Christel Bubenicek, Inhaberin der Jahrstedter Ohreklausel, hatte ihre Hoffnungen auf den Naturpark gesetzt. Jetzt steht die Gaststätte kurz vor der Schließung.

Jahrstedt l "Was soll man machen, wenn die Leute weg bleiben?" Diese Frage stellte sich Christel Bubenicek in den letzten Jahren öfter. Bubenicek ist Inhaberin der Ohreklause in Jahrstedt, die kurz vor dem Aus steht. Der Tagesbetrieb lohne sich schon lange nicht mehr und decke auch nicht die laufenden Kosten, sagt die Gastronomin. "Wir öffnen nur noch für größere Feiern oder auf Bestellung". Die Ohreklause ist eine der letzten Gaststätten in der Region um den Drömling.

"Hatten die Hoffnung in den Drömling gesetzt."

Christel Bubenicek

Nach und nach versickte die Gastronomie um den Naturpark. Dieses Schicksal könnte jetzt auch die Ohreklause treffen, wenn sich kein Nachfolger für den Betrieb findet. "Wir hatten unsere Hoffnungen in die Vermarktung des Drömlings gesetzt", bedauert die Inhaberin. Im Endeffekt habe sich kaum etwas getan. "Es ist schwer loszulassen, weil es unser Lebenstraum war."

Seit 25 Jahren betreibt das Ehepaar das Jahrstedter Gasthaus und muss sich nun eingestehen, dass es keine Zukunft mehr hat. "Wir haben langsam ein Alter erreicht, in dem wir das nicht mehr alleine schaffen." Ursprünglich sollte die Ohreklause ein Familienbetrieb bleiben, den die Tochter weiterführen wollte. Doch durch einen Schicksalsschlag in der Familie kommt erschwerend hinzu, dass die Bubeniceks sich nun allein um den Betrieb kümmern müssen.

Durch die lange Zeit habe sich die Ohreklausel einen Namen gemacht und die Stammgäste, die immer wieder gerne ihre Familien- oder Vereinsfeiern dort ausrichten lassen, seien dem Ehepaar treugeblieben. "Leider sind wir nur ein kleines Gasthaus mit 60 Plätzen", sagt Bubenicek. Es sei schon oft vorgekommen, dass Gäste vor der verschlossenen Tür standen, weil die Kapazitäten durch eine Feier erschöpft waren. Auf die Jugend baut die Inhaberin auch nicht mehr. "Die jungen Leute haben nun einmal andere Interessen, als sich abends in eine Gaststätte zu setzen." Ohne die Reservierungen für Feiern hätte die Ohreklause schon längst ihren Betrieb eingestellt. Profitiert habe die Gaststätte kaum vom Drömling. Der erhoffte Tourismus sei über die Jahre ausgeblieben.

Klötzes Bürgermeister Matthias Mann kennt die Familie persönlich und glaubt, dass der Entschluss zur Schließung kein klassischer Fall von ausbleibender Kundschaft sei. "Ich habe die gute, schöne Küche immer sehr geschätzt", sagt Mann. Für die Region und Jahrstedt sei es ein herber Verlust. Der Bürgermeister weiß auch, "dass es für die Betriebe schwer genug ist, in der Region zu bestehen". Dennoch sehe er die öffentliche Hand nicht in der Pflicht einzugreifen. "Es ist nicht unsere Aufgabe, den Gastronomen die Touristen vor die Tür zu fahren."

Die Hoffnungen von Bubenicek auf mehr Tourismus rund um den Drömling, sieht Mann als Träumerei. "Diese Erwartungen, dass es nicht so gekommen ist, hätte man mit ein bisschen mehr Realität haben müssen." Hier sei vorher nichts gewesen und heute sei es nicht anders. "Der Drömling ist nun mal nicht vergleichbar mit dem Spreewald oder Oberbayern", ist Mann überzeugt. In unserer Region können Gastwirte nur mit einem langen Atem, Investitionen und Unternehmergeist überleben. "Es gibt viele Beispiele, die eine erfolgreiche Gastronomie hervorbringen." Ein zweites Standbein wie beispielsweise ein Partyservice oder Catering hält der Stadtchef für ein mögliches Erfolgskonzept.

"Viele Touristen nehmen ihre Klappstullen mit."

Bürgermeister Matthias Mann

Die Region sei nun einmal zu schwach besiedelt, als dass sich ein Tagesgeschäft lohne. Es fehle an Sehenswürdigkeiten und Kultur. "Die meisten Touristen, die den Drömling besuchen, nehmen sich ihre Klappstullen mit, weil es kaum etwas gibt", gesteht Mann ein. "Wir brauchen ein Angebot, um die Touristen zu locken." Ein Vergleich mit großen Zentren, in denen ein Reisebus nach dem anderen anhält, sieht Mann noch in weiter Ferne.

Unzählige Projekte und vorgelegte Konzepte haben der Gastronomie bis heute keinen Nutzen gebracht. Die wenigen Betreiber kämpfen seit Jahren ums nackte Überleben und hoffen weiter, dass sich etwas ändert, bevor es bald keine Gasthäuser mehr gibt. Fest steht, die Gaststätten schließen wegen des ausbleibenden Tourismus`, doch für Touristen und Radwanderer fehlen einfach Gasthäuser um den Naturpark.

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