Vor 200 Jahren wurde auf dem Wiener Kongress Europa nach den Befreiungskriegen neu geordnet. Einer der Teilnehmer, der dänische König Frederik VI., hat auf dem Weg dorthin in Jübar übernachtet. Daran erinnert jetzt eine Gedenktafel.

Jübar l Geschichtsträchtig ist der ehemalige Jübarer Dorfkrug, der jetzt Gaststätte Zur Linde heißt, ohne Frage. Schließlich residierte hier zu früheren Zeiten der Dorfschulze, der neben Pfarrer und Küster zu den höher gestellten Persönlichkeiten im Ort gehörte. Doch dass einst auch gekrönte Häupter in dem Gasthof einkehrten, wissen die Wenigsten. Zu ihnen gehört neben dem griechischen König Otto I., der auf der Rückreise von seiner Hochzeit in Oldenburg 1836 in Jübar nächtigte, auch Dänenkönig Frederik (Friedrich) VI. Er übernachtete vom 11. zum 12. September 1814 im Gasthof Zur alten Linde.

An das historische Ereignis erinnert jetzt eine Gedenktafel am Gaststättengebäude, die im Beisein zahlreicher Gäste und mit einem Ständchen des Jübarer Männergesangvereins feierlich eingeweiht wurde. Der Hinweis auf die Übernachtung des Dänenkönigs in Jübar kam von einem Journalisten aus dem Nachbarland. Dieser wandte sich vor zwei Jahren per Brief an das Gastwirts-Ehepaar Ingrid und Jürgen Schwieger. "Er hat die gesamte Reise Frederik VI. zum Wiener Kongress 1814 nachrecherchiert und hat dabei im Reichsarchiv in Kopenhagen Dokumente gefunden, die den Halt in Jübar bestätigen", erläuterte Mark Schwieger bei der Einweihung.

Allerdings sei der König inkognito als "Graf Falster mit Gefolge" angereist. Das belegt eine bis heute erhaltene Quittung des Lindenwirts. Der Grund für die Zurückhaltung des Monarchen liegt wohl an seinem Verhalten während der Napoleon-Zeit. "Er hatte das Pech, den Franzosen unterstützt zu haben, und gehörte damit nun zu den Verlierern", erklärte Mark Schwieger. Dennoch machte er sich persönlich zum Kongress nach Wien auf, wo vom 18. September 1814 bis 9. Juni 1815 mehr als 200 gekrönte Häupter und Regierungsvertreter europäischer Staaten die Nachkriegsordnung festlegten.

Auf alle Fälle war Frederik VI. in Jübar spendabel und ließ immerhin zwei Goldmünzen an Trinkgeld zurück. "Das war fürstlich und beweist, dass er sich hier wohl fühlte und gut bedient wurde", meinte Jübars Chef-Historiker Hartmut Bock, der zusammen mit Ingrid Schwieger die Gedenktafel enthüllen durfte.

 

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