Am Wochenende findet das Familientreffen der von Bismarcks in Stendal statt. Familienoberhaupt Ernst von Bismarck war mit der Organisation betraut und freut sich auch auf die Ausstellung "Familie im Wandel" im Altmärkischen Museum.

Stendal l Ernst von Bismarck erscheint pünktlich zum Gespräch. Natürlich. Pünktlichkeit ist eine der preußischen Tugenden. "Treue, Zuverlässigkeit und Einsatz für die Gemeinschaft", zählt der 68-Jährige weitere auf, die er auch heute noch für bedeutsam hält. Für ihn persönlich ist wohl auch Humor eine Tugend. "Das ist meine erste Frau", stellt er seine Begleitung vor und fügt mit schelmischem Blitzen in den Augen hinzu: "Und hoffentlich auch meine letzte".

130 Anmeldungenfür das große Treffen

Das Gespräch findet in einer Gaststätte in der Nähe von Schönhausen statt. "Dort haben wir Ruhe", begründet von Bismarck die Wahl. Ruhe hat das offizielle Oberhaupt einer der berühmtesten Familien Deutschlands in diesen Tagen eher selten. Das Familientreffen steht bevor. Im Jubiläumsjahr, dem Jahr des 200. Geburtstages des wohl bekanntesten Familienmitgliedes Otto von Bismarck, ein ganz besonderes Ereignis.

Natürlich sei er nicht allein mit den Vorbereitungen betraut gewesen, betont von Bismarck. Als Familienoberhaupt sehr wohl aber mit besonderer Verantwortung. Vor einem Jahr haben die Vorbereitungen begonnen, um möglichst viele der 340 Mitglieder zählenden Familie in der Altmark zusammenzubringen und viele Projekte aus Anlass des Bismarck-Jubiläums vorzubereiten. Darunter beispielsweise eine Ausstellung im Altmärkischen Museum Stendal, die am 21. März unter dem Titel "Familie im Wandel" im Rahmen des Familientages eröffnet wird. "Es geht um das Thema Familie allgemein, wir sind nur ein Beispiel", betont von Bismarck. Die Ausstellung soll den Besucher anregen, über Potenziale in der eigenen Familie nachzudenken, da die Rolle der Familie immer wichtiger werde, sich Chancen und Probleme in fast allen Familien gleichen. "Zum Familientag haben wir 130 Anmeldungen", ist von Bismarck recht zufrieden mit der Resonanz, zumal auch 25 Kinder kommen werden. Während oft weit entfernt lebende Vettern eigentlich immer dabei seien, gebe es auch Familienmitglieder, die nie zu dem zweijährlichen Treffen kämen. "Es gibt eben eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensformen in dieser großen Familie", erklärt er. Familie, das sind für ihn in erster Linie seine Ehefrau und die drei Kinder, dann natürlich die sieben Geschwister. Und auch die große Familie von Bismarck ist für ihn wichtig. "Man sollte die Stärken von Familienmitgliedern genießen und nicht über deren Schwächen schwadronieren", ist seine Überzeugung.

Für ihn als Bezugsperson war beispielsweise ein Onkel sehr wichtig, der gut zuhören und - besser als das seine Eltern taten - wichtige Empfehlungen für sein weiteres Leben geben konnte.

Den heute in der Altmark aktiven Kreis der Familie lobt er auch vor dem Hintergrund der Tugend des Einsatzes für das Gemeinwohl. "Mein Bruder Gottfried und mein Vetter Alexander sind Mitbegründer der Bürgerstiftung Stendal, Maren von Bismarck hat den Denkmalpreis des Landes Sachsen-Anhalt verliehen bekommen und die Sitze der Familie in Briest, Döbbelin und Welle wurden zu neuem Leben erweckt", zählt er auf.

Den Ressentimentsfolgte der Respekt

Für ihn ist es wichtig den Familiennamen, der nach eigener Erfahrung nicht immer nur Vorteile, manchmal auch Nachteile gebracht hat, mit eigener Leistung auszufüllen. Er studierte Jura und Volkswirtschaft, war Industriemanager, unter anderem bei der Steag Industrie AG und dem Sonepar-Konzern, Marktführer im Elektro-Großhandel in fünf Ländern. Seinen Lebensmittelpunkt hatte er im mondänen Düsseldorf, ein Haus in der Eifel. Doch sein Lebenstraum war ein anderer. "Zurück zu den Wurzeln", nennt er es. Seit acht Jahren lebt er in Mecklenburg, betreibt - nun mittlerweile auch Rentner - dort einen Forstbetrieb und vermietet außerdem ein Ferienhaus.

Mit einigen Ressentiments haben er und seine Frau zu Beginn kämpfen müssen, preußische Junker seien in der ehemaligen DDR nicht gerade willkommen gewesen. Wie er denn eigentlich angesprochen werden wolle. "Durchlaucht", sagt er lachend, wieder mit dem schelmischen Blitzen in den Augen und wird gleich wieder ernsthaft: "Im Dorf bin ich nicht der Herr von Bismarck, sondern der Ernst."

Dieses Selbstverständnis brachte ihn auch zu einer Freundschaft mit dem einstmals jüngsten LPG-Chef der DDR , der ihm Respekt für seine Leistung in dem mecklenburgischen Dorf zollte. Für Ernst von Bismarck die Bestätigung einer weiteren preußischen Tugend, "sich verantwortlich fühlen und dafür kämpfen".

Etwas unruhig blickt von Bismarck auf die Armbanduhr, die Eröffnung der Sonderausstellung im Schönhausener Bismarck-Museum steht bevor. Der Moment zum Aufbruch ist gekommen. Der Ministerpräsident und die anderen Gäste sollen nicht warten. Pünktlichkeit ist eine Tugend. Auch 200 Jahre nach der Geburt Otto von Bismarcks.