Immekath/Neu-Ristedt l Wölfe sind in der Region um Klötze längst heimisch geworden. Das beweisen nicht nur die sich häufenden Sichtungen, sondern auch die gerissenen Wild- und Nutztiere. Jüngste Beispiele: In der Nacht zum Dienstag fiel ein Schaf bei Immekath einem Wolf zum Opfer. Einen Tag später, in der Nacht zum Mittwoch, ist ein Schaf in Neu-Ristedt geschlagen worden.

Britta Meyer-Roschau, Inhaberin eines Reiterhofs, fand das ausgeweidete Tier am Mittwochabend. "Das Schaf war eine von zwei Handaufzuchten und handzahm", berichtete sie im Gespräch mit der Volksstimme. Die Art und Weise, wie der Kadaver aussah, ließ sie vermuten, dass ein Wolf das Tier gerissen hat. Britta Meyer-Roschau verständigte das Veterinäramt des Kreises und die Referenzstelle Wolfsschutz des Biosphärenreservats Mittelelbe. Peter Oestreich sah sich den Riss am Donnerstag an und bestätigte: "Das war ein Wolf."

Wie kann er sich da so sicher sein? Peter Oestreich zeigte die Eintrittsstellen der Fangzähne beim Kehlbiss an dem Schaf. "Sie liegen hier 5,5 Zentimeter auseinander. Das entspricht dem Spektrum des Wolfs." Der Abstand bei einem Hundebiss würde rund vier Zentimeter betragen. Zudem lag der Pansen ein Stück vom Kadaver entfernt. "Da geht kein Wolf ran, das ist typisch", sagte Peter Oestreich. Alle anderen inneren Organe des Schafs waren dagegen verschwunden. Pro Mahlzeit würde ein Wolf bis zu zehn Kilogramm Fleisch vertilgen.

Peter Oestreich hatte auch das gerissene Schaf bei Immekath untersucht und dort ebenfalls einen Wolf als Verursacher ausgemacht. In diesem Fall lag der Zahnabstand beim Kehlbiss bei 4,5 Zentimeter. "Das heißt, in Immekath haben wir es mit einem anderen Wolf zu tun als in Neu-Ristedt oder sogar mit einem Rudel", schlussfolgerte der Experte.

Britta Meyer-Roschau indes ist verunsichert. Es war das erste Mal, dass so etwas in Neu-Ristedt passierte. "Das hat ganz schön Aufruhr im Dorf verursacht", sagte sie. "Ich habe große Angst um meine Tiere." Auch überlege sie, ob sie Kinder und ihre erwachsenen Kunden der Reitschule noch ohne Weiteres ausreiten lassen könne. Unklar ist auch, wie ein Pferd beim Ausritt reagiert, wenn es einem Wolf begegnet. Verfällt es in Panik, kann es für den Reiter gefährlich werden.

Die Schadensmeldung über den Riss ihres Schafes bekommt jetzt das Landesverwaltungsamt, das über eine Entschädigung entscheidet. Nutztierhalter können bis zum 5. Mai zudem Fördermittel beantragen, um ihr Gelände mit einem Zaun gegen den Wolf zu schützen.

Ansprechpartner bei Fragen und zu Schadensfällen an Nutztieren ist die Referenzstelle Wolfsschutz in Arneburg, Telefon 039321/51832, Handy für Notfälle 0162/3133949; E-Mail Andreas.Berbig@bioresme.mlu.sachsen-anhalt.de. Anträge auf Schadensersatz werden gestellt beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, Obere Naturschutzbehörde, Dessauer Straße 70, 06118 Halle/Saale, Telefon 0345/5142661. Informationen zum Herdenschutz liefert das Zentrum für Tierhaltung und Technik, Lindenstraße 18 in 39606 Iden, Telefon 039390/60, E-Mail poststelle.iden@llfg.mlu.sachsen-anhalt.de.

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