Jahrstedt l Klötzes Bürgermeister Matthias Mann schnalzte am Sonnabend im Jahrstedter Saal förmlich mit der Zunge. "Wann hat man schon mal die Gelegenheit, so viele hübsche Frauen auf einem Fleck begrüßen zu können." Gemeint waren die fast 70 Erzieherinnen der 8 kommunalen Kitas und 2 Horte aus dem Bereich der Einheitsgemeinde. Allesamt hatten sie an dem vom Europäischen Sozialfonds geförderten 100-Stunden-Programm mit dem etwas sperrigen Titel "Bildung: elementar - Bildung von Anfang an" teilgenommen und diese Ausbildung erfolgreich gemeistert. Dazu gehörten folgende sechs Module: Bildungsauftrag für Kindereinrichtungen, Fachliche Grundorientierung für den frühkindlichen Bildungsprozess, Pädagogische Professionalisierung, Beobachtung, Dokumentation und Evaluation, Erziehungspartnerschaft sowie Gestaltung von Übergängen.

Hierbei, so erklärte Referentin Anja Woithe im Gespräch mit der Volksstimme, ging es darum, sich mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinanderzusetzen und die eigene pädagogische Grundhaltung zu reflektieren, damit die Bildungsprozesse der Kinder angemessen unterstützt werden können.

Kinder an die Macht

Mit anderen Worten: Die Kitas haben ihre Konzeptionen beispielsweise dahingehend verändert, dass die Kinder künftig mehr ihre Bedürfnisse äußern können. "Es geht nicht, dass Erwachsene ihnen alles vorleben", erläuterte Anja Woithe. Stattdessen sollen Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen, Vorschläge unterbreiten und sich selbst einbringen. Denn: "Kindern ist das durchaus zuzutrauen. Es fördert ihre Entwicklung, sie lernen Verantwortung zu übernehmen." All das, so betonte die Referentin, bedeutet aber nicht, dass die Kinder fortan tun und lassen dürfen, was sie wollen. "Regeln existieren nach wie vor, dürfen aber hinterfragt werden."

Wie Anne Schiller ausführte, soll das im Klötzer Hort in der Praxis so aussehen, dass die Kinder etwa eigenständig die Listen zur An- und Abmeldung führen und dass es einen Fragebogen gibt, bei dem Kinder schreiben können, wie und was sie über den Hort denken. Zudem sollen die Räume derart umgestaltet werden, dass mehr direktes Licht einfällt.

Gemischte Gruppen

In der Kuseyer Kita, so erzählte Leiterin Anne Schmidt, sind die Räume bereits verändert worden. Und: Es gibt Angebote, die von den Kindern gemeinsam genutzt werden können.

In der Klötzer Kita Spatzennest, so berichtete Leiterin Caroline Winkler, sollen Interviews mit den Kindern geführt werden, damit diese auf die Umgestaltung der Räume Einfluss nehmen können.

In der Klötzer Kita Zinnbergzwerge, so erwähnte Leiterin Christine Paul, soll es fortan in der Zeit von 8 bis 9 Uhr ein gruppenübergreifendes Frühstück geben. Überhaupt werden altersgemischte Gruppen eingeführt.

Generell, also in allen Kitas, soll die Entwicklung der Kinder noch genauer als bisher verfolgt, dokumentiert und mit den Eltern besprochen werden. Ohnehin sollen die Erziehungsberechtigten mehr denn je eingebunden werden, die Kitas wollen offener und transparenter arbeiten.

Lob für die Fortbildung

In der Runde kam auch der Wunsch auf, dass die Erzieherinnen vielleicht mal für einige Wochen in anderen Einrichtungen hospitieren, um andere Eindrücke zu bekommen und sich Anregungen für die eigene Arbeit zu holen. Matthias Mann signalisierte umgehend sein Wohlwollen. "Die Stadt nimmt diesen Vorschlag gerne auf."

Für das 100-Tage-Programm gab es Lob von allen Seiten. So sagte Bettina Bartels von der Kita Kunrau: "Man hat gelernt, gelassener zu werden und sich nicht so unter Druck zu setzen." Und Martina Bratz, Leiterin des Hortes Kusey/Kunrau, sagte: "Die Fortbildung war eine Bereicherung. Man hatte endlich mal Gelegenheit, sich auszutauschen."

Matthias Mann bedankte sich bei den Erzieherinnen für deren Einsatz. Schließlich fand die Fortbildung freitagnachmittags und sonnabendvormittags statt. Das Programm, da war er sicher, wird nun allen zum Vorteil gereichen und das bereits "sehr gute" Niveau der Einrichtungen auf eine noch höhere Ebene hieven.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde Kristina Dombrowski, sie arbeitet in der Klötzer Kita Zinnbergzwerge, als Qualitätsmanagerin für die städtischen Einrichtungen vorgestellt. Damit wird eine Vorgabe des Kinderförderungsgesetzes umgesetzt.

Wechsel in Kunrau

Außerdem präsentierte Bettina Bartels, die 20 Jahre lang die Kunrauer Kita geleitet hatte und sich nun in die zweite Reihe zurückzieht, ihre Nachfolgerin. Sie heißt Stefanie Wiehl, ist 38 Jahre alt, wohnt in Voitze (Samgemeinde Brome), hat zwei Kinder, ist Diplom-Sozialpädagogin, Erzieherin und Krippenfachkraft in einer Person und war zuletzt als stellvertretende Leiterin in einer Gifhorner Einrichtung tätig. Die Leitung der Kunrauer Kita übernahm sie just vor einer Woche, also am 13. April.

   

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