Quarnebeck l Sie tragen so wohlklingende Namen wie Scarlett, Kyrill oder Niklas. Doch diese Tiefdruckgebiete richteten in den vergangenen Jahren erhebliche Schäden in den Wäldern an. Der Waldbesitzerverband, das Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt und die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen luden deshalb am gestrigen Mittwoch zu einem Waldschutzlehrgang nach Quarnebeck ein. Mit dabei Vertreter von Forstämtern des Landes, Forstbehörden, Vertreter der Kreise, der Ämter für Forsten und Flurneuordnung sowie Waldbesitzer.

In erster Linie ging es dabei um die Kiefernbestände, den "Brotbaum" im nördlichen Sachsen-Anhalt, der auf fast 80 Prozent der Waldfläche im Land steht. "Wir hatten im Winter 2010/2011 starke Nassschneeschäden in den Kiefernbeständen", erläuterte Sylke Mattersberger vom Landeszentrum Wald. "Drei Jahre hat es gedauert, diese Schäden aufzuarbeiten."

Aufforsten ist eine Herzensangelegenheit

In der Altmark fielen damals rund 300000 Festmeter Schadholz allein in Privatwäldern an. "Wir wollen darüber sprechen, wie die Schäden behoben worden sind und wie die Flächen aufgeforstet wurden", nannte sie das Ziel.

Als Herzensangelegenheit der Waldbesitzer bezeichnete Wolfgang Schulz, stellvertretender Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes, das Aufforsten. "Inzwischen ist das zum Dauerthema geworden", sagte er mit Blick auf immer mehr Schäden durch Wetterextreme. Er erinnerte an die Kosten, die auf den Schultern der Waldbesitzer lasten würden. "Wenn nicht noch weitere Schäden hinzukommen, wäre die Welt für uns in Ordnung. Aber die Welt ist aus den Fugen geraten", betonte er. Der Schneebruch 2010 habe gezeigt, wie wichtig Waldbesitzer, Forstbetriebsgemeinschaften und Revierförster vor Ort seien.

Auf die katastrophalen Schäden durch den Nassschnee 2010 in der Altmark ging im Anschluss Helmut Jachalke, Chef des Betreuungsforstamtes Westliche Altmark in Klötze, ein. Insgesamt waren im Einzugsgebiet des Betreuungsforstamtes und im Landeswald geschätzte 350000 Festmeter sogenanntes Kalamitätsholz durch Schneebruch angefallen. Spitzen lagen im südlichen Bereich bei 29 Festmetern Schadholz je Hektar. Zum Vergleich: Der normale Einschlag pro Jahr liegt bei drei bis vier Festmetern. "Die Kiefern sind dabei regelrecht herausselektiert worden", beschrieb Helmut Jachalke. Andere Arten waren kaum betroffen. Im Raum Apenburg knickte die Schneelast 50000 Exemplare Stangenholz. "2007 richtete Kyrill starke Schäden an, 2009 die Blattwespe, 2010 waren es große Waldbrände und Schneebrüche, 2014 Niklas. Was kommt 2016?", fragte Helmut Jachalke.

Einsatz der Douglasie bringt Quantensprung

Um auf künftige Ereignisse vorbereitet zu sein, müssen neue waldbauliche Strategien her. Davon ist Professor Hermann Spellmann von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt überzeugt. Er erläuterte nicht nur die Notwendigkeit zur Pflege der Kiefernbestände, sondern auch die Vorteile der Douglasie. "Der Übergang zur Douglasie mit ihrer Wachstumsleistung und größeren Widerstandskraft bei klimatischen Veränderungen bringt einen Quantensprung im ökonomischen Vergleich", hob er hervor. Dabei dürfe die Kiefer aber nicht vernachlässigt werden. Was den Klimawandel betrifft, "gehen wir in eine unsichere Zukunft", sagte Spellmann. "Kiefern, Eichen und Douglasien werden in Zukunft in unseren Wäldern immer wichtiger. Auch die Naturschützer müssen sich der Herausforderung des Klimawandels stellen."