48 Jahre nach seiner Gründung hat sich der Beetzendorfer Frauenchor jetzt offiziell aufgelöst. Während der letzten Jahreshauptversammlung kam nicht nur bei den Sängerinnen reichlich Wehmut auf.

Beetzendorf l "Es ist traurig", stieß eine der Sängerinnen während der Jahreshauptversammlung des Beetzendorfer Frauenchores einen tiefen Seufzer aus, als Vorstandsmitglied Sabine Wunder den wichtigsten Tagesordnungspunkt des Abends aufrief: den Beschluss über die offizielle Auflösung des Chores. 48 Jahre lang haben die Sängerinnen das kulturelle Leben in der Burggemeinde mitgeprägt und bei zahlreichen Anlässen ihre Lieder erklingen lassen. "Doch es geht nicht mehr", meinte Vorsitzende Edelgard Wuttke. Die Anzahl der Sängerinnen in den einzelnen Stimmen sei zu gering und es bestehe keine Aussicht, zusätzliche Interessenten, vor allem im Sopran, zu gewinnen.

Im vergangenen Jahr habe der Chor extra sein Liedrepertoire umgestellt, um künftig mit zwei statt drei Stimmen auftreten zu können. Doch dann seien weitere Sängerinnen abgesprungen, so dass der Bestand schließlich auf 17 geschrumpft ist.

Der Beschluss zur Auflösung fiel einstimmig. Aus den Augen wollen sich die Chorfrauen aber trotzdem nicht verlieren. Der Vorschlag, sich wie bisher jeden ersten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr in der Gaststätte Am Bahnhof in Beetzendorf zwanglos zu treffen und auch eine gemeinsame Frauentagsfeier zu organisieren, fiel auf fruchtbaren Boden.

Respekt für Zeitpunkt der Entscheidung

Bürgermeister Heinrich Schmauch, der ebenso wie sein Stellvertreter und wahrscheinlicher Nachfolger Lothar Köppe zur letzten Zusammenkunft des Chores erschienen war, bedauerte die Auflösung. "Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich in meiner 23-jährigen Amtszeit mal den Frauenchor in den Ruhestand verabschieden muss", meinte er. Die Gemeinde sei dem Chor zu großem Dank verpflichtet. "Er war das Lieblingskind von Harald Malcherzyk", erinnerte Schmauch an den langjährigen Chorleiter, der 2007 verstarb. Es sei den Sängerinnen gelungen, "trotz dieses schmerzhaften Verlustes den Chor mit neuem Leben zu erfüllen und einen Leiter zu finden, der sie neu motivieren konnte". Letzteres sei das Verdienst von Rainer Rodzis gewesen, bei dem sich Schmauch, aber auch die Chormitglieder besonders herzlich bedankten.

Der Ortschef, der jede der aktiven Sängerinnen mit einem Blumenstrauß verabschiedete, zollte dem Chor zugleich Respekt für seine Entscheidung, die Arbeit jetzt einzustellen. "Wenn man merkt, man kann die Qualität nicht mehr so halten, ist es besser so, als den Chor dahinsiechen zu lassen", sagte Heinrich Schmauch. Er hätte sich jedoch trotzdem statt einer Auflösung lieber das Ruhen der Chorarbeit gewünscht.

Sichtlich bewegt bedankte sich auch Rainer Rodzis bei seinen Sängerinnen. "Es hat mir sehr viel Spaß gemacht mit euch, obwohl ihr der Chor seid, den ich die kürzeste Zeit dirigieren durfte", erklärte der Kalbenser. Trotz des höheren Alters der meisten Sängerinnen hätten diese bei ihren Auftritten immer wieder schöne Klänge hervorgebracht. "Gerade vom letzten Weihnachtskonzert war ich sehr angetan. Ihr seid von der Bühne getreten, als das sängerische Niveau noch hoch war. Besser so als zu einem Zeitpunkt, an dem der Gesang nicht mehr so gelingt", meinte Rodzis.

Ein großes Dankeschön für die jahrelange Zusammenarbeit gab es auch vom Beetzendorfer Männerchor. "Bei der Vorstellung unseres Jahresplans während der Hauptversammlung haben wir erst gesehen, welche Lücken sich durch eure Auflösung auftun", erinnerte Vorsitzender Thomas Pelczarski an die vielen gemeinsamen Auftritte und Veranstaltungen. Er würde sich wünschen, dass die Sängerinnen auch nach der Auflösung des Chores die Männer bei der einen oder anderen Gelegenheit mit ihrer Stimme unterstützen. "Vielleicht beim Maisingen", regte Pelczarski an.

Ortschef hofft auf Neuanfang in der Zukunft

Die Hoffnung ganz aufgegeben, dass sich irgendwann ein Frauenchor in Beetzendorf neu organisiert, hat Bürgermeister Heinrich Schmauch noch nicht. "Nichts ist endlich und ich würde mir wünschen, dass im Untergrund daran gewerkelt wird. Dieser Ort hätte es verdient", meinte er. Doch Rainer Rodzis sieht da wenig Chancen. "Wenn ein Chor einmal auseinandergegangen ist, ist es sehr schwer, wieder zusammenzufinden. Die Zeiten sind einfach andere als damals", zeigte sich der Dirigent pessimistisch.

 

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