Beetzendorf l 77 Kinder gehen derzeit in den Beetzendorfer Grundschulhort, mehr als die bisherige Betriebserlaubnis als Maximalbelegung vorsieht. Deshalb steht seit Kurzem ein Container auf dem Areal hinter dem Schulhof, der von der Verbandsgemeinde (VG) für fünf Jahre angemietet wurde. Hier können zusätzlich zu den zwei Horträumen in der Schule Kinder am Nachmittag beschäftigt werden. "Seit diesem Monat hat der Hort deshalb eine Betriebserlaubnis für 80 Kinder", berichtete Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin Christiane Lüdemann den Mitgliedern des Einrichtungs- und Sozialausschusses bei ihrem Rundgang.

Bei aller Freude über die Entspannung der beengten räumlichen Situation des Hortes gab es auch Kritik. So müssen die Mädchen und Jungen nicht nur vom Container aus bei Wind und Wetter über den Schulhof zur Toilette laufen, es gibt auch keinerlei Wasser- oder Abwasseranschluss in dem Bau. "Warum wurde der nicht gleich mit gelegt?", wollte Schulleiter und Ausschussmitglied Carsten Borchert wissen. "Weil es nicht gefordert war", antwortete VG-Mitarbeiterin Viola Zipperling. Doch das wollte Borchert nicht gelten lassen. "Hier geht es doch um den gesunden Menschenverstand. Wenn sowieso alles aufgebuddelt wurde, hätte man die zehn Meter Leitung doch legen können", meinte er.

Da der Container kein Wasser hat, muss der Hausmeister das Nass in Eimern und Kanistern heranschleppen, etwa zum Saubermachen. "Das ist doch ein Rückschritt ins Mittelalter, der Hausmeister als Kamel, das Wasser ins Haus bringt", schüttelte Borchert den Kopf. Für die Diesdorferin Angelika Scholz ist der fehlende Wasseranschluss dagegen kein Problem. "Wir haben auch Schulen, wo es Etagen ohne Wasser gibt, das zum Reinigen nach oben getragen werden muss. Das sehe ich nicht so tragisch", meinte sie.

Ungeklärt ist auch, was nach den fünf Jahren Mietdauer mit dem Container passiert. "Gehört er dann uns?", wies Carsten Borchert darauf hin, dass mit den 17000 Euro, die die VG jährlich als Miete überweist, der Container am Vertragsende eigentlich abgezahlt ist. Doch offensichtlich wurde diese Frage nicht geregelt. "Wir sind dabei, das zu klären", erklärte Viola Zipperling. Doch das war dem Schulleiter zu wenig. "Ich erwarte von der Verwaltung, dass so etwas vorher im Vertrag geregelt wird", ärgerte sich Borchert.

Zu den Kosten für die Miete kommen noch etwa 30000 Euro hinzu, die die VG für die Vorbereitung des Bauplatzes, Genehmigungen, Fundamente und das Brandschutzkonzept berappen musste. Zudem wurde eine zusätzliche Erzieherin eingestellt, da die Wege weiter sind. "Auch das sind Mehrkosten, die erst jetzt auftauchen", so Borchert, der der Verwaltung Konzeptionslosigkeit vorwarf. Genau in dem Jahr, in dem der Mietvertrag für den Container ausläuft, würden im Hort nach derzeitigen Schätzungen ein Drittel mehr Kinder betreut werden wie bisher. "Und wo bringen wir die dann unter?", fragte der Grundschulleiter.

VG-Bürgermeisterin Christiane Lüdemann wies darauf hin, dass es sich bei der Prognose für 2019/20 um einen "Ausreißer" handelt. "Danach gehen die Zahlen wieder runter", beruhigte sie. Für Carsten Borchert wenig glaubhaft: "Das kann doch jetzt noch niemand sagen, die Kinder sind doch nicht mal geboren worden." Die Winterfelderin Ninett Schneider erinnerte daran, dass es sich bei der Containervariante von Anfang an um eine vorübergehende Lösung gehandelt habe. "Wenn die Zahlen wieder anders aussehen, müssen wir eben neu überlegen", meinte sie. Das von Borchert vor einiger Zeit ins Spiel gebrachte Containerdorf für den Hort ist nach Ansicht von Ausschusschef Günther Serien jedenfalls keine Lösung. "Ich habe mir so etwas in Salzwedel angesehen - drei Räume für 90 Kinder, mit Toiletten und allem. Da ist eine ganz schöne Unruhe", wandte er ein.