 verlassen.

Umso mehr freute es Erna Krause, dass ihre Gäste ein Akkordeon und das Liederbuch im Gepäck hatten und alte Heimatlieder anstimmten, die unter anderem an Schlesien erinnerten.

Dass ihr Gedächtnis auch mit 103 Jahren noch gut funktioniert, bewies die Jubilarin, indem sie viele Texte ohne Vorlage mitsang. Sie schunkelte und lachte mit ihren Besuchern und prostete ihnen auch mit einem Schlückchen zu.

Nach der Vertreibung aus Schlesien verweilte Erna Krauses Familie zunächst ein Jahr lang in Sachau bei Mieste. "Dort habe ich im Gemeindebüro gearbeitet", erinnert sich die Jubilarin.

"Man muss immer anpacken, nicht schwach werden."

Danach wohnte ihre Familie in Kahnstieg, wo sie eine Landwirtschaft gepachtet hatte. 1960 folgte der Umzug nach Oebisfelde, wo die AWG neue Häuser gebaut hatte. Noch immer wohnt Erna Krause gemeinsam mit ihrer Tochter Gudrun Mehnert dort.

Ihren Mann, einen Lehrer, hatte die Jubilarin im Juli 1934 geheiratet - er musste in den Krieg und fiel 1944. Erna Krause zog deshalb ihre beiden Kinder - Gudrun wurde 1936 geboren und Sohn Ortwin 1938 - alleine groß.

"Man muss immer anpacken, nicht schwach werden", verriet die Jubilarin an ihrem Ehrentag ein Motto, das sie lange jung hielt. "Und sie lässt sich auch nicht gehen", ergänzten Tochter Gudrun und Sohn Ortwin, der mittlerweile in Jena wohnt. So sei Erna Krause zwar nicht mehr sehr mobil und müsse an manchen Tagen alle Dinge etwas langsamer machen. "Aber auch wenn es ihr mal schlecht geht, möchte sie nicht gefüttert werden oder ähnliches. Sie macht alles noch ganz allein", so Gudrun Mehnert.

Selbst für das Lesen der Volksstimme, die zur täglichen Pflichtlektüre von Erna Krause zählt, braucht die 103-Jährige keine Hilfe. "Ich lese ohne Brille", sagt die Jubilarin, die manchmal sogar ihren Kindern Kleingedrucktes vorlesen muss. Auch das Hören funktioniere noch einwandfrei - so verrät Tochter Gudrun mit einem Lächeln: "Sie hört sogar Dinge, die man vor ihr verheimlichen möchte."

"Zum 104. Geburtstag möchte ich euch wieder begrüßen."


Noch immer steckt Erna Krause voller Neugier und Lebensfreude, aus diesem Grund ist sie auch bei den fünf Enkeln, sieben Urenkeln und fünf Ururenkelchen äußerst beliebt. So gratulierte auch der dreijährige Tristan als jüngster Spross der Familie seiner Ururoma.

Am heutigen Montag möchte auch die Oebisfelder Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch der Jubilarin einen Besuch abstatten und ihr gratulieren.

Erna Krause freut sich indes bereits auf das nächste Jahr. "Zum 104. Geburtstag möchte ich euch alle wieder begrüßen", erklärte sie.

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