Der Name Heinrich Bettinghausen ist untrennbar mit der Geschichte von Klötze verbunden. Einerseits beeinflusste er selbst das Geschehen in der Stadt, andererseits arbeitete er die Historie Klötzes akribisch auf. Bärbel Gerich übergab den Nachlass ihres Vaters jetzt in die Obhut der Stadt.

Klötze l Ein Schatz von unermesslichem Wert ging am Montag in den Besitz der Stadt über. Doch dieser Schatz ist nicht in Euro aufzuwiegen. Vielmehr handelt es sich um mehrere tausend Akten, Bücher, Fotos und Dokumente aus Jahrhunderten - gesammelt vom ehemaligen Klötzer Stadtchronisten Heinrich Bettinghausen. Bis zu seinem Tod im Dezember 2006 dokumentierte er jedes Detail der Geschichte von den Anfängen des Amtes Cloetze bis in die Neuzeit. Um diesen historischen Schatz der Nachwelt zu erhalten, übergab Bärbel Gerich jetzt das archivierte Material der Stadt.

Für Klötze ist das ein Glücksfall, fand Bürgermeister Matthias Mann bei der offiziellen Übergabe am gestrigen Dienstag in den Räumen der Stadt- und Kreisbibliothek. "Mir geht es dabei um die Sicherung dieses Materials, um es für kommende Generationen zu erhalten", betonte Matthias Mann. "Sonst würde viel Wissen über unsere Stadt verloren gehen."

Originale Urkunden aus dem 18. Jahrhundert dabei

Am Montag sind die Akten, Bücher und Fotos in die Bibliothek geholt worden. Darunter originale Urkunden über die Besiedelung des Klötzer Wolfsberges 1897, Erbzinsbriefe und ein Pachtvertrag für eine Wiese aus dem Jahr 1814. In den Regalen steht auch das Protokollbuch eines Klötzer Turnvereins aus dem Jahr 1880 sowie ein Schriftstück über den Ankauf von drei Glocken der evangelischen Kirchengemeinde 1799. Zudem Tausende von Fotos, alte Ausweise, von Heinrich Bettinghausen selbst verfasste und andere geschichtliche Bücher. Sein Werk dokumentiert die Schulgeschichte, die Entwicklung des Milchwerks, die Entstehung von Straßenzügen.

Unermüdlich sortierte Heinrich Bettinghausen zu Lebzeiten Zeitungsausschnitte in seine Ordner und schrieb auf der alten Robotron-Schreibmaschine die Klötzer Chronik fort. Sein damaliger Geschichtslehrer Adolf Thie war es, der in ihm die Leidenschaft für die Heimatforschung weckte. Doch auch der gelernte Büchsenmacher musste zunächst in den Krieg ziehen, geriet in Gefangenschaft.

Seine Bücher werden selbst in Australien gelesen

Nach seiner Entlassung im Jahr 1946 arbeitete Heinrich Bettinghausen über 40 Jahre als Polizist und baute nebenbei in mühevoller Kleinarbeit sein Archiv auf, das heute sicher manchem Historiker Neues aus der Stadtgeschichte enthüllen kann. Nach der Wende war er Gründungsmitglied des Heimatvereins. Die von ihm geschriebenen Chronik-Bände haben selbst ehemalige Klötzer gelesen, die heute in Südafrika oder Australien leben.

Wie das in Regalen und auf Tischen lagernde Material einmal genutzt werden kann, ist noch nicht entschieden. Matthias Mann schlug bereits vor, in dem kleinen Gebäude neben dem Rathaus in der Mittelstraße eine Heimatstube damit einzurichten. Auf jeden Fall müsse die Chronik aufgearbeitet und alles gesichtet werden, sagte der Bürgermeister. Zum Schutz der Sammlung soll der Zugang nur Einzelpersonen auf Antrag für bestimmte Recherchen gewährt werden.

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