Weddendorf l Einen offenen Brief an die Stadträte von Oebisfelde-Weferlingen sowie an die Verwaltungsmitarbeiter der Einheitsgemeinde haben die Anwohner des Weddendorfer Wohngebiets "Am Lehmweg" verfasst. In dem Schreiben erheben sie in vollem Umfang Einspruch gegen die Pläne eines Investors, zugunsten seines Vorhabens den Bebauungsplan des Gebietes zu ändern. So war in der letzten Sitzung des Stadtrates bekannt geworden, dass das "allgemeinde Wohngebiet" am Lehmweg in ein Sondergebiet umgewidmet werden soll, um dort ein Kinderdorf sowie Gebäude für das betreute Wohnen von Senioren zu bauen (Volksstimme berichtete).

Zudem solle das Maß der baulichen Nutzung von der derzeit zulässigen Geschosszahl ein-bis zweistöckig auf zwei-bis-dreistöckig hochgestuft werden.

"Wir lehnen eine weitere Aushöhlung des rechtskräftigen B-Planes ab."

"Wir haben unsere Investitionen in Grundstücke und Häuser unter der Voraussetzung getätigt, dass das gegenüberliegende Areal ebenfall eingeschossig als Wohngebiet genutzt wird", wenden nun die Anwohner des Weddendorfer Lehmweges ein.

"Nachdem bereits im Jahr 2000 die ursprüngliche Festsetzung `Reines Wohngebiet` in `Allgemeines Wohngebiet` zum Nachteil der Anwohner geändert wurde, lehnen wir eine weitere Aushöhlung des rechtskräftigen B-Planes ab.

"Der Grundsatz der Gleichberechtigung wird dadurch nicht eingehalten."

Der Grundsatz der Gleichbehandlung wird dadurch nicht eingehalten. Die beiden geplanten Projekte - Kinderdorf und Betreutes Wohnen - können auch ohne eine Änderung des aktuellen B-Planes umgesetzt werden", heißt es in dem Schreiben der Anwohner.

In ihrem offenen Brief stellen sie im Folgenden klar, dass sie nicht generell gegen das Vorhaben des Investors seien, sondern vor allem gegen die damit einhergehenden, geplanten Änderungen der Baubedingungen.

"Weitreichende Konsequenzen nicht nur für die unmittelbaren Anwohner."

"Beide Bauvorhaben sind von gemeinnützigem Interesse und finden, gerade in Anbetracht des unbestrittenen Bedarfs an betreutem Wohnen in Oebisfelde, sicherlich die allgemeine Zustimmung der Bürger", heißt es in dem Schreiben weiter.

Die geplanten Änderungen des Bebauungsplanes hätten jedoch "weitreichende Konsequenzen, nicht nur für die unmittelbaren Anwohner des Lehmwegs und der Niendorfer Straße", sondern auch für die Bewohner der Drömlingsstraße".

Nicht verstehen können die Anwohner den angestrebten Status eines Sondergebietes. Damit werde "eine spürbare Erhöhung der Grundstücksausnutzung auf drei Vollgeschosse" angestrebt, so vermuten die Hauseigentümer.

"In Weferlingen wird betreutes Wohnen eingeschossig wirtschaftlich betrieben."

Diese würde sich rein optisch und bezogen auf die natürliche Umgebung erdrückend auswirken. Zudem könne man sich "von einer Bebauung mit Einfamilienhäusern auf den verbleibenden Parzellen komplett verabschieden", so befürchten die Anwohner des Weddendorfer Lehmweges.

Das Argument, eine wirtschaftlichen Rentabilität des betreuten Wohnens könne nur durch eine dreigeschossige Bauweise erreicht werden, können sie unterdessen ebenafalls nicht nachvollziehen. "In Weferlingen wird seit Jahren betreutes Wohnen eingeschossig wirtschaftlich betrieben", schreiben die Eigenheimbesitzer in ihrem offenen Brief weiter.

Insgesamt, so sagen die Anwohner, hätten sie ihre Grundstücke vor rund 20 Jahren unter völlig anderen Rahmenbedingungen gekauft. Mit den Vorhaben des Investors würden eine verminderte Wohnqualität, eine Wertminderung der Grundstücke sowie mehr Lärm auf sie zukommen.

"Bürger mussten bereits mit den Folgen von Fehleinschätzungen zurechtkommen."

"Die betroffenen Bürger mussten bereits in den vergangenen Jahren mit den Folgen von Fehleinschätzungen damals Verantwortlicher zurechtkommen und sind nun möglicherweise wieder mit einer beabsichtigten Fehleinschätzung konfrontiert", heißt es schließlich in dem Schreiben.

Die Verfasser appellieren an die Stadträte, in ihrer Funktion die Situation und die Probleme der Anwohner mit in eine Entscheidung einzubeziehen.

Der Investor möchte sein Vorhaben den Stadträten sowie den Bürgern bei der nächsten Stadtratssitzung am Dienstag, 17. März, detailliert vorstellen. Das Treffen beginnt um 19 Uhr im Weferlinger Feuerwehrgerätehaus.