Seit mehr als vier Jahrzehnten ist der Jübarer Hartmut Bock als ehrenamtlicher Heimatforscher tätig. Besonders die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist ihm wichtig. Dafür erhält er den Volksstimme-Blumenstrauß des Monats April.

Jübar l Ehrungen hat Hartmut Bock schon viele erhalten, erst unlängst das Bundesverdienstkreuz und davor bereits die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde Jübar. Und doch ist der 70-Jährige überrascht, als die Volksstimme an seiner Haustür klingelt und ihm den Blumenstrauß des Monats April überreicht. "Den hätten doch eigentlich viele andere verdient, die mit mir zusammenarbeiten und sich beispielsweise bei den Jungen Archäologen um alles kümmern", zeigt sich der Jübarer bescheiden.

Und doch ist das Engagement Hartmut Bocks nicht hoch genug zu würdigen. Bis heute ist er derjenige in der Region, der sich mit Herzblut und Akribie um die Erforschung heimatlicher Geschichte kümmert. Zahlreiche Bücher und Beiträge für wissenschaftliche Werke sind aus seiner Feder bereits entstanden. Dabei versucht Bock stets, historische Zusammenhänge und Hintergründe so zu erklären, dass sie jeder versteht, ohne den wissenschaftlichen Anspruch zu vernachlässigen.

Langeweile kommt bei dem gebürtigen Hanumer, der zunächst Museologie in Weißenfels studierte und mehr als 30 Jahre als Lehrer in Stöckheim, Jübar und Beetzendorf arbeitete, nicht auf. Derzeit arbeitet er an der Auswertung der Ausgrabungen, die der von ihm gegründete Verein Junge Archäologen der Altmark bis 1995 in Osterwohle absolvierte. Langfristig ist ein neues Buch über Aberglauben, Sitten und Gebräuche in der Altmark geplant, für das Bock bereits eifrig Material sammelt.

Besonders wichtig ist dem 70-Jährigen, Kinder und Jugendliche für Heimatgeschichte und Archäologie zu begeistern. Dieses Ziel verfolgt Hartmut Bock seit mehr als vier Jahrzehnten. Nur ein Jahr nach Beginn seiner Lehrertätigkeit an der damaligen Polytechnischen Oberschule Stöckheim gründete er 1972 die Arbeitsgemeinschaft Junge Historiker, aus der später der Verein Junge Archäologen wurde. "Die Schüler haben Vorträge über das Leben von Johann Friedrich Danneil erarbeitet, die sie dann in ihren Heimatorten gehalten haben. Wir haben Ausgrabungen organisiert und Broschüren zur heimatlichen Geschichte erstellt", berichtet Hartmut Bock. Darin ging es um Erntebräuche wie Vergoodendeel, Knechte und Mägde, Essen und Trinken in der Altmark und die Geschichte der LPG Jübar. Nach der Wende führte er die von ihm betreuten Schüler an Themen wie die Zwangsaussiedlung aus dem DDR-Grenzgebiet ("Aktion Ungeziefer") und die Kollektivierung ("Vom Bauernhof zur LPG") heran. Es entstanden Videofilme, die vom Bundespräsidenten prämiert wurden.

Ausgrabungen verbinden die Generationen

Viele seiner Schüler von damals hat Bock mit dem Forschervirus infiziert. Sie sind heute noch bei den Jungen Archäologen aktiv, denen der Jübarer seit mehr als 40 Jahren vorsitzt und der stolze 120 Mitglieder hat. Wovon andere Vereine nur träumen können, ist hier gelungen: den Nachwuchs zu begeistern und bei der Stange zu halten. Die Grabungslager und Fahrten, bei denen Hartmut Bock stets mit von der Partie ist, stehen bei den Kindern und Jugendlichen auch heute noch hoch im Kurs. Die Gründergeneration von damals, die jetzt schon über 50 ist, führt den heutigen Nachwuchs in die spannende Materie ein.

Auch für seinen Heimatort Jübar engagiert sich Hartmut Bock. So war er nach der Wende mehrere Jahre im Gemeinderat tätig. Und als die Frage kam, ob er die Arbeit an einem Bildband über Jübar federführend übernimmt, sagte er ebenfalls nicht Nein.

Haben Sie auch einen Vorschlag, wer den Blumenstrauß des Monats verdient hat? Dann melden Sie sich bei uns, telefonisch unter 0151/12305377 oder per Mail an pb-mogk@t-online.de.

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