An die historische Grenzöffnung zwischen Hanum und Zasenbeck vor 25 Jahren erinnerten Einwohner beider Nachbarorte am Sonntag gemeinsam. Dabei war der Blick sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft gerichtet.

Hanum l Sturmtief "Felix" kam den Hanumern und Zasenbeckern am Sonntag ein wenig in die Quere, denn eigentlich wollten sie die Andacht zum 25-jährigen Jubiläum der Grenzöffnung zwischen beiden Orten an der Ohrebrücke feiern. Genau dort also, wo am 6. Januar 1990 der eiserne Vorhang fiel, der die Nachbardörfer jahrzehntelang trennte. Doch wegen des starken Windes bat Pfarrer in Ruhe Hartmut Förster kurzerhand in den Saal. Gemeinsam mit seinen Rohrberger und Zasenbecker Kollegen Gottfried Vogel und Andreas Salefsky ließ er die Erinnerungen an die aufregende Zeit wiederaufleben. "Das fing am 10. September 1989 mit dem Kirchturmspitzenfest in Jübar an und endete am 30. Juni 1990 mit dem endgültigen Ende der Grenzkontrollen an der Ohre", berichtete Förster.

Übergang in kurzer Zeit aus dem Boden gestampft

Wie der damalige Jübarer Pfarrer war auch Hanums Interessenvertreter Wolfgang Schulz damals bei der Grenzöffnung mit dabei. "Schon in der Silvesternacht 1989/90 wurde ein Traum für uns alle wahr, die Tore öffneten sich, fremde Menschen lagen sich in den Armen und Freundschaften wurden geschlossen", erzählte er. Doch die Hanumer wollten mehr: Ein Übergang musste her. Unter den skeptischen Blicken der Grenzer wurde der Zaun abgerissen, die LPG karrte Kies aus Jübar heran, den die Radenbecker Firma Wiesensee mit schwerer Technik einbaute und mit Mineralbeton als Deckschicht versah. "Wäre dies nicht geschehen, hätten wir heute wohl nur einen ländlichen Weg zwischen Hanum und Zasenbeck", vermutete Hartmut Förster.

Und dann kam der historische 6. Januar. "Es lag Nebel in der Ohreaue, in beiden Orten fanden Gottesdienste statt und mit Kerzen zogen wir zur Grenze, vorneweg die Jübarer Blaskapelle, die das Niedersachsenlied spielte", berichtete Schulz. Dort an der Ohre warteten schon die Zasenbecker. Die ältesten Einwohner der beiden Orte durchschnitten das Band, dann ging es gemeinsam nach Hanum und am Nachmittag nach Zasenbeck zum Feiern. "Ein unvergessliches Erlebnis für alle", befand der Interessenvertreter.

Heute könne man froh sein, dass damals alles friedlich abgelaufen ist. "Das ist nicht selbstverständlich, wenn man die Ereignisse in Paris und in der Ukraine sieht", erinnerte Wolfgang Schulz. Wichtig sei ein friedliches Miteinander und dass einer den anderen so akzeptiert, wie er ist, auch mit seinen Fehlern.

Landrat mahnt, Werte der Freiheit zu verteidigen

Landrat Michael Ziche bezeichnete den Fall der Grenze zwischen Hanum und Zasenbeck als "historische Chance", die die Menschen in den beiden Orten genutzt haben, um "zusammenwachsen zu lassen, was zusammengehört". Die Erfahrungen gelte es auf die jüngere Generation zu übertragen. "Denn Anschläge auf unsere Freiheitsrechte wie in Paris mahnen uns zur Wachsamkeit, das westliche Wertesystem zu verteidigen", so Ziche. Bei allen Unzulänglichkeiten gebe es keine bessere Ordnung als Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Freiheit, die die Menschen 1989/90 erkämpft haben.

Die Grüße der Zasenbecker, die in großer Zahl an der Feier teilnahmen, überbrachte Ortsvorsteher Stefan Meinecke. Er selbst kenne die Zeit der Teilung größtenteils von Erzählungen und Bildern. "Die Geschwindigkeit, mit der Ost und West zusammengewachsen sind, ist erstaunlich", erklärte der gebürtige Bromer. Dass Zasenbecker und Hanumer heute wieder sehr enge Verbindungen über die Ohre hinweg pflegen, könne die Einwohner mit Stolz erfüllen. "Eine Herausforderung wird es für mich sein, meinen beiden Jungs zu vermitteln, welch große Errungenschaft die offene Grenze ist und dass es früher einmal nicht so einfach war, die Ohre zu überqueren", bekannte Stefan Meinecke.

Jübars Bürgermeister Carsten Borchert zeigte sich beeindruckt von der Ausdauer, die Hanumer und Zasenbecker im Erinnern an die Grenzöffnung an den Tag gelegt haben. Seit 25 Jahren begehen sie dieses Ereignis jeweils abwechselnd in ihren Orten. "Ihr seid die einzigen, die durchgehalten haben. Und ich würde mich freuen, wenn das noch lange so bleibt", spornte er die Einwohner an.

Nach den offiziellen Reden spielte die Jübarer Blaskapelle zum Frühschoppen auf. Es gab Erbsensuppe aus der Gulaschkanone des Nettgauers Roland Klingler. Während des Essens wurde das eine oder andere Foto aus den Tagen der Grenzöffnung herumgereicht. Am Nachmittag erfreute der Gemischte Chor Zasenbeck die Besucher mit einem kleinen Programm.

Fünf Markenmotive bei der biber post erstellen lassen

Eine ganz besondere Überraschung hatte Hartmut Förster für die Festgäste parat. Er ließ pünktlich zum Jubiläum der Grenzöffnung fünf verschiedene Briefmarkenmotive bei der Biberpost entwerfen, die bei ihm zu erwerben sind. Die Marken zeigen den Blick über den Schlagbaum auf Zasenbecker Seite in Richtung Hanum, die fertiggestellte Straße mit dem Grenzübergang 1990, ein historisches Schutzstreifen-Schild vor dem ehemaligen Bahndamm, den Blick von der Westseite auf die Mauer und den eingerüsteten Hanumer Kirchturm sowie eine Grafik des Stöckheimers Klaus Finger mit dem Wachturm und dem geöffneten Grenztor. Wer Interesse hat, kann sich bei Hartmut Förster unter Telefon 039003/97009 melden.

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