Allerknaller. So heißt ein inoffizieller Fanklub des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. Wann immer es sich einrichten lässt, unternehmen die Mitglieder, die aus Niedersachsen und der Altmark stammen, Auswärtsfahrten. Ende vergangener Woche ging es zur Europa League-Partie des VfL Wolfsburg nach Lissabon.

Steimke/Lissabon l Wer ein echter Fan ist, der ist nicht nur bei den Heimspielen dabei, sondern begleitet seine Lieblingsmannschaft überall hin. Egal, wie weit das Ziel entfernt ist. Das gilt auch für die "Allerknaller", einer Vereinigung, deren Mitglieder aus Gifhorn, Leiferde, Wolfsburg, Kaiserwinkel und Steimke kommen und den VfL Wolfsburg im Herzen tragen. Fünf Mann machten sich am vorigen Donnerstag auf den Weg nach Lissabon. Dort spielten die Grünweißen gegen Sporting.

Treff für die Allerknaller, die ihren Verein international schon in Mailand, Paris und Manchester unterstützten und im Dezember zur letzten Vorrundenbegegnung nach Lille gereist sind, war um 1 Uhr nachts Steimke. Dort setzten sich die gut gelaunten Herren in das Auto von Mirco Bogdan und begaben sich nach Hamburg zum Flughafen. Mit einem schmackhaften deutschen Bier verabschiedeten sie sich am Check-in standesgemäß von der Heimat und hoben um 6 Uhr ab gen Süden. Zweieinhalb Stunden später war die portugiesische Hauptstadt erreicht.

Mit dem Taxi ging es dann zum Hotel, indem, wie sich später herausstellten sollte, auch Holger Ballwanz, Ex-Profi und aktueller Fanbeauftragter des VfL, sowie Lothar Hilmer, Vorsitzender der Aller-Ohre-Wölfe - dem mit über 250 Mitgliedern größten VfL-Fanklub überhaupt - logierten. Da die Zimmer erst um 14 Uhr Ortszeit bezugsfertig waren, begaben sich die Allerknaller zunächst auf Entdeckungstour. Mit 13 Grad war es kälter als gedacht. Aber sei es drum. Lissabon, das stellte sich schnell heraus, hat einen morbiden Charme. Viele Häuser sind verfallen, erzeugen im Verbund mit den vielen kleinen Geschäften und den herzlichen Menschen aber eine angenehme Atmosphäre.

Fan-Treffen am Rossio

Schön war, dass die Autos tatsächlich anhielten, wenn man auf Zebrastreifen die Straßen überquerte. Das ist längst nicht überall so. Nervig war hingegen, dass man dauernd angesprochen wurde, ob man Sonnenbrillen oder gar Haschisch kaufen möchte. Die Polizei ist zwar allgegenwärtig - was sich durch das ohrenbetäubende Geräusch ihrer Sirenen bemerkbar macht - allerdings scheinen sich die Beamten an dem illegalen Treiben nicht sonderlich zu stören.

Gegen 16.30 Uhr, nach einem kurzen Nickerchen, machten es sich die Allerknaller am Rossio, einem der größten Plätze Lissabons und seit dem Mittelalter das Zentrum der Stadt, gemütlich. Im Laufe des Nachmittags fanden sich dort immer mehr VfL-Fans ein. Insgesamt waren es mehr als 1500. Diese machten sich um 17.30 Uhr gemeinsam auf den Weg zum Estadio Jose Alvalade. Die Arena wurde zur Fußball-Europameisterschaft 2004 neu erbaut, fasst knapp 50 000 Zuschauer und ist nach dem Gründer von Sporting Lissabon benannt.

Im Tuk Tuk zum Stadion

Indes wählten die Allerknaller einen anderen Weg zum Stadion, nämlich per Tuk Tuk. Die Fahrt mit einer solchen Autorikscha ist ein wirklich außergewöhnliches Vergnügen und sehr zu empfehlen. Die Preise sind mit den Fahrern frei verhandelbar.

Die Geschichte des Spiels, das 23097 Zuschauer hatte, ist schnell erzählt. Es endete 0:0. Obwohl das weite Rund nur halb gefüllt war, erzeugte die Kulisse eine bombastische Stimmung. Der VfL hat sicher schon bessere Spiele gemacht und konnte sich bei Torhüter Diego Benaglio bedanken, der mehrfach glänzend parierte. Aber egal. Nach dem 2:0-Hinspielerfolg ist der VfL Wolfsburg eine Runde weiter und trifft nun am 12. und 19. März auf Inter Mailand.

Die Allerknaller feierten das Weiterkommen des VfL am Hafen des Tejo, wo sich eine Bar neben der anderen befindet.

Am nächsten Tag, also dem Freitag, wurden sich mehr oder minder gezielt einige Sehenswürdigkeiten von Lissabon angeschaut. Beispielsweise das Mosteiro dos Jeronimos (Hieronymus-Kloster, 1544 erbaut, seit 1983 Weltkulturerbe der UNESCO), den Elevador de Santa Justa (Aufzug, der die Unter- und Oberstadt Lissabons miteinander verbindet und in dessen Kabinen je 24 Personen passen, 1902 von Gustav Eiffels Schüler Raoul Mesnier de Ponsard erbaut), das Castello de Sao Jorge (6000 Quadratmter große Burgruine, die vor dem 11. Jahrhundert von den Mauren erbaut wurde), oder den Prado do Comercio (zu deutsch: Palastgelände, hier befand sich bis zum Erdbeben von 1755 das königliche Uferschloss). Ein bisschen Kultur muss schließlich sein. Als Fortbewegungsmittel wurde nach dem Spaß am Vorabend erneut das Tuk Tuk gewählt, das selbst durch die engsten Gassen passt. Unterwegs gab es Wein und Likör.

Abends ging es in die Altstadt, genauer gesagt in das Viertel Alfama. Hier gibt es sogar eine öffentliche Dusche, weil etliche der kleinen Wohnungen keine haben. Bei Fado, der traditionellen, melancholischen portugiesischen Musik, geräuchertem Schinken, würzigem Käse und dem obligatorischen Super Bock-Bier, hatte das Quintett seinen Spaß, bevor am nächsten Tag, dem Sonnabend, wieder die Heimreise auf dem Programm stand.

Von Lissabon ging es mit einstündiger Verpätung (es gab ein Problem mit dem Bordfunk) erst nach München und dann weiter nach Hamburg. Gegen 23.45 Uhr waren die Allerknaller zurück in Steimke.

Fazit: Auswärtsfahrten sind schön. Vor allem natürlich, wenn die Lieblingsmannschaft triumphiert hat.

   

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