Die Aktion "Dreibeine", mit der Autofahrer auf die Gefahr von Wildunfällen aufmerksam gemacht werden sollen, geht in die nächste Runde. Allerdings ist bei dem Pilotprojekt längst nicht alles in trockenen Tüchern: Die Unfälle mit Reh und Co. nahmen zu, der Informationsfluss funktioniert noch immer nicht.

Klötze/Schwiesau l Die Zahlen aus dem vergangenen Jagdjahr bringen es ans Licht: Die Aktion Dreibeine an der Landesstraße 19 zwischen Klötze und Schwiesau wirkte sich bisher nicht positiv auf das Unfallgeschehen aus. Dort werden seit 2013 mit Signalfarben besprühte Holzgestelle, die Dreibeine, an Stellen platziert, an denen es zu einem Wildunfall kam. Damit sollen Autofahrer zu mehr Aufmerksamkeit und besonderer Vorsicht animiert werden.

Am Mittwoch trafen sich direkt an dem betreffenden Straßenabschnitt Vertreter der Kreisverwaltung, der Polizei sowie von Forst und Jägerschaft, um Bilanz zu ziehen. Dabei zeigte sich: Zwar ist der Trend bei den Wildunfällen in Sachsen-Anhalt rückläufig. Auch auf Kreisebene verringerte sich die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Wildbeteiligung um 89 auf 1070.

Blaue Reflektoren zeigen offenbar Wirkung

"Diesen Trend können wir aber für die Projektstrecke Klötze-Schwiesau nicht bestätigen", erläuterte Polizeihauptmeister Manfred Richter. "Im Jagdjahr 2014/2015 registrierten wir 19 Wildunfälle auf diesem Abschnitt, das sind drei mehr als im Jagdjahr davor." Der geringfügige Anstieg habe auch mit der Dreibein-Aktion nicht verhindert werden können.

Für Jens Mösenthin von der Unteren Jagdbehörde ist die Wirksamkeit der neuen, blauen Reflektoren, die bereits in einigen Abschnitten an Leitpfosten befestigt sind, von maßgeblicher Bedeutung. "Die meisten Wildunfälle passieren dort, wo es noch keine blauen Reflektoren gibt", stellte er mit einem Blick auf die Karte fest. Revierleiter Dietmar Schulze vom Landesforstbetrieb Altmark erinnerte, dass es in dem Bereich zwischen Klötze und Schwiesau 2013 den geringsten Wildwechsel seit langem gegeben habe, was die Unfallzahlen auch beeinflussen würde.

Der stellvertretende Kreisjägermeister Erwin Grödl fragte nach den häufigsten Tageszeiten für Wildunfälle. Ergebnis: Die meisten Kollisionen geschehen bei Tageslicht in den frühen Morgen- und Abendstunden. "Dann wirken die blauen Reflektoren aber nicht", gab Grödl zu bedenken.

Wölfe bringen das Wild durcheinander

Keine messbaren Auswirkungen hat bisher laut Dietmar Schulze die Anwesenheit von Wölfen in der Region auf das Unfallgeschehen. Wölfe können aber das Wild aufschrecken, weshalb die Tiere selbst tagsüber in Panik über Straßen laufen. Kurios ist: "Mehrere Videos zeigen, dass Wölfe Wild über Fahrbahnen hetzen, selbst jedoch anhalten und zögern", berichtete Dietmar Schulze.

Auf ein Problem, das nach wie vor besteht, machte noch Jens Mösenthin aufmerksam: "Die Mitarbeiter der Leitstelle in Stendal sollten die Pächter zeitnah über Wildunfälle informieren." Das sei wichtig, damit sich die Jäger um das eventuell verletzte Wild kümmern und die erforderlichen Dreibeine aufstellen können.

Dieses Problem war auch Manfred Richter und Polizeioberkommissar Peter Klahs bekannt. Sie schränkten jedoch ein, dass die Jagdpächter oft telefonisch nicht zu erreichen seien. "Das ist wegen der Zuständigkeiten nur über die Leitstelle selbst zu klären", betonte Peter Klahs.

Ohne die Kommunikation zwischen Einsatzleitstelle und Jägern funktioniert das Projekt aber nicht. "Die Untere Jagdbehörde ist allerdings sehr an Ergebnissen dieses Versuchs interessiert", verdeutlichte Jens Mösenthin. Daraus sollen eventuell Schlussfolgerungen für die Verkehrssicherheit auch auf anderen Strecken gezogen werden.

Aktuell stehen zwischen Klötze und Schwiesau drei Dreibeine in Neongrün, die von Wildunfällen seit Beginn des neuen Jagdjahres am 1. April 2015 zeugen. Die 16 Holzkreuze aus dem beendeten Jagdjahr 2014/2015 sind inzwischen eingesammelt worden.

Jens Mösenthin: "Wir wollen Autofahrer auf die Gefahren an der L19 aufmerksam machen, weil wir hier mit die höchsten Wildunfallzahlen im Kreis haben."

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