Damit hat Bernd Unruh wohl nicht gerechnet: Der Ortschaftsrat regte in der jüngsten Sitzung an, die Notwendigkeit der Geschwindigkeitsbegrenzung in der Burgstraße in Klötze zu überprüfen. Doch mit diesem Vorstoß traf er prompt den Nerv der Anwohner.

Klötze l Die meisten Anwohner der Klötzer Burgstraße und angrenzender Straßen sind froh über die auf 30 Kilometer pro Stunde begrenzte Geschwindigkeit von der Kirchstraße bis zum Kreisverkehr. Einige von ihnen meldeten sich nach der Diskussion in der Sitzung des Ortschaftsrates in Leserbriefen zu Wort. Sie kritisierten Erschütterungen ihrer Häuser und nächtlichen Lärm durch Lkw. Beispielsweise beklagte Kerstin Schulze Risse in der Straße, tiefliegende Einlaufschächte und klappernde Gullydeckel (Volksstimme berichtete). Auf einen Nenner gebracht, heißt das: Viele Autofahrer lehnen das Tempolimit ab, Anwohner bestehen darauf.

Für Bürgermeister Matthias Mann hat die Situation auf der Landesstraße 20 wie eine Medaille zwei Seiten. Einerseits kann er Autofahrer verstehen, die lieber ohne 30er-Limit durch Klötze fahren möchten. Doch die Vernunft spricht für die Anwohner. "Sie sind näher dran und werden, im Gegensatz zu den Fahrern, ständig damit konfrontiert", erläuterte er und machte darauf aufmerksam, dass eine solche Zone mit reduzierter Höchstgeschwindigkeit nicht ohne Grund eingerichtet werden würde. "Da stehen umfangreiche Prüfungen dahinter." Als problematischen Unfallschwerpunkt sieht Matthias Mann die Kreuzungsbereiche an. Dort sei eine Geschwindigkeitsbegrenzung erforderlich.

Bei Fahrzeugkontrollen bestehen Reserven

Indes hob der Bürgermeister noch einen weiteren Punkt hervor: "Die Beschilderung allein reicht aber nicht aus. Ich sehe vielmehr den Punkt der Kontrolle, um das Tempolimit durchzusetzen." Dabei bestünden noch Reserven. Das aber sei eine Frage der Kapazitäten bei der Polizei und anderen, schränkte Matthias Mann ein. Die Polizei sollte dort mehr Präsenz zeigen.

Das Fazit des Bürgermeisters: "Die Begrenzung der Geschwindigkeit in der Burgstraße sollte bleiben. Das ist im Interesse der Anwohner und schützt letztlich auch die Fahrer." Die Straße sei nicht so hoch frequentiert, dass Autofahrer dadurch viel Zeit verlieren würden. "Wenn einer mal eine Minute zu spät kommt, ist das kein Beinbruch", sagte er.

Klötzes Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Schmidt beurteilt die Situation ähnlich - zumindest, was das Tempolimit auf der Fahrbahn betrifft, die zum Kreisel führt. "Ich stehe selbst oft mit meinem Auto an der Kreuzung Burgstraße/Kirchstraße und bin dann wegen der Kurve froh, wenn die Autos nur 30 km/h fahren", begründete er. "Was weg könnte, ist das 30er-Schild am Kreisverkehr stadtauswärts." Weil die rechtlichen Vorgaben jedoch noch ausgeleuchtet werden sollen, holt Ordnungsamtsleiter Ulf Dittfach zur nächsten Sitzung des Ortschaftsrates Informationen ein.

Ob eine solche einseitige Geschwindigkeitsbegrenzung rechtlich machbar ist, weiß Gerd Schönfeld von der Polizei in Salzwedel: "Es ist durchaus möglich, dass ein Tempolimit nur einseitig eingerichtet wird. Das muss aber entsprechend begründet werden können."