An die Grenzöffnung zwischen ihren beiden Orten vor 25 Jahren erinnerten Gladdenstedter und Radenbecker am Sonntag. Mehr als 100 Besucher kamen zur Jubiläumsfeier in den Saal.

Gladdenstedt l Vor der Schautafel mit den vielen Fotos, die im Foyer des Gladdenstedter Dorfgemeinschaftshauses aufgebaut war, kamen die Erinnerungen an die Zeit der Teilung wieder hoch. "Da stand ich früher drauf und habe kleine Steinchen in Richtung Grenze geworfen", erzählte eine Frau ihrem kleinen Sohn aus ihrer Kindheit und tippte auf die Aussichtsplattform, von der aus man bei Radenbeck vor 1990 über Mauer und Stacheldraht hinweg nach Gladdenstedt hinüberschauen konnte. Nie hätte sie damals gedacht, dass diese Grenze irgendwann fällt. "Und schon gar nicht, dass ich in dem Dorf auf der anderen Seite einmal wohnen werde", berichtete die gebürtige Wittingerin, die heute in Gladdenstedt lebt.

Solche Geschichten gab es viele zu hören bei der Jubiläumsveranstaltung zum 25. Jahrestag der Grenzöffnung zwischen Gladdenstedt und Radenbeck. Der Saal war mit mehr als 100 Besuchern brechend voll, so dass zusätzliche Stühle herangeschafft werden mussten. Interessenvertreter Reiko Schweigel erinnerte daran, dass in den ersten Jahren der Teilung noch ein reger Warenaustausch zwischen beiden Orten herrschte. "Da wurden Ferkel über die Ohre geschmuggelt, die bekamen vorher Schnaps, damit sie nicht auffielen", schmunzelte der Nettgauer. Dass die Jugend heute die einstige Grenze mit ihrer Auswirkung auf das Leben der Leute nicht mehr nachempfinden kann, sei normal. "Es ist schön, dass sie in einem friedlichen, freien Land aufwachsen und ihr Leben selbst gestalten können", meinte Schweigel.

Radenbecks Ortsvorsteher Karl-Heinz Brandes schlug den Bogen zum historischen Tag des 2. Februar 1990, als um 15.40 Uhr das erste Loch in die Grenzmauer bei Gladdenstedt geschlagen wurde. "Hier wurde Geschichte geschrieben, unglaubliche Szenen haben sich abgespielt", erklärte er. Der große Hammer, mit dem Silvio Mayer und Günter Tepelmann das Betonungetüm bearbeiteten, war in der Ausstellung zu sehen.

Und mit filmischen Originalaufnahmen vom Geschehen damals, zur Verfügung gestellt vom Radenbecker Kai Behne, konnten sich die Besucher nochmal in die aufregenden Tage der Grenzöffnung zurückversetzen lassen und die Einweihung des geschaffenen Übergangs am 17. Februar 1990 mit Blasmusik und Banddurchschnitt durch die jeweiligen Dorfältesten mitverfolgen. Bei Kaffee, Kuchen und kühlen Getränken feierten die Einwohner der beiden Nachbarorte bis zum Abend.

   

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