Fast exakt vor zwölf Jahren wurde in Oebisfelde der Friedenspalast eröffnet - auf dem ehemaligen Kasernengelände der Grenztruppen der DDR an der Stendaler Straße. Gegründet wurde in diesem Zuge auch die Maharishi-Weltfriedensstiftung.

Oebisfelde l Per Hubschrauber eingeflogen wurde zur Eröffnung Raja Raam - der Regent des Globalen Landes des Weltfriedens. Hinter diesem Namen verbirgt sich der Amerikaner Tony Nader. Zu seinem damaligen Anhang gehörte auch Emanuel Schiffgens, Kurator der Weltfriedensstiftung.

Drei Jahre nach Eröffnung und Gründung wurde die Stiftung in Oebisfelde dann sehr aktiv. Die Weltfriedensmenschen wollten in Oebisfelde eine private vedische Universität gründen. Auf einer erworbenen Ackerfläche neben dem Palast sollte der Uni-Campus entstehen. Vermittelt werden sollten dort unter anderem die Lehren Maharishis.

Das Projekt wurde vom Stadtrat unterstützt. Die Verwaltung wurde tätig. Doch der Uni-Bau wurde abgelehnt, ebenso wenig später der Bau einer Hochschule. Genehmigt wurde 2006 jedoch der Bau eines Erholungsparkes. Vorgesehen sind 210 Gästebetten, zehn Suiten mit je einem Bett für sogenannte VIPs sowie Ein- und Mehrfamilienhäuser für Dozenten. Behandelt werden sollen die Patienten-Gäste in einem ayurvedischen Gesundheitszentrum. Das i-Tüpfelchen des Erholungsparkes soll jedoch ein 54-Meter-Turm am Eingangsbereich mit Büros, Café und einem Planetarium auf der Plattform werden. Vorgestellt wurde das Turm-Vorhaben 2010.

Die Mitglieder des Stadtrates stimmten dem Erholungspark und auch dem Turmbau zu. Seitdem warten Stadtrat, -Verwaltung und die Oebisfelder, die den Plänen der Weltfriedensstiftung anfänglich durchaus positiv gegenüberstanden, auf die Realisierung. Über die Höhe der Baukosten äußerte sich die Friedensstiftung übrigens nie. Bekannt wurde nur, dass beabsichtig war, Fördermittelanträge beim Land zu stellen.

"Das ist geraume Zweit her und getan hat sich nichts."

Das letzte Lebenszeichen gaben die selbst ernannten Bauherren von sich, als sie sich mit Mitgliedern des städtischen Bauausschusses an der Zufahrt zum Areal trafen. Die soll auf Kosten der Bauherren ab der Stendaler Straße instand gesetzt werden. "Das ist schon wieder geraume Zeit her und getan hat sich nichts", erzählte CDU-Stadtrat Karsten Schindler, der damals mit vor Ort war.

Dass dieses Vorhaben nicht klappe, habe aber auch möglicherweise damit zu tun, dass die evangelische Kirche in diesem Bereich Land besitzt und es den Bauherren nicht verkaufen möchte, wie Bauamtsleiter Uwe Dietz informierte. "Wir sind aber an dieser Sache dran", merkte der Amtschef an.

Doch im Blick haben Stadtrat und Verwaltung natürlich das Gesamtvorhaben. "Diesbezüglich rührt sich nichts. Die Weltfriedensstiftung hat sich in dieser Angelegenehit noch nicht wieder bei uns gemeldet", erklärte Dietz.

CDU-Mann Schindler ist sich dagegen ziemlich sicher, dass der Erholungspark und der "größenwahnsinnige Turm", wie er das 54-Meter-Bauwerk titulierte, Luftschlösser bleiben: "Die Stadtratsfraktion der CDU stand den Vorhaben stets skeptisch gegenüber. Viele der damaligen Entscheidungsträger im Stadtrat waren meiner Meinung nach, wohl auch mit Blick auf mögliche Arbeitsplätze für Oebisfelde, zu gutgläubig. Schon damals standen im Internet zahlreiche Fakten über die Maharishi-Leute. Sie haben nicht nur in Oebisfelde, sondern bereits zuvor in anderen Gemeinden und Städten überzeugend vermittelt, irgendwelche Phantasie-Projekte auf die Beine stellen zu können."

Von Emanuel Schiffgens, dem Kurator der Weltfriedensstiftung, waren hingegen keine Auskünfte zu erhalten. Er war trotz zahlreicher telefonischer Versuche nicht zu erreichen. Erreichbar war aber Hans-Egon Kolsdorf, zusammen mit Ehefrau Ulrike Eigentümer des Friedenspalastes. Doch der Doktor der Mathematik erklärte sich auf Anfrage für "nicht zuständig".