Klötze l Die örtlichen Voraussetzungen für die sechs begeisterten Leseratten waren nicht optimal: ein großes Klassenzimmer, das nur mit wenig Mobiliar bestückt war, so dass die Schallwellen kaum gebrochen wurden. Das war für die Klangfarbe und -fülle der fünf Mädchen und des einen Jungen, deren Stimmbänder noch allesamt kindlich ausgeprägt sind, weniger förderlich. Die Anspannung, vor sieben Juroren seine beste Vorleseleistung jeweils für zweimal drei Minuten auf den Punkt abzurufen, tat sein Übriges.

Sieben Juroren vergaben Wertungspunkte

Umso mehr sind die 134 Punkte von Luisa Tschorsnig ein Achtungserfolg. Insgesamt konnten die Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek Klötze, Iris Wienecke, Buchhändlerin Ramona Metzing aus Klötze, die Deutschlehrerinnen Tanja Hilpert, Katrin Giesel und Klaudia Falk sowie die Schüler der 10b, Natascha Kelbus und Sascha Werner, als Juroren 175 Punkte je Teilnehmer anhand eines Punktekatalogs vergeben. Keine leichte Aufgabe für die Juroren, da sie exakt zuhören, auf die Betonung und viele andere Voraussetzungen achten mussten, die ein Vorlesen erst zu einem Hinhörgenuss werden lassen.

Sicherlich müssen die sechs jungen, begeisterten Leseratten noch viele Bücher lesen, um vielleicht einmal die Klasse eines Ben Becker zu erreichen. Doch der wurde ja auch ohne solche Wettbewerbe in seiner Jugendzeit entdeckt. Bemerkenswert war die Auswahl an Textpassagen, die sich die Klötzer Schüler für den Vorlesewettbewerb "Buchartisten" ausgesucht hatten. So hatte sich die zwölfjährige Reeny Behn aus Klötze für das Annie Dalton-Buch "Engel Co - ein himmlisches Abenteuer" entschieden. Keine leichte Kost für Teenager. Und doch mit einer faszinierenden Handlung, die insbesondere durch eine Ausdrucksform besticht, die Jugendliche als ihre Sprachform erkennen - aber deshalb auch nicht leichter daraus vorzulesen ist, wie die Teilnehmerin feststellen musste. Und auch Lennart Zimmermann musste das eine und andere Mal neu beim Vorlesen ansetzen, als er eine spannende Passage über Attacken eines Riesenkraken in der Tiefsee vorlas.

Mit Bravour schlug sich das Sextett beim Vorlesen unbekannter Buchzeilen. Es fiel den Schülern aber sichtlich schwer, so aus dem Nichts heraus literarisches Neuland zu betreten und das auch noch wohl betont und über drei Minuten lang vorzutragen. Letztlich haben die Vorleser aufgezeigt, dass Lesen ein spannendes Hobby sein kann. Klaudia Falk, die an der Sekundarschule Fachlehrerin für Deutsch ist, gratulierte den Teilnehmern für die Leistungen. Sie dankte auch den jugendlichen Zuhörern, die mucksmäuschenstill geblieben waren. Zur Belohnung gab es für alle Fruchtsaftgetränke und Schokoladengebäck.